Angefangen habe alles, so Hartmut Maurer, als einer von vier Kanzleipartnern und Initiator der Ausstellung, mit einer Reise vor drei Jahren. „Südafrika sehen und lieben“, habe er als Motto mitgebracht. Ein wenig wehmütig erinnerte er sich in seiner Begrüßung der etwa 300 Vernissage-Gäste an Sonnenaufgänge mit Nashorn-Herden und das „warme, bezaubernde Licht“.

Einige Zeit später seien er und seine Frau in einer Ausstellung mit südafrikanischer Kunst in Stuttgart auf das betreuende Ausstellerpaar Barbara Lenhard und Florian Gast getroffen. Daraus sei die jetzt in der LHM-Kanzlei gezeigte Ausstellung mit den eigens aus Südafrika herbeigeschafften Bildern entstanden, wie Barbara Lenhard in ihrer Einführung betonte. Man habe damit die „Tür nach Südafrika ein kleines bisschen aufstoßen“ wollen, meinte Hartmut Maurer noch.

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110 Werke von 16 Künstlern

Das ist sicher der Fall, sind doch etwa 110 Werke von 16 Künstlern zu sehen. Vorwiegend sei es konkrete Malerei, die die derzeitige Kunstszene in Südafrika bestimmt, stimmte Florian Gast auf Nachfrage zu. Entsprechend findet man mit Werken von Natasha Barnes nur zwei Bilder, die eher abstrakt geraten sind. An der Grenze dazu, aber immer noch figürlich sind Michaela Rinaldis Bilder. Sie gehört laut Gast zu den Künstlern, die am deutlichsten der Absicht der Ausstellung entsprochen hätten, auch Kunst aus Südafrika zu zeigen, die sich nicht unbedingt als afrikanisch im Ursprung zeigt, sondern eher globalisiert wirkt.

Genauso könnten auch die fotorealistisch anmutenden Bilder von Corné Eksteen überall auf der Welt gemalt worden sein. Eksteen hat eine zweite Ebene darüber gemalt, die wie etwas Vergeistigtes oder wie eine intendierte Bewegung wirkt.

Kuratorin Barbara Lenhard stellte drei weitere Künstler he­raus. So hob sie die auf Zeitungspapier gemalten Menschen hervor, die der 33-jährige in Johannesburg lebende Künstler Andrew Ntshabele in seinem Wohnort auf der Straße gesehen, fotografiert und dann mit dem Pinsel aufs Papier gebannt hat. Er wolle „das Johannesburg von heute zeigen“.

Der 53-jährige Edward Selematsela hat 1995 eine Kunstschule für Waisenkinder ins Leben gerufen. Von ihm sind zum einen Landschaftsbilder mit Alltagssituationen zu sehen. Zum anderen ist die spezielle Beziehung von Kind und Hund auf seinen Bildern thematisiert.

Vor zwölf Jahren habe Cornè Theron, die einzige Künstlerin, die am Donnerstagabend vor Ort war, begonnen, ihre Bilder mithilfe einer Art Pixeltechnik zu verfremden. Wasser verwendet sie dabei als immer gegenwärtiges Element, zumal die menschlichen Augen nicht dazu entwickelt seien, unter Wasser richtig zu sehen. „Ich benutze Wasser als eine Metapher für unser Unterbewusstsein“, meinte die Künstlerin, die im Moment Stipendiatin in Frankreich ist.

Einer der jüngsten Künstler dieser Ausstellung ist der 1992 in Zimbabwe geborene Mandlenkosi Mavengere. Seine Bilder sind ausgesprochen sozialkritisch. Da geht es um den Ausverkauf des Kontinents oder um Migration auf Banknoten imitierenden Siebdruck, auf den folkloristisch anmutende Menschen gemalt sind. Ausnahme: das Bild „On Fire II“, auf dem „Migration Dilemma“ auf die Banknoten gedruckt ist und ein knieender Mensch brennt.

Farbenreich, und zwar so, dass man die Hitze des Kontinents durch die Farben zu sehen glaubt, sind die Bilder des aus Cape Town stammenden Shakes Tembani. Seine Menschen sind auf ihre Farben reduziert. Gesichter sind nicht zu sehen.

Und sprühend vor Witz und knallbunt sind schließlich David Kuijers Tierbilder. Sie erinnern an Comiczeichnungen, Pop Art und Graffiti. Im Mittelpunkt stehen die Tiere Afrikas, aber genauso auch Haustiere wie Hunde, Katzen und Hasen.

Sie wollten den Betrachtern etwas bieten, „das etwas Laune macht“, fasste Florian Gast das Konzept zusammen. Es sei darum gegangen, südafrikanische Kunst in ihrer breiten Vielfalt zu zeigen. Das ist eindrücklich gelungen.

Info


Die Ausstellung mit zeitgenössischer Kunst aus Südafrika ist bis zum 9. April zu den Öffnungszeiten der LHM-Kanzlei montags bis freitags zwischen 9 und 16 Uhr zu sehen.