Crailsheim Defizit steigt Jahr für Jahr

Crailsheim/Hall / Andreas Harthan 17.11.2018
Das Crailsheimer Krankenhaus rutscht immer tiefer in die roten Zahlen. Auch das Diak in Schwäbisch Hall braucht Geld und will vom Landkreis einen 30-Millionen-Euro-Zuschuss.

Der 14. November 2018 wird vielen Kreisräten lange in Erinnerung bleiben, denn an diesem Mittwoch machten zwei wichtige Nachrichten die Runde. Zum einen sagte Sozialminister Manfred Lucha bei der Besichtigung des Kreisklinikums in Crailsheim zu, auch den 27 Millionen Euro teuren Anbau an den Neubau (Kosten: 60 Millionen Euro) mitzufinanzieren. Zum anderen schrieb Michael Kilb, der Geschäftsführer des Diakonie-­Krankenhauses in Schwäbisch Hall, einen Brief an Landrat Gerhard Bauer und die Kreisräte, in dem er den Kreis bittet, sich an den Kosten des zweiten Diak-Bauabschnitts zu beteiligen. Der wird laut Kilb „mehr als 80 Millionen Euro“ kosten. Mehr als 30 Millionen davon soll der Kreis übernehmen, denn das Diak beantragt einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 2,2 Millionen Euro „über einen Zeitraum von 14 Jahren“ – macht also insgesamt 30,8 Millionen Euro.

Kilb begründet den Antrag mit dem Hinweis, dass das Diak „seit Jahrzehnten eine große Verantwortung für die medizinische Versorgung im Landkreis trägt“, und beispielsweise die Grund- und Regelversorgung für mehr als 60 Prozent der Bevölkerung im Kreis sicherstellt. In seiner Funktion als Krankenhaus der Zentralversorgung sei das Diak für alle Bewohner des Kreises von Bedeutung.

Der Geschäftsführer schreibt in seinem Brief, der dieser Zeitung vorliegt, dass das Diak für die Finanzierung des ersten Bauabschnittes, der 128 Millionen Euro teuer war, Darlehen in Höhe von 42 Millionen Euro aufnehmen musste (das Land hat 84 Millionen Euro bezahlt). Damit nun auch noch die mindestens 80 Millionen Euro, die für den zweiten Bauabschnitt benötigt werden, finanziert werden können, will das Diak, dessen Träger das evangelische Diakoniewerk Schwäbisch Hall ist, 31 Millionen Euro vom Landkreis.

Brief sorgt für Unruhe

Der Brief vom Mittwoch hat für erhebliche Unruhe in den Kreistagsfraktionen gesorgt. Er war am Rande des Ministerbesuches in Crailsheim immer wieder Thema in kleinen Gesprächsrunden von Kreisräten. Da am kommenden Dienstag Kreistagssitzung ist und die Haushaltsreden der Fraktionen anstehen, kann davon ausgegangen werden, dass die Fraktionen Stellung zu dem Diak-Brief beziehen. Die Unruhe in den Fraktionen speist sich nicht nur aus der Höhe der Diak-Forderung, sondern auch durch den Umstand, dass das Defizit des Kreisklinikums größer und größer wird.

Beim Ministerbesuch bezifferte Landrat Bauer, der Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums ist, das Defizit in diesem Jahr auf „über vier Millionen“. 2017 seien es noch drei Millionen Euro gewesen. Rechnet man noch den Kapitaldienst für die Klinik­immobilie dazu, muss der Landkreis in diesem Jahr „deutlich über fünf Millionen“ zuschießen, so Bauer.

„Folterinstrumente“

Für Kreisverwaltung und Kreisräte ist das besonders ärgerlich, weil das neue Krankenhaus in Crailsheim auf eine hundertprozentige Belegung verweisen kann. Mittlerweile werden 10 000 Patienten im Jahr stationär behandelt, mehr als 20 000 Patienten, die ambulant behandelt werden, kommen hinzu. Dass der Abmangel trotzdem steigt, hängt mit der Krankenhausfinanzierung des Bundes zusammen, die der Landrat massiv kritisiert. Beim Ministerbesuch sprach er davon, dass „Folterinstrumente“ gerade gegen die kleineren Krankenhäuser eingesetzt werden, etwa Fixkostendegressionsabschläge. Sie sorgen dafür, dass Mehrleistungen einer Klinik schlechter bezahlt werden.

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