Der Mischlingshund Freddy lebt schon seit elf Jahren im Tierheim. Ob er sich an seine ersten beiden Lebensjahre noch erinnern kann? Jenny, eine achtjährige Schäferhündin, hat Probleme mit der Hüfte. Und Kater Sami (11) kam ins Tierheim, weil seine Besitzer umgezogen sind und ihn nicht mitnehmen konnten. Freddy, Jenny und Sami gehören zu den Tieren, die nicht so schnell ausgewählt werden, wenn Interessenten auf der Suche nach einem Haustier durch die Glasscheibe oder Gitterstäbe im Crailsheimer Tierheim blicken. Zusammen mit anderen Hunden, Katzen und Meerschweinchen warten sie auf ein neues Zuhause.

Das Tierheim soll nur eine Durchlaufstation sein, in der Tiere versorgt werden, bis sie von einem neuen Besitzer erwählt werden. „Besonders gut klappt die Vermittlung, wenn das Tier süß aussieht. Deshalb ist es wichtig, schöne Fotos von den Tieren zu machen“, erklärt Claudia Hofmann, die seit vier Jahren den Vereinsvorsitz innehat. „Je schöner die Bilder, desto besser klappt die Vermittlung. Das ist wie bei der Partnervermittlung.“

Und wie bei der Partnervermittlung gilt auch hier: Je älter die Tiere sind, desto schwerer ist es, für sie einen Abnehmer zu finden. „Hundewelpen gehen schnell weg“, weiß Hofmann aus Erfahrung. Bei Katzen verhalte es sich etwas anders. „Ganz junge Kätzchen sind nicht so begehrt, da sind Katzen zwischen zwei und vier Jahren deutlich schneller vermittelt.“

Video Ein Besuch im Crailsheimer Tierheim

Auch die Rubrik „Zuhause gesucht“ im Hohenloher Tagblatt trage dazu bei, dass sich Interessenten im Tierheim melden und konkret nach den in der Zeitung abgedruckten Tieren fragen, berichtet Hofmann. „Das merken wir deutlich. Am Tag der Veröffentlichung klingelt bei uns das Telefon.“

Im vergangenen Jahr sind 172 Katzen im Crailsheimer Tierheim abgegeben worden, die allermeisten (145 Stück) waren Fundtiere. Außerdem kamen 65 Hunde, 57 sogenannte Kleintiere, also Hasen, Meerschweinchen und Vögel, und einige Exoten wie Schildkröten oder zwei Bartagame im Heim an. „Vögel und Exoten können wir hier gar nicht unterbringen. Die kommen in Pflegestellen“, erklärt Claudia Hofmann.

Wenn das Tier in gepflegtem Zustand abgegeben wird, meldet sich meist schon nach kurzer Zeit der Besitzer und holt sein verloren gegangenes Haustier wieder ab. „Das ist natürlich der Idealfall“, berichtet Manuela Seng, Schriftführerin im Verein. „Vor Kurzem wurde sogar mal ein Fundkaninchen abgeholt. Aber das war eine Ausnahme, denn nach entwischten Kaninchen suchen die Besitzer meist nicht so intensiv wie nach entlaufenen Hunden oder Katzen.“ Bei Hundebesitzern komme es sogar manchmal vor, dass sie schon im Tierheim anriefen, bevor das entlaufene Tier abgegeben wurde.

Drei Wochen Quarantäne für Katzen

Eine Katze, die von der Polizei oder von Findern ins Tierheim gebracht wird, muss zunächst etwa drei Wochen in Quarantäne verbringen, bevor sie zu den anderen Tierheimkatzen in die Box darf. „Je nach Gesundheitszustand bringen wir sie zuerst zum Tierarzt, dann wird sie entwurmt und es wird geschaut, ob sie einen Chip oder eine Tätowierung hat“, erklärt Seng. „Erst wenn die Katze fit ist und wir sicher sein können, dass sie keine ansteckenden Krankheiten hat, darf sie zu den anderen Tieren.“

Für Tiere, deren Besitzer nicht anhand einer Tätowierung oder eines Chips ermittelt werden kann, hoffen die Tierheim-Mitarbeiter möglichst schnell ein neues Zuhause finden zu können. In vielen Fällen gelingt das auch, denn es gibt viele Menschen, die ein Herz für Tiere haben. Doch allein der Wille, ein Tier aufzunehmen, reiche nicht aus, betont die Vereinsvorsitzende. „Bei Hunden muss man schauen, ob er vom Wesen her in die Familie passt.“ So könne eine Hunderasse, die viel Auslauf benötigt, nicht in eine Familie, die ungern spazieren geht. Manche Tiere vertragen sich gut mit Kindern, andere gar nicht. All dies müsse im Vorfeld einer Vermittlung bedacht werden.

„Für Katzen gibt es auch Regeln: Eine Freigänger-Katze vermitteln wir nicht an eine Familie, die an einer vielbefahrenen Straße wohnt.“ Außerdem müsse vor einer Vermittlung stets geklärt werden, wer sich um das Tier kümmert, wenn die Familienmitglieder zur Arbeit gehen. Ist eine Katzenklappe vorhanden, damit die Katze ins Haus kann, wenn es regnet? Oder gibt es einen Unterstand? Hofmann: „Grundvoraussetzung ist natürlich, dass alle Familienmitglieder einverstanden sind, dass ein Tier ins Haus kommt.“

Manchmal machen die Mitarbeiter des Tierheims zunächst einen Hausbesuch und schauen sich vor Ort die Gegebenheiten an. Das ist dann besonders wichtig, wenn es schon ein Tier in der Familie gibt. „Kommt beispielsweise eine Katze zu einer Familie, die schon einen Hund hat, muss man erst schauen, ob die beiden sich verstehen“, sagt die 41-Jährige. Die Vereinsmitglieder unterstützen und beraten, wenn es Anfangsschwierigkeiten gibt.

Im Tierheim gibt es viele Arbeiten, die von den 14 Ehrenamtlichen erledigt werden. „Anders wäre der Betrieb gar nicht möglich“, meint Claudia Hofmann. Sie kommen in der Regel zwei Stunden in der Woche und packen tatkräftig mit an. Neben den Aufgaben, die im Heim anfallen – wie das Füttern der Tiere und Reinigen der Ställe und Boxen, das Spazierengehen und Streicheln oder die Telefondienste – gibt es einige Ehrenamtliche, die Tierheimtiere in einer Pflegestelle bei sich zu Hause aufnehmen. Pflegestellen sind wichtig für Kleintiere und Exoten, für die es im Tierheim zu wenig Platz gibt, für kranke Tiere oder für Flaschenkinder. „Kleine Kätzchen oder Hundewelpen, die alle paar Stunden einen Schoppen brauchen und denen man anschließend das Bäuchlein streicheln muss, brauchen eine intensive Betreuung“, sagt Hofmann.

Ein Herz für Tiere

„Pflegestellen suchen wir eigentlich ständig“, fügt Manuela Seng an. Als Voraussetzung nennt sie genügend Platz in der Wohnung, einen separaten Raum für die Tiere, Zeit und selbstverständlich ein Herz für Tiere. Nicht selten komme es vor, dass die Betreuer in den Pflegestellen das Tier, um das sie sich intensiv kümmern, gar nicht mehr abgeben wollen, berichtet die 37-Jährige. „So haben die Tiere nicht nur ein Zuhause auf Zeit gefunden, sondern ein richtiges Zuhause.“

Manche Menschen entscheiden sich bewusst für ein Tier, das nur schwer vermittelbar ist: ein Tier mit Behinderung, eine blinde Katze etwa, oder eine Katze, die nicht ganz zahm ist oder auch ein Hund, der viel Aufmerksamkeit benötigt. „Das sind für uns – und besonders für die Tiere – seltene Glücksfälle“, sagt Claudia Hofmann. Die meisten Menschen wünschten sich ein Tier, das perfekt ist – pflegeleicht, gehorsam und niedlich anzuschauen. „Dabei vergessen viele: Es hängt auch vom Besitzer ab, wie sich ein Tier verhält.“

Dass alle Tiere aus dem Tierheim einen psychischen Schaden hätten, sei nicht mehr als ein Gerücht. Hofmann: „In jedem Rudel beginnt für einen Hund ein neues Leben. Es kommt auf jeden Fall auf einen Versuch an.“

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Spendenkonto des Tierschutzvereins


Anfallende Kosten für Futtermittel, Untersuchungen beim Tierarzt, Katzenkastrationen, Zubehör wie Hundehütten, Kratzbäume oder Nagetierhäuschen muss der Verein tragen.

Die Finanzierung erfolgt durch Mitgliedsbeiträge, Spenden, Gelder aus Patenschaften und dem Erlös aus Aktivitäten des Tierheimteams. Spendenkonto: Tierschutzverein Crailsheim bei der Kreissparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim, BIC: SOLADES1SHA, IBAN: DE48 6225 0030 0000 0094 41 oder bei der VR-Bank Crailsheim, BIC: GENODES1SHA, IBAN: DE66 6229 0110 0147 8000 05.

Info Das Tierheim (Am Tierheim 4 in Crailsheim) ist jeden Tag von 17 bis 18 Uhr geöffnet. Kontakt: Telefon 0 79 51 / 29 47 77 oder E-Mail an info@tierheim-crailsheim-ev.de. Mehr Infos gibt’s auf der Homepage.