Hummeln in Crailsheim Schüler finden sogar Rote-Liste-Art

Crailsheim / Ute Schäfer 05.12.2018
146 Hummeln gefangen, gezählt, bestimmt und freigelassen: Schülergruppe der Käthe-Kollwitz-Schule überreicht Gutachten an die Stadt Crailsheim.

So einen Termin hat das Forum in den Arkaden noch nicht so oft erlebt. Denn er war eine lustige Mischung aus Klassenausflug und offizieller Übergabe eines Gutachtens an Bürgermeister Jörg Steuler. Was steckte dahinter? Das Projekt Stadtbiene war‘s. Das hatte die Schüler im Sommer mit Insekten-Keschern auf einen der neu angelegten Blühstreifen in der Stadt gelockt. Dort zählten und bestimmten sie die Hummeln und Bienen – Wespen blieben außen vor. Der Grund: Sie sollten in Erfahrung bringen, wie sich die Blühstreifen auf das Insektenvorkommen auswirken. Denn die Schüler hatten festgestellt, dass es immer weniger Insekten gibt. Das stellten sie dem Gutachten voraus, das sie im Sommer erarbeitet hatten und das sie nun offiziell übergaben.

Dem Insektensterben will auch die Stadt entgegenwirken. Das Projekt Stadtbiene beinhaltet eine Reihe von Maßnahmen. Die Pflanzentauschbörse etwa werde im kommenden Jahr wiederholt, sagte Stephan Brendle vom Bauamt, der das Projekt betreut. Es gebe außerdem eine Reihe von Vorträgen, Veranstaltungen und Exkursionen. Und nicht zuletzt den Stadtbienenhonig und die Päckchen mit Blumenwiesen-Samen, die die Stadt verteilt.

Elf Hektar Blühstreifen

Die Stadt legte in den vergangenen Jahren auch Blühstreifen auf öffentlichen Grünflächen an. Elf Hektar sind es mittlerweile – darunter auch der Blühstreifen an der Kurt-Huber-Allee, auf dem es im Sommer vier Mal aussah wie auf einem Klassenausflug. Denn dort untersuchten die Schüler der damaligen fünften Klasse der Käthe-Kollwitz-Schule Insekten, unterstützt vom Wildbienenexperten Rainer Prosi aus Crailsheim. „Die Kinder waren begeistert dabei“, berichtet Prosi. „Natürlich hat auch mal eine Biene gestochen. Aber vom Insektenzählen hat das keinen abgehalten.“

Mit dem Zählen war es freilich nicht getan. Die Hummeln sollten auch bestimmt werden. Das war gar nicht so einfach, berichteten die Schüler, die das Gutachten mit Powerpoint und kleinen Filmchen gekonnt präsentierten. Denn die am schwierigsten zu bestimmende Hummel zum Beispiel, die „Veränderliche Hummel“, kommt in gleich drei Farbschlägen vor. Die Kinder zeigten Fotos und erklärten den rund 45 Besuchern im Forum in den Arkaden die Unterschiede.

Die schönste Hummel, fanden sie, war die „Bunte Hummel“, von denen 16 in den Keschern landeten, die häufigste die Ackerhummel mit 41 Exemplaren. Die seltenste war die Harzbiene, ein toller Fund. Diese Rote-Liste-Art fanden die Schüler an den vier Nachmittagen immerhin einmal.

Die Untersuchung ging wissenschaftlich höchst korrekt vonstatten. Genau 45 Minuten dauerten sie, und auch wenn die Schüler vor lauter Begeisterung weitersammelten, gezählt wurden die Hummeln nicht mehr. Die Daten müssen ja vergleichbar sein. Sie wurden in kleine Gläschen gesteckt. Das sollte verhindern, dass eine Hummel während des Monitorings mehrmals gefangen wurde. „Die Kinder machen das viel geschickter als wir Erwachsenen mit unseren dicken Fingern“, lobte Prosi. Die Gläschen kamen in eine Kühltasche, damit die eingesperrten Hummeln sich beruhigen konnten. Nach der Untersuchung wurden alle wieder freigelassen. Und alle überlebten, berichteten die Schüler stolz.

Nächstes Jahr wieder dabei

Sie erarbeiteten außerdem Handlungsempfehlungen, die sie der Stadt im Gutachten ans Herz legten. Wenn nämlich die Insekten wegen Nahrungs- und Nistkastenmangels abnehmen, müsse die Stadt noch mehr Blühstreifen anlegen, forderten sie. Der Untersuchung in diesem Jahr soll eine weitere im nächsten Jahr folgen. Damit wollen die Schüler beobachten, ob sich die Blühstreifen positiv auf die Anzahl und die Arten der Insekten auswirken und sie vielleicht noch mehr Hummeln fangen können.

Zum Dank bekamen die Kinder von der Stadt im Sommer ein Eis spendiert. „Im nächsten Jahr wird es bestimmt wieder sehr heiß“, sagten sie. Da musste Bürgermeister Steuler lachen. „An einem Eis soll es nicht scheitern“, sagte er. „Vielen Dank für das Gutachten und dafür, dass ihr so fantastisch mitgearbeitet habt.“

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