Crailsheim Powerfrau tritt einen Schritt kürzer

Inge Brenner aus Altenmünster hat schon viel von der Welt gesehen, doch einer ihrer Lieblingsplätze ist ihre Terrasse. Von dort blickt sie auf ihre bunten Blumen im Garten oder liest im Liegestuhl ein Buch, wenn sie mal keinen Töpferkurs gibt.
Inge Brenner aus Altenmünster hat schon viel von der Welt gesehen, doch einer ihrer Lieblingsplätze ist ihre Terrasse. Von dort blickt sie auf ihre bunten Blumen im Garten oder liest im Liegestuhl ein Buch, wenn sie mal keinen Töpferkurs gibt. © Foto: Johannes Ihle
Crailsheim / Johannes Ihle 03.07.2018
Die ehemalige Lehrerin Inge Brenner aus Altenmünster gibt seit Jahren unter anderem Kurse an der Volkshochschule und unterrichtet an der Hector-Kinderakademie. Mit Letzterem ist jetzt Schluss.

Die Arbeit mit Ton und Keramik ist ihre Leidenschaft – neben zahlreichen anderen Aktivitäten, denen sie sich verschrieben hat. Inge Brenner aus Altenmünster ist begeisterte Lehrerin und Künstlerin – und das an vielen Orten. Mit 79 Jahren tritt sie nun ein wenig kürzer und gibt ihre Arbeit an der Hector-Kinderakademie auf. Ihr Terminplan ist dennoch gut gefüllt. „Ich wüsste keinen Tag, an dem mir langweilig war“, sagt Brenner über ihre Karriere an der Schule, der Volkshochschule, der Hector-Kinderakademie und über ihr privates Leben, das sie viel mit Reisen, Musik und Geschichte verbringt.

Bereits mit vier Jahren war Brenner klar, was sie in ihrem späteren Leben einmal machen wollte. „Ich werde Lehrerin – oder gehe zum Zirkus. Am Ende hat beides geklappt: Zirkus in der Schule“, sagt sie und lacht. In Stuttgart geboren, kam sie nach dem Krieg nach Crailsheim, weil ihr Vater hierher versetzt wurde. Doch nach wenigen Jahren zog es sie zum Studieren zurück in ihre alte Heimat. Als fertig ausgebildete Lehrerin für Kunst und Technik kam sie Mitte der 60er-Jahre wieder nach Hohenlohe zurück.

„Hier wurden Lehrer gesucht. Und da ich hier Verwandtschaft hatte, wurde ich hierher versetzt“, sagt Brenner. Eigentlich wollte sie in Stuttgart bleiben, doch sie nahm die neue Herausforderung an und kam nach Altenmünster an die Schule. Die Bedingungen, die sie dort vorfand, waren katastrophal. „Es gab keinen Werkraum, keinen Hammer, keine Schere – einfach nichts“, blickt die Künstlerin zurück. „Am Anfang war es schlimm. Ich wollte kein halbes Jahr bleiben.“

100. VHS-Kurs steht bevor

Doch sie biss sich durch. Nach 16 Jahren an der Schule in Altenmünster zog sie weiter und wechselte an die Eichendorffschule. Im Jahr 2000 dann der nächste Schritt: Ruhestand. Doch von Ruhe und Stand keine Spur: Sie widmete sich anderen Aufgaben und blieb der Schule nicht fern. „Zehn Jahre habe ich anschließend noch an drei Schulen Kurse gegeben.“ Außerdem nimmt sie seit 2000 beim „Seniorenhobby“ ältere Kunstbegeisterte unter ihre Fittiche und zeigt ihnen die Welt der Tonarbeit. Kurse an der Volkshochschule Crailsheim gibt sie schon seit mehreren Jahrzehnten. „Im Herbst gebe ich meinen 100. Kurs“, sagt sie nicht ohne Stolz.

Ein weiteres für Inge Brenner sehr wichtiges Projekt startete 2009. Als Gründungsmitglied der Hector-Kinderakademie unterrichtet sie seitdem begabte Kinder im Arbeiten mit Ton und Keramik. Doch damit ist vom Herbstsemester an Schluss. „Ich hatte mir vorgenommen, mit 70 die AG-Angebote aufzuhören und mit 80 die Hector-Kinderakademie“, sagt sie. „Und das mache ich dann auch.“ Inge Brenner ist eine Frau der klaren Worte und Taten.

Somit bleibt ihr nun ein wenig mehr Zeit für eine weitere Leidenschaft: das Reisen. In wenigen Tagen geht es für sie nach Schottland. „Ich reise gern in Länder mit alter Geschichte.“ So war sie beispielsweise schon in Mexiko, Ägypten, Peru oder Kambodscha. Im Winter war sie stets in den Bergen beim Skifahren. „Doch das geht heute nicht mehr so“, sagt sie und verweist auf ihr Alter.

Gibt sie mal keine Kurse an irgendeiner Schule in Crailsheim und Umgebung oder reist durch die Weltgeschichte, geht sie in die Oper oder ins Theater nach Stuttgart. Oder sie verbringt Zeit in ihrem Garten und kümmert sich um ihre Blumen oder sie liest ein Buch. Langweilig ist es ihr also wirklich nie. „Und das wird hoffentlich so bleiben.“

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