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Crailsheim / Julia Vogemann  Uhr
Mit seinem Projekt „Peacemaker“ will Simon Jacob nicht nur die europäische Sichtweise auf die Konflikte und Kriege im Nahen Osten verändern, sondern auch elementare Gemeinsamkeiten aufzeigen.

Die Suche nach Frieden, welche Grundlagen und Voraussetzungen er braucht, wo Menschen ihm suchen, finden, verhindern und zerstören – das ist ein ganz persönliches Projekt von Simon Jacob, das der Journalist am Dienstag, 25. Juni, um 19.30 Uhr bei einem Vortrag im Forum in den Arkaden in Crailsheim vorstellt. Veranstalter ist die VHS zusammen mit der Katholischen Erwachsenenbildung und dem Evangelischen Bildungswerk.

1978 in der Osttürkei geboren und mit zwei Jahren nach Deutschland immigriert, wurde Jacob als junger Erwachsener eingebürgert – was er als Anlass nahm, seinen Nachnamen, der der Familie im Zuge der Kemalisierung weggenommen wurde, wieder anzunehmen und sogar noch einen Schritt weiterzugehen und ihn „einzudeutschen“.

Aus der eigenen Geschichte heraus entstand bei ihm das Bedürfnis, Konflikte und Kriege zu hinterfragen, zu lernen, wie sie entstehen und geführt werden, und zu verstehen, wie sie die wichtigsten Güter der Menschheit sowie Freiheit und Vielfalt in Gefahr bringen.

Begonnen hat alles mit Reisen innerhalb Europas, wo Simon Jacob die Vielfalt des Kontinents erlebte: „Europa hat mir gezeigt, dass wir Wohlstand generieren und uns an der Schönheit der Diversität freuen“, fasst er zusammen, was den Anstoß gab, über die Geschichte Europas vom Dreißigjährigen Krieg bis zur Jetztzeit nachzudenken.

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Menschen im Nahen Osten haben Angst vor Europäern

Diese Überlegungen weckten in ihm den Wunsch, auch den Nahen Osten und seine Konflikte zu begreifen. Gleichzeitig stellte er durch seine journalistische Tätigkeit fest, dass die Berichterstattung über den Nahen Osten auf Krieg, Terrorismus und Konflikte beschränkt ist. An dieser Sichtweise wollte Simon Jacob etwas ändern. Nach einer Reise in den Nahen Osten zog er eine kritische Bilanz: „Ich habe gemerkt, dass sich in der dortigen Gesellschaft etwas verändert hat durch diese negative Berichterstattung. Die Menschen haben mich anders betrachtet, sie hatten Angst vor mir“, erinnert er sich.

So entstand der Gedanke, ein Projekt anzustoßen, das den Nahen Osten und seine Menschen aus einer anderen Perspektive zeigt und die Vielfalt, den Wunsch nach Frieden und Freiheit und die gesellschaftlichen Zusammenhänge in den Vordergrund stellt.

Simon Jacob will den Alltag zeigen

„Peacemaker“ nannte Simon Jacob sein Projekt, für das er seinen Job aufgab. Mit Blogs auf Youtube und in anderen sozialen Netzwerken, aber auch durch zahlreiche journalistische Beiträge versucht er auf seinen Reisen ein Bild des Nahen Ostens zu zeichnen, das Europäern zeigt, wie die Alltagswirklichkeit der Menschen dort aussieht.

Gleichzeitig wollte Simon Jacob damit aber auch erreichen, dass die Menschen dort Europäer nicht als Kolonialisten, sondern ebenfalls als Menschen zu betrachten lernen.

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„Es bedarf der Erkenntnis, dass Menschen gleiche Bedürfnisse haben“ – das ist eine der grundlegenden Einsichten, die Simon Jacob von dieser Suche nach Frieden mitgebracht hat: „Und die Menschen wollen frei sein.“

Gefahr für diese elementaren Bedürfnisse sieht Simon Jacob vor allem in der Globalisierung und Digitalisierung, die mit Fake News und mit einer an Ein­schaltquoten orientierten Berichterstattung die Denk- und Sichtweise der Menschen manipuliert und lenkt und der nur gemeinsam entgegengetreten werden kann.

Bei seinen Reisen und mit dem danach entstandenen Buch über seine Erfahrungen und schließlich mit einem Film hat Simon Jacob seine Suche nach Frieden dokumentiert. „Ich habe den Nahen Osten und Europa skizziert auf einfache und verständliche Weise und habe dadurch meinen ganz persönlichen Frieden gefunden“, sagt er. Viel damit zu tun hat auch seine europäische Denkweise und die Erkenntnis, dass auch die Freiheit und der Frieden in Europa auf Krieg und Konflikten basiert, die der Kontinent hinter sich gelassen hat.

Mit Blick auf eine Reise nach Verdun sagt er: „Wenn ich die Schlachtfelder von Verdun sehe und die 50.000 jungen Männer, die dort verheizt wurden, und dann darauf blicke, was in Europa seit den Weltkriegen in den letzten 70 Jahren bewegt wurde, dann habe ich für den Nahen Osten immer noch Hoffnung.“

Inzwischen ist das Projekt „Peacemaker“ ein Selbstläufer mit engagierten Mitgliedern weltweit, die sich für Frieden und Freiheit einsetzen. Seine Vorträge zum Thema gehören für Simon Jacob zu diesem Engagement, das für ihn aus der Mitte der Gesellschaft kommen muss.

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Info

Der Vortrag „Peacemaker“ beginnt am Dienstag, 25. Juni, um 19.30 Uhr im Forum in den Arkaden im Rathaus Crailsheim. Zur besseren Planung ist eine Anmeldung unter der Telefonnummer 0 79 51 / 4 03-3 8 00 oder unter vhs@crailsheim.de erwünscht.