Mal Hand aufs Herz: Wissen Sie, dass der dienstälteste Direktor aller bayerischen Spielbanken aus Crailsheim kommt? Nun, ja, das ist nicht ganz richtig – es ist nämlich eine Direktorin. Sie heißt Elisabeth Schock und führt das Casino in Feuchtwangen seit Februar 2004. Schock (56) war damals erst die zweite Frau, die an die Spitze einer der neun Spielbanken in Bayern berufen wurde. Seither steuert sie den Glücksspiel-Dampfer am Autobahnkreuz Feuchtwangen-Crailsheim sicher durch teils stürmische Gewässer. Seit sie ihren Dienst antrat, belegt Feuchtwangen Platz 2 im jährlichen Ranking.

Heuer wird übrigens 20-jähriges Jubiläum gefeiert: Am 31. März 2000 öffnete das Casino mit der auffallenden Architektur an der Autobahn seine Pforten. Und wie es sich für solche Anlässe gehört, gibt es Gutes zu vermelden. Der Bruttospielertrag (Spieleinsätze abzüglich der ausbezahlten Gewinne) in 2019 ist um fast ein Viertel gegenüber dem Vorjahr auf über 16 Millionen Euro gestiegen. Damit einher gingen auch die Besucherzahlen nach oben: von knapp 100.000 (2018) auf über 113.000 im letzten Jahr (plus 13,5 Prozent).

Automaten machen 70 Prozent des Umsatzes aus

Überhaupt ist seit dem Jahr 2018 mit einem Plus des Spielertrags von rund 14 Prozent eine kleine Trendwende in Sicht. Dass tut auch Not, waren die Jahre seit 2010 doch nicht besonders „nett“ zu Elisabeth Schock: immer weniger Besucher, immer weniger Umsatz. „Die Zunahme an gewerblichen Spielhallen und das illegale Glücksspiel im Internet setzten uns doch ziemlich zu“, sagt die Direktorin. Vor allem aber das seit zehn Jahren geltende Rauchverbot in den bayerischen Spielbanken habe sich negativ auf die Zahlen ausgewirkt.

Konsequenz: Die Umsätze rutschten in den Keller. Von 17,4 Millionen Euro Bruttospielertrag im Jahr 2009 auf 11,3 Millionen Euro 2017. Auch die Besucher wurden weniger: 2009 waren es noch 136.000, 2017 rund 99.000.

Die Wende hin zum Guten sieht Schock in zwei Gründen: Zum einen hat der Gesetzgeber die Regeln für private Spielhallen verschärft, sodass dort seit einiger Zeit nur noch langsamer und mit niedrigeren Einsätzen gespielt werden kann. „Das kommt natürlich unserem Automatenspiel zugute“, so Schock, das im übrigen mittlerweile rund 70 Prozent des gesamten Spielertrages ausmache. Zum anderen sei das „Spiel- und Serviceangebot optimiert“ worden.

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Hechingen

Spielbank bietet Mehrwert gegenüber Online-Casinos

Will heißen: Im großen Spiel (Roulette, Black Jack) etwa ist seit Jahren Poker ein wertvoller Umsatzbringer. Gerade hier wurde das Angebot mit mehr Turnieren und Cash-Games deutlich erweitert, dazu gibt es die „Spielbanken Bayern Pokermeisterschaft“. Im Event- und Unterhaltungsbereich haben sich die Casino-Club-Nights mit ihrer Verbindung aus Musik, Bar und Livespiel etabliert. Konzerte, Kabarettabende und Tombolas komplettieren mittlerweile das Angebot in Feuchtwangen.

Elisabeth Schock: „Wir müssen im Wettbewerb mit Online-Casinos bestehen, indem wir einen Mehrwert anbieten. Poker ist nach wie vor sehr populär und bei uns einfach in professionellen Händen. Die Club-Nights präsentieren die Spielbank und ihr Angebot in einer neuen, lockeren Atmosphäre. Das heißt, die Gäste fühlen sich wohl und kommen gerne wieder.“

Zahlen des Jahres 2019


Vergleich der Zahlen des Jahres 2019 der drei größten bayerischen Spielbanken:
Bad Wiessee: Besucher 151 921, Bruttospielertrag 26,3 Millionen Euro; Feuchtwangen: Besucher 113 454, Bruttospielertrag 16 Millionen Euro; Garmisch-Partenkirchen: Besucher 125 449, Bruttospielertrag 11,3 Millionen Euro. Die weiteren Spielbanken sind: Bad Kissingen,
Lindau, Bad Reichenhall, Bad Füssing, Bad Kötzting und Bad Steben. Insgesamt besuchten 728 217 Menschen die Spielbanken im Jahr 2019, der Bruttospielertrag lag bei 86,7 Millionen Euro.

Herkunft der Besucher 2019:
Rund 20 Prozent der Besucher kommen jeweils aus dem Landkreis und der Stadt Ansbach, aus dem Großraum Nürnberg und aus den württembergischen Kreisen  Schwäbisch Hall, Hohenlohekreis und Ostalbkreis. Die restlichen 40 Prozent der Gäste nehmen Fahrtzeiten bis zu einer Stunde in Kauf. Sie kommen von Ulm und Augsburg ebenso wie von Würzburg oder Schweinfurt ans Autobahnkreuz. Rund zwei Drittel sind Männer, ein Drittel Frauen. res