Seit Pfingstsonntag hat die Firma Go-Ahead unter anderem den Bahn-Regionalverkehr zwischen Aalen und Crailsheim übernommen, aber zum Start kämpft sie mit massiven Problemen, die bei Fahrgästen und vor allem bei Pendlern für Frust und Ärger sorgen. So fahren deren Interregio-Express-Züge von Stuttgart nach Aalen die ganze Woche nicht mehr. Und wer derzeit von Crailsheim nach Ellwangen oder vice versa will, der muss in den Bus steigen. Nicht betroffen sind übrigens die überregionalen DB-Züge, sie fahren nach Plan. Was ist da los?

„Aufgrund von Fahrzeugstörungen verkehrt zwischen Ellwangen und Crailsheim ein Schienenersatzverkehr mit Bussen im 60-Minuten-Takt“, heißt es in den Verbindungsdetails der Strecke. Die Busse würden von den Schienenersatzverkehr-Haltestellen verkehren. Und: „Es kommt zu Fahrzeitverlängerung, jedoch besteht ein planmäßiger Anschluss in Ellwangen an die Züge von/nach Aalen.“

Ob wirklich ein planmäßiger Anschluss besteht, ist die Frage. Die reguläre Fahrzeit mit dem Bus von Crailsheim nach Ellwangen verlängert sich sicherlich noch einmal, weil die B 290 zwischen Crailsheim und Jagstheim unter Vollsperrung saniert wird und eine Umleitung eingerichtet wurde. Von dieser Sperrung wusste Erik Bethkenhagen, bei Go-Ahead für Human Resources, Kommunikation und Marketing zuständig, am Mittwoch am Telefon noch nichts.

„Sorry, ziemlich viel los“

Da die Pressestelle des Unternehmens mit Anfragen überhäuft wird, ruft Bethkenhagen zurück. „Sorry“, sagt er, dass er sich erst jetzt melde, es sei gerade „ziemlich viel los“. In einer Pressemitteilung räumt Go-Ahead technische Probleme ein: „Schuld war zumeist die Schnittstelle zwischen Zug und Bahnsteig, die regelt, wie die Lücke zum Zug verringert wird. Hierbei blockierte die Software die Türen. Das führt zu Verzögerungen und Verspätungen im Zugbetrieb.“ Mit dem Hersteller Stadler sei man dabei, eine Lösung zu finden, bis dahin werde geprüft, „an welchen Bahnhöfen keine Schiebetritte ausgefahren werden müssen“.

Zudem lief mit den Bremsen an einigen der neuen Züge nicht alles glatt, die Rede ist von „Störungen infolge von Bremsbelägen auf den Magnetbremsen“. Darauf sei bereits „mit entsprechend engeren Wartungszyklen reagiert“ worden.

Fehler in der Personalplanung ist Grund für den Busverkehr

Und warum der Schienenersatzverkehr zwischen Crailsheim und Ellwangen? „Grund hierfür war ein Planungsfehler aufgrund falsch definierter Datensätze im Planungssystem für die Mitarbeiter-Disposition“, so steht es in der Pressemitteilung. Mit anderen Worten: ein Fehler in der Personalplanung. Hier laufe die Analyse unter Einbeziehung des Software-Dienstleisters.

Bethkenhagen betont generell, dass das Problem „ein bisschen komplexer“ sei. Was die fehlerhafte Personalplanung angeht, wird er auf Nachfrage etwas konkreter. Es sei eine „Schicht rausgefallen“, jetzt käme „peu à peu“ Personal hinzu. Mit dem Schienenersatzverkehr, der bis Ende der Woche laufe, sei ein externer Dienstleister beauftragt.

Das Verkehrsministerium hat das Eisenbahnunternehmen jetzt zum täglichen Krisentreffen einbestellt. „Bei einem Projekt dieser Größenordnung ist es normal, dass auch Probleme zum Start entstehen“, sagt Hans-Peter Sienknecht, Geschäftsleiter von Go-Ahead Baden-Württemberg, und fügt hinzu: „Wir tun rund um die Uhr alles dafür, dass der Betrieb schnellstmöglich rundläuft.“

Am Wartungsstützpunkt in ­Essingen arbeiten Techniker da­ran, „kleinere Probleme und Kinderkrankheiten“ an den Fahrzeugen zu beheben, schreibt Go-Ahead noch. Außerdem seien mobile Technik-Teams im Einsatz, um bei Störfällen auf der Strecke rasch Hilfe zu leisten. Am Mittwochabend schickt Go-Ahead dann noch eine Pressemitteilung raus: Der Betrieb habe sich mittlerweile stabilisiert.

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Info


Die durch die Störungen verursachten Fahrplanänderungen sollen online in den entsprechenden Portalen auftauchen. Bis Ende der Woche gelten Ersatzfahrpläne, die sind hier abrufbar: www.go-ahead-bw.de/unterwegs-mit-go-ahead/fahrplaene.html