Crailsheim Hammeltanz: wenn Tradition zwei Orte verbindet

Lena Wengert ist Hammeltänzerin.
Lena Wengert ist Hammeltänzerin. © Foto: Julia Vogelmann
Crailsheim / Sebastian Unbehauen 16.10.2018
Eigentlich heißt die Serie „Eine von uns“, doch Lena Wengert ist jetzt „eine von denen“, zumindest beim Hammeltanz. Tanz und Liebe haben aus einer Crailsheimerin eine Onolzheimerin gemacht.

Aber der Reihe nach. Das erste Mal hat Lena Wengert mit 18 den Antrag bekommen, ihrem Freund als Tanzpartnerin beim Hammeltanz zur Seite zu stehen. Der hat schon vorher den Bajazzo für die Tänzer gegeben, und mit der Volljährigkeit kam als logischer Schritt die Teilnahme am Tanz um den Hammel.

„Für mich war das ganz neu. So wirklich kennt man das Drumhe­rum und die Organisation dahinter ja nicht, wenn man von außen kommt“, erinnert sich die inzwischen 23-Jährige zurück. Hi­n­einschnuppern war bei der ersten Besprechung im „Fränkischen Rigi“ angesagt, wo sich um die Volksfestzeit alle Tänzer treffen, um die Aufgaben zu verteilen. Die Liste, so lernte Lena Wengert dort, ist lang und wird von Jahr zu Jahr an die Tänzer weitergegeben. Girlanden binden, Hammeldeckchen besticken, Zweige holen und vieles mehr steht darauf. Dabei sind die Aufgaben – auch das lernte die junge Tänzerin schnell – oft unter den Geschlechtern aufgeteilt.

Doch wo sich die Männer, sie müssen ja aus Onolzheim sein, in der Regel schon gut kennen, müssen sich die Tänzerinnen oft erst kennenlernen. Viele von ihnen kommen von außerhalb. Das geschieht bei den Treffen im Vorfeld, doch so richtig erst am Hammeltanz-Wochenende, wenn die Frauen sich freitags treffen, um die Girlande für den Festzug zu binden und das Deckchen für den Hammel mit Buchs zu besticken. „Alle waren so herzlich und haben mir alles erklärt, das war richtig toll“, erinnert sich Lena Wengert an ihr erstes Jahr und die erste Aktion ohne ihren Freund.

Respekt hatte sie am Anfang vor allem vor der traditionellen Seite des Hammeltanzes. „Man kommt von außen in eine Tradition, das ist schon eine große Sache“, sagt sie und ergänzt: „Man weiß vorher einfach nicht, wie groß das tatsächlich ist. Für die Onolzheimer geht das Fest und die Tradition, die eingehalten wird, über alles.“

Sich dieser Tradition unterzuordnen, fiel der jungen Frau von Anfang an leicht. Das lag auch daran, dass gewisse Dinge eben doch nicht in ein starres Korsett gepresst sind, wie etwa die Tanzschritte. „Man muss zum Glück keinen besonderen Tanz aufführen. Discofox kann ja jeder“, betont sie. Auch die Regel, dass die Damen keine Hosen tragen dürfen, sondern sich traditionell in Kleid oder Rock kleiden sollen, findet sie nicht schlimm, auch wenn sie zugibt, dass die Garderobe für die Frauen ein Riesenthema ist.

„Was haben die Vorgänger getragen, was ist für Wetter, das sind die Fragen, nach denen sich die Auswahl der Garderobe richtet“, so Lena Wengert. Zwar begnügen sich die Männer in der Regel mit einem klassischen Anzug, doch die Damen achten schon darauf, dass zumindest die Accessoires, zum Beispiel die Krawatte, zu ihrem Gewand passt.

Heuer machten sich einige Tänzerinnen wie im Vorjahr auch sogar gemeinsam auf, um das richtige Outfit zu finden. Solche Ausflüge, aber auch die traditionellen Wanderungen nach dem Hammeltanz, findet Lena Wengert übrigens an der ganzen Sache besonders schön.

Die Gemeinschaft, die dadurch entsteht, und die Solidarität, die in ganz Onolzheim mit dem Hammeltanz und den Hammeltänzern gezeigt wird, sind für sie immer wieder ein Grund, mitzumachen. „Hammeltanz verbindet“, sagt sie und erzählt eine Anekdote, in der die gerissene Anzughose eines Tänzers für Aufregung sorgte, bis eine Nachbarin die Anzughose des eigenen Mannes spendete, damit das Paar tanzen konnte. Als weiteres Beispiel nennt sie die vielen ehemaligen Tänzer, die bei Ausflügen auch immer wieder gern dabei sind.

Zum sechsten Mal dabei

Seit 2015 wohnt Lena Wengert übrigens in Onolzheim und hat der Crailsheimer Innenstadt den Rücken gekehrt. Schuld daran war jedoch nicht nur der Hammeltanz, sondern ein Onolzheimer, an den sie ihr Herz verloren hat. Mit ihm tanzt sie in diesem Jahr bereits das sechste Mal mit. Auf der Favoritenliste sieht sich das junge Paar allerdings nicht. „Wir sind noch jung. Wir tanzen noch ein wenig. Irgendwann werden wir schon gewinnen“, sagt sie schmunzelnd. Ihre Eltern nehmen sich übrigens seit ihrer ersten Teilnahme am Hammeltanz-Montag frei, um der Tochter beim Tanzen zuzusehen.

Sie selbst nimmt sich immer noch einen weiteren Tag frei, um ohne Reue feiern zu können. Ganz zum Schluss kommt aber doch die Crailsheimerin durch, als sie lachend verrät: „Am Volksfestmontag habe ich auch immer Urlaub.“

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