Wenn der Tierschutzverein Crailsheims ins Tierheim an der Heldenmühle zum Tag der offenen Tür einlädt, dann stauen sich die Autos der Besucher auf den umliegenden Feldwegen. Viele haben ein Herz für Tiere und spazieren langsam an den großen hellen Tierboxen vorbei. „Es wäre ein großer Erfolg, wenn wir heute einen unserer Hunde vermitteln würden“, sagt Claudia Hofmann, die Vorsitzende des Tierschutzvereins.

Die mehrere hundert Besucher am Sonntag sind keine Garantie, dass einer der Vierbeiner sein eigentlich als Übergangslösung geplantes Quartier dauerhaft verlassen wird. „Große junge Hunde und kleine alte Hunde sind ein Problem“, sagt Mitarbeiterin Natascha Kalitzki.

Während die Tierheimgäste fröhlich den Sonnentag genießen und sich ihre Kleinen verzaubern oder schminken lassen, fasst Claudia Hofmann den Tierheim-Sommer zusammen: „Es war brutal schlimm.“ Die Anzahl der Fundtiere hat zugenommen, vor allem bei den Katzen. Besonders drastisch in Erinnerung blieb der Fund eines Pitbulls zwischen Westgartshausen und Wittau, an dessen Leine noch der Maulkorb hing. Hofmann vermutet: „Es fehlt an wirklichem Bewusstsein für die Tiere.“

Immer noch würden Katzen und Meerschweinchen gekauft, ohne dass sich die neuen Besitzer klar darüber geworden sind, ob sie die Vierbeiner täglich artgerecht versorgen können. „Und nach zwei Wochen landen sie dann im Tierheim.“  Dies treffe auch auf ältere Tiere zu. Die Vereinsvorsitzende sagt drastisch: „Wir haben eine Wegwerfgesellschaft. Man gibt auch den Tieren keine Zeit mehr. Wenn es nicht funktioniert, kommen sie weg.“

Die Zahl der ehrenamtlichen Helfer nimmt wie in vielen anderen Vereinen stetig ab. Hofmann muss daher ihr Arbeitspensum erhöhen, der ehrenamtliche Einsatz pro Woche liegt derzeit bei acht bis zehn Stunden. Einer der weiteren Mitarbeiter hat ein großes Herz für Hunde und Pferde. „Ich liebe sie von meiner Jugend an“, sagt Stephan Dinges. Sein Spezialgebiet: von Menschen misshandelte Tiere.

Katzen sind für das Tierheim eine Herausforderung

Vor allem die Katzen stellen eine große Herausforderung dar. „Viele sehen nicht, wie schnell sich diese vermehren können“, sagt Hofmann. Rein rechtlich gelte: Wer Katzen füttert, ist ihr Besitzer.  „Manche verzichten auf die Kastration und füttern dann 50 Katzen“, hat die Vereinsvorsitzende beobachtet. Um die ungewollte Katzenschwemme einzudämmen, bietet der Tierschutzverein Gutscheine für die Katzenkastration an. Der Erfolg dieser Aktion ist bisher überschaubar.

Doch es gibt sie auch, die hoffnungsvollen Momente. Vor Kurzem wurde bei einem Verkehrsunfall ein Mensch getötet, der Hund überlebte leicht verletzt. Nach kurzer Zeit im Tierheim holten Familienangehörige den Hund wieder nach Hause. Oder auch einzelne Hunde, die teilweise jahrelang ihr Dasein im Tierheim fristen.

Tairon war sieben Jahre dort, er war auf seine damals verstorbene Besitzerin fixiert. Seit ein paar Tagen ist der Hund vermittelt. Die Tierheimcrew hofft inständig, dass er nicht zurück gebracht wird. Denn das Heim ist praktisch ausgebucht mit zwölf Hunden, 30 Katzen und 14 Meerschweinchen.

Hofmann hat die Hoffnung, dass der Westhighlandterrier Sammy und der kleine Mischling Gismo bald nicht mehr dazugehören: „Sie sind beide zwar schon etwas älter, aber sie vertragen sich super. Wäre toll, wenn sie ein gemeinsames neues Zuhause finden könnten.“ Ein Vorteil: Ältere Hunde sind oft viel ruhiger und relaxter als junge.

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