Roßfeld / Julia Vogelmann  Uhr
Das Kinderhaus Zottele 1 aus Roßfeld feiert bei den sogenannten Girafes Awards mit dem Zauberwald-Projekt einen internationalen Erfolg.

Die „Girafes Awards“ werden in Frankreich schon lange in zahlreichen Kategorien verliehen. Prämiert werden Kindertageseinrichtungen und ihre kreativen und innovativen Ideen. Unter der Schirmherrschaft des französischen Familienministeriums und gesponsert von namhaften Firmen kürt eine Jury die besten Einrichtungen. In diesem Jahr wurde erstmals ein internationaler Preis ausgelobt und weil das Zottele Kontakt nach Frankreich pflegt, wurde die Einrichtung eingeladen, mit einem Projekt am Wettbewerb teilzunehmen.

„Das war richtig kurzfristig“, erinnert sich Monika Rehberger, Leiterin der Einrichtung. Unter dem Motto „Verzauberung“ sollte ein Projekt entwickelt werden, bei dem Erzieher, Kinder und Eltern an einem Strang ziehen. Da der Buchautor Florian Mast das Kinderhaus schon lange begleitet, fiel die Auswahl ganz schnell auf sein Buch „Fungus“, das die Kinder schon gut kennen. „Das Buch vereint das vorgegebene Motto toll mit dem Thema Natur und Wald, das ein wichtiger Teil unseres Konzepts ist, ebenso wie die tiergestützte Pädagogik“, erklärt Monika Rehberger.

Auch die Heizung bleibt aus

Im Kindergarten wurde ein Raum freigeräumt und mit Hackschnitzeln, Ästen und Zweigen, Wandbemalung und Hockern aus einem Holzstamm in einen Zauberwald verwandelt. Auch ein Unterschlupf mit Kissen entstand. Um die Stimmung im Raum so echt wie möglich zu gestalten, liefen Waldgeräusche vom Band. Die Heizung blieb aus – die gibt es im Wald ja auch nicht.

„Uns war es wichtig, die Natur hereinzuholen. Es hat zwei Monate lang überall im Haus nach Wald gerochen“ – Leiterin Anita Jedlinski freut sich immer noch. Der Raum war dann freigegeben zum Spielen, war aber für sechs Wochen auch Zentrum zahlreicher Aktivitäten rund um das Thema Zauberwald wie Bilderbuchbetrachtungen oder Taschenlampenspielen im Dunkeln. Sogar Pilze züchteten die Kinder  mit ihren Erzieherinnen.  Auch die Eltern waren eingeladen, mit ihren Kindern den Raum zu erleben.

„Es gab einen Projektplan, der auf den Bildungs- und Orientierungsplan aufbaut, der darin einfloss. So haben die Kinder gelernt, ohne das überhaupt zu merken“, erklärt Erzieherin Anita Jedlinski. Dokumentiert wurde das Projekt nicht nur mit zahlreichen Fotos, sondern es entstand auch ein Film über diese Zeit, dazu ein Ordner mit Ausarbeitungen und Beschreibungen der einzelnen Aktionen, der Projektidee und der Wochenpläne. Eine französischsprechende Mutter erklärte sich bereit, die Sprechparts zu übernehmen, um den Film für den Wettbewerb fit zu machen, den das Zottele 1 dann tatsächlich gewann.

Im Sommer wird groß gefeiert

Es setzte sich gegen zwölf Teilnehmer aus fünf Ländern durch und wurde zur Preisverleihung nach Paris eingeladen, wo die beiden Leiterinnen den Preis in Form einer Giraffen-Lampe entgegennahmen. Zum Preis gehört außerdem eine Bildungsreise nach Frankreich, an der drei Erzieherinnen im kommenden Sommer teilnehmen dürfen.

„In der gleichen Woche, in der wir erfahren haben, dass wir gewonnen haben, entdeckten wir eine kleine Eiche in einem Kübel im Zauberwald. Die haben wir eingepflanzt und mit nach Paris genommen als Mitbringsel“, erzählt Monika Rehberger.

Groß gefeiert wurde noch nicht, bisher hat das Gewinnerteam lediglich mit Sekt angestoßen. Doch beim Sommerfest in diesem Jahr soll das nachgeholt werden. Gefeiert wird es ganz passend, in Wildenstein im Zauberwald.