Hans und Sophie Scholl, die sich in der studentischen Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ engagierten, sind nur 24 und 22 Jahre alt geworden. Ihre Schwester Elisabeth feiert heute in Stuttgart ihren 100. Geburtstag. Sie ist das letzte lebende Kind von Robert und Magdalena Scholl – Hans und Sophie wurden 1943 von den Nazis ermordet, Werner fiel 1944 in Russland und Inge, die wie Hans in Crailsheim (Ingersheim) geboren worden ist (dort war ihr Vater Schultheiß), ist 1998 gestorben.

Elisabeth stand lange im Schatten ihrer berühmten Geschwister. Erst als Inge Aicher-Scholl gestorben war, rückte sie ins Rampenlicht, machte es sich zur Aufgabe, die Erinnerung an ihre Geschwister und die „Weiße Rose“ lebendig zu halten. Elisabeth Hartnagel kam öfters nach Crailsheim – nicht nur, weil dort lange Zeit einer ihrer vier Söhne wohnte, sondern weil sie es sehr schätzt, dass in der Stadt Menschen leben, die früh auf die Bedeutung der „Weißen Rose“ im Widerstand gegen die Nazis hingewiesen haben.

Elisabeth Scholl hat sich politisch engagiert

Sie hat nichts von den Widerstandsaktivitäten von Hans und Sophie gewusst, aber auch sie ist ein überaus politischer Mensch. Im Oktober 1945 heiratete sie Fritz Hartnagel, den einstigen Freund ihrer Schwester Sophie. Der frühere Soldat war – auch und gerade durch den Kontakt zur Familie Scholl – zum Pazifisten geworden. Er engagierte sich gegen die Wiederbewaffnung, in der Ostermarschbewegung sowie gegen den NATO-Doppelbeschluss und die damit verbundene Stationierung von amerikanischen Pershing-II-Raketen. Immer an seiner Seite: seine Ehefrau Elisabeth. Heute erhält die Jubilarin viele Blumensträuße, darunter zwei von Oberbürgermeistern: von Christoph Grimmer (Crailsheim) und Fritz Kuhn (Stuttgart).

Mainhardt