Eigentlich waren es an jedem der beiden Abende gleich zwei Konzerte in einem. Denn eine Konzerthälfte hatte die Länge eines normalen Auftritts. Damit dürften die beiden Bühnenshows vom Wochenende als die bisher längsten in die Geschichte der vor 26 Jahren als Jugendverein des Gesangvereins Harmonia Crailsheim gegründeten „Harmonia Swingers“ eingehen.

Das Beste aus acht Jahren

Zum ungewohnten Jubiläum boten die Sängerinnen und Sänger das Beste der Programme der vergangenen acht Jahre – natürlich ohne Weihnachtslieder. Chorleiter Roman Harms  erklärte dem Publikum nach einem mit Leidenschaft vorgetragenen „This Is The Greatest Show“ aus dem Musicalfilm „The Greatest Showman“, warum 26 und nicht 25 Jahre des Bestehens gefeiert wurden: „Wir wollten den Turnus von Weihnachts- und Herbstkonzert nicht durchbrechen.“

Für die verspätete Feier durften die Fans des Chores im Vorfeld per Internet-Abstimmung mitentscheiden, was auf jeden Fall zu hören sein sollte. Gleich zwei Titel von „Queen“ schafften es am Ende unter die besten drei. Die „Bohemian Rhapsody“ wurde auf den ersten Platz gehoben.

So abwechslungsreich wie dieses Stück geriet dem Chor das gesamte, in Kategorien wie „Film“, „Musical“ oder „Motown“ eingeteilte Programm. Das reichte dann vom jazzigen „New York, New York“ über in die Beine gehende Musik wie „Dancing Queen“ oder „Waterloo“ von „ABBA“ bis zum poppigen „Jump“-Rocksong von Van Halen.„You’re The Inspiration“ von „Chicago“ wurde ebenso mit Hingabe gesungen wie „Aquarius“ und „Let The Sun Shine In“ aus dem Musical „Hair“. Stimmgewaltig klang John Farnhams „You’re The Voice“.

Wie schon bei früheren Konzerten glänzten die „Harmonia Swingers“ auch diesmal wieder mit ihren Solisten. Dazu gehörte an diesem Abend vor allem Anna-Lisa Rüeck, die Christina Aguileras „I Am Beautiful“ ebenso mitreißend vortrug wie Gloria Gaynors „I Will Survive“.

Oft zu hören war auch Kevin Bork, der besonders als „Soul Man“ überzeugte und beim Duettieren mit Annemarie Wagner zu Bill Withers’ „Lean On Me“. Viel Soul gewann Letztere zusammen mit Alicia Harms auch der Nummer „Midnight Train To Georgia“ von Gladys Night ab. Alicia Harms ließ zusammen mit Tobias Mehlhorn Lionel Richies „Endless Love“ innig erklingen.

Musikalischer Heiratsantrag

Dann setzte Mehlhorn zum Solo mit Adel Tawils „Ist da jemand“ an. Diesen Auftritt freilich konnte nur das Publikum vom Samstagabend erleben, denn der Song war eigentlich nicht Teil des Programms, sondern ein musikalischer Heiratsantrag. Den beantwortete Freundin Kathrin Murinns, die von Chormitgliedern während des Vortrags auf die Bühne geholt wurde, mit einem eindeutigen Ja.

Die Solisten waren auch in kleineren Gesangsgruppen zu hören, die Sängerinnen als „Sisters“ etwa bei Taylor Swifts leicht ekstatisch bis in feinste Melodieverästelungen hinein wiedergegebenem „Red“. Oder sie bildeten in gemischter Besetzung die „Jackson Five“ mit „ABC“.

Leon Bratz begeistert

Auch bei den „Swing Teens“, dem seit acht Jahren bestehenden Kinder- und Jugendlichenchor der „Harmonia Swingers“, fanden sich schon solistisch begabte Sänger. Da begeisterte Leon Bratz etwa mit Ed Sheerans „Thinking Out Loud“. Und Ellen Ott war zusammen mit Adrian Eschl zu Songs aus dem Musical „Grease“ zu hören.

Nach über drei Stunden mit Songs aus den letzten sechzig Jahren und einem bunten „This Is Me“, das den Bogen zurück zum Anfang zu „The Greatest Showman“ schlug, war das Publikum am Ende hingerissen und spendete stehend lang anhaltenden Beifall. Den erwiderten die „Harmonia Swingers“  noch mit zwei Zugaben: „Stairway To Heaven“ und „Don’t Stop Believin‘“.