Es war wohl ein sehr reicher, sehr mächtiger Fürst, dessen Langschwert, Spatha genannt, ihm im 7. Jahrhundert bei Wittau ins Grab gelegt wurde. Als es viele Hundert Jahre später gefunden und von Willi Holl beschrieben wurde , zeigte sich recht schnell, dass es sich um eine der bemerkenswertesten Klingen dieser Zeit überhaupt handelt. Nicht ohne Grund hat das Landesmuseum Württemberg die „Spatha von Ingersheim“ immer wieder ausgewählt, um die schmiedetechnischen Errungenschaften der Zeit zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert vorzustellen; Ingersheim ist seit Langem ein Begriff in der Fachwelt.

Solche Klingen waren das Statussymbol schlechthin für den alamannischen Kriegeradel, und noch viel später, als längst ganz andere Waffen den Kampf bestimmten, wurde von ihnen erzählt. Im großen gleichnamigen Epos des Nordens hat Beowulf unermüdlich sein „Hartschwert“ aus „kostbarem Wellenstahl“ geschwungen, das alle Welt „Nägeling“ nannte. Auch der sagenhafte Siegfried verdankt seinem Schwert Balmung Ruhm und Ehre. Alles Damszenerklingen.

Wie weiland Wieland der Schmied haben zu ganz anderen Zeiten ganz andere Völker mit Damaszenerstahl gearbeitet. Und das nicht nur in Geschichten, die des Nachts am Feuer erzählt werden. Unter anderem das Katana der japanischen Samurai war daraus gearbeitet; die Schwerter der Mogulherrscher und die Klingen persischer Schmiede waren ebenfalls Damastklingen.

Eine Glanzleistung

Niemand weiß, ob der Krieger aus Ingersheim seinem Damaszener-Schwert einen Namen gegeben und was er mit ihm vollbracht hat, wie generell wenig mehr bekannt ist, als dass er gestorben und mit diesem Schatz begraben worden ist. Waffenexperten haben seine Spatha bereits im Katalog zur Großen Landesausstellung „Alamannen“ 1997 als „Glanzleistung frühmittelalterlichen Handwerks“ besungen – mit einer Begeisterung, die deutlich macht, wie außergewöhnlich diese Arbeit ist. „Der Aufbau der Spatha ist sehr komplex, weil sich Zonen mit Streifen- und solche mit Torsionsdamast schachbrettartig abwechseln, dies setzt eine enorme Kunstfertigkeit des Schmieds voraus“, sagt Dr. Klaus Georg Kokkotidis, Referatsleiter Archäologie des frühen und hohen Mittelalters am Landesmuseum. Für Nicht-Fachleute verständlicher dürfte ein Schreiben Theoderichs an den König der Vandalen sein, in dem dieser sich im 6. Jahrhundert für ein Schwertgeschenk bedankt: „Eure brüderliche Liebe hat mir Schwerter und Hiebwaffen als Geschenk übermacht, deren Eisen köstlicher ist wie Gold. (...) In dem mittleren Teil erscheinen schöne Vertiefungen wie kräuselndes Gewürm, und es zeigen sich so mannigfache Schattierungen, dass man glauben möchte, es sei das glänzende Metall mit verschiedenerlei Farben durchwebt.“

Zurück ins Mittelalter

Für diese Art Klinge gibt es verschiedene Herstellungsverfahren, von denen vor allem die wurmbunt genannten Klingen aus Schweißdamast interessant sind. Das heißt schlicht, dass die Schmiede im Laufe der Zeit lernten, Falt- und Drehvorgänge (Torsion) von Eisen und Stahl so zu kontrollieren, dass sie bestimmte Muster gezielt herstellen konnten. Das Ingersheimer Schwert ist so faszinierend, dass der Damastschmied und Fachbuchautor Manfred Sachse in die Rolle eines frühmittelalterlichen Schmiedes schlüpfte und es anhand von Skizzen, Maßangaben und Röntgenarbeiten nacharbeitete. Auch diese Arbeit ist bis April in Stuttgart zu bewundern.

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Sonderausstellung zur  „Faszination Schwert“


Bis zum 28. April sind in der großen Sonderausstellung des Landesmuseums im Alten Schloss zum Teil weltbekannte Schwerter oder ihre Nachbildungen zu sehen, zudem Kunstwerke, Handschriften und originalgetreue Repliken aus Serien und Computerspielen.
Infos gibt es unter www.landesmuseum-stuttgart.de.