Im Schildkrötenteich ist Sommer. Etwa zehn Schildkröten, große und etwas kleinere, sitzen an ihrem Nachmittagsstrand. Bewegungslos lassen sie sich von der Sonne wärmen. Jetzt kommt Carola Schnabl um die Ecke. Das Eimerchen hat sie dabei, und der bringt Leben in die friedliche Sonnenkolonie. Denn er bedeutet: Futter. Mit einem Platsch landen die Schildkröten im Wasser. Zielgerichtet schwimmen sie auf die Futterstelle zu.

Schon als Kind war Carola Schnabl von Schildkröten fasziniert. Ihre erste Wasserschildkröte hatte sie mit etwa zwölf Jahren. Seither kümmerte sie sich um die genügsamen Tiere – nur von kurzen Pausen unterbrochen. „Ich finde toll, wie alt sie werden können. Und dass es bei ihnen immer irgendwie gemütlich ist.“ In unserer hektischen Zeit könne man von den Schildkröten viel lernen.

Schildkröten sind nicht schwer zu halten

Denn Schildkröten sind genügsam und die allermeisten friedlich. Deshalb sind sie auch nicht schwer zu halten, sagt sie. Warum also Menschen ihre Schildkröten abgeben oder, schlimmer noch, aussetzen, kann Carola Schnabl deshalb kaum verstehen. Aber oft kaufen Menschen im Zoohandel eine süße, kleine Zierschildkröte fürs Aquarium. Die dann wächst. Und wächst. Die größten Schildkröten, die Carola Schnabl hat, Henriette und Dudu, sind mittlerweile 35 Zentimeter lang. „Da kann das Aquarium noch so groß sein, viel Platz bleibt der Schildkröte da nicht. Ich würde mir schon wünschen, dass die Leute bedenken, dass Tiere alt und groß werden, wenn sie sich Haustiere anschaffen.“

Wenn Schildkröten zu groß werden oder die Halter ihrer überdrüssig sind, kommt oft Carola Schnabls ins Spiel. Sie nimmt solche Tiere auf. Dann kommen sie in den großen Schildkrötenteich mit dem Sonnenstrand und sind gemütlich. Doch nähert sich Carola Schnabl mit dem Eimerchen, landen die Schildkröten schnell im Wasser.

Getümmel an der Futterstelle

„Wasserschildkröten sind zwar gern an Land, besonders wenn die Sonne scheint. Aber fressen können sie nur im Wasser“, sagt sie und wirft ihnen Bachflohkrebse, die man getrocknet kaufen kann, aber auch Gurken, Salat und gelbe Rüben hin. Schnell herrscht Getümmel an der Futterstelle. Eine echte Schau ist das, ein Geschmatze, Geplatsche und Geplansche. Doch bald sind alle satt. Die Schildkröten schwimmen zufrieden zurück an ihren Sonnenplatz. Es kehrt die typische schildkrötenhafte Ruhe wieder ein. Auch die Kois ziehen wieder gemächlich ihre Runden. Auch sie wurden für ein Aquarium zu groß, und Carola Schnabl hat sie aufgenommen. „Sie vertragen sich mit den Schildkröten“, sagt sie, und das Futter teilen sie. Etwa 15 Wasserschildkröten hält Carola Schnabl im Teich. Im Haus gibt es noch ein paar kleinere Aquarien mit Schildkröten, die gerade Verletzungen auskurieren, neu aufgenommen wurden oder einfach zu klein für den Teich sind. „Die großen würden sie vielleicht beißen. Das will ich nicht riskie­ren.“

Neben dem etwa 30 Quadratmeter großen Schildkrötenteich haben Landschildkröten ihren Auslauf – darunter Gretel und Frechdachs, beide bestimmt schon 65 Jahre alt. „Der Auslauf ist eingezäunt, der Teich auch“, sagt sie. „Sonst würden mir die Schildkröten allesamt spazieren gehen.“ Und unter Umständen nicht wieder zurückfinden. Das wäre schade. Immerhin kennt Carola Schnabl alle ihre Tiere – nicht nur an der ihnen typischen Bauchzeichnung. Die meisten haben sogar einen Namen. Und das, obwohl sich ihre Zahl ständig ändert, denn der Schildkrötenteich von Carola Schnabl in Ingersheim hat sich in den letzten Jahren zur Auffangstation entwickelt.

Das Tierheim weiß wohin

Wird eine Schildkröte gefunden – wie „Einauge“ auf einer Wiese in Kreßberg oder gerade eine Gelbwangenschildkröte in Langenburg –, weiß das Crailsheimer Tierheim, wo sie die Schildkröte unterbringen kann. „Ich gebe aber auch Tiere ab“, sagt sie. „Sonst wäre es bald zu voll hier.“ Etwa 20 Tiere hat sie in den letzten Jahren an neue Besitzer vermittelt. Allerdings: Henriette und Dudu, mit etwa 40 Jahren die beiden ältesten Wasserschildkröten, würde sie nie abgeben. Und Gretel und Frechdachs auch nicht.

Bevor sie Schildkröten abgibt, schaut sie sich ohnedies die künftigen Halter und Gartenteiche genau an. „Viele wissen nicht, dass der Teich eingezäunt sein muss. Und dass man die Tiere zum Überwintern am besten in den Keller bringt.“ Doch bis das wieder so weit ist, ist es noch eine Weile hin. Jetzt sind die Schildkröten erst einmal wieder satt und genießen die Sonne.

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Info


Wer Schildkröten findet, abgeben oder aufnehmen will, kann sich mit dem Crailsheimer Tierheim, Telefon 07951/29 47 77, in Verbindung setzen.