Nach sieben statt der zunächst angesetzten 19 Verhandlungstage ist das Urteil im Baier-Prozess gefallen. Beide Angeklagten haben sich der vorsätzlichen Insolvenzverschleppung, der Verletzung der Buchführungspflicht und der Vorenthaltung und Veruntreuung von Arbeitsentgelt schuldig gemacht. Robert Baier zudem der Betrugs- und weiterer Bankrotthandlungen.

Der Junior wurde als „Hauptverantwortlicher“ zu einem Jahr und elf Monaten Haft verurteilt, für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt: Damit verbunden sind 360 Stunden gemeinnützige Arbeit und die Zahlung von 85.298 Euro – das ist der Betrag, den er persönlich dem Betrieb entnommen hat. Für Siegfried Baier gab’s eine Verwarnung mit Strafvorbehalt. Das bedeutet eine Geldstrafe von 160 Tagessätzen mit je zehn Euro, die auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt ist. Bei dem 88-Jährigen, der sein Lebenswerk zerstört sehe, so befand das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Uta Herrmann, sei es ausreichend, einen Schuldspruch festzuhalten.

Frustriert und ungehalten

Auf diese Vorbemerkung des Oberstaatsanwalts hatten einige Zuhörerinnen offenbar gewartet: Er könne verstehen, so Peter Humburger, dass vor allem die geschädigten Angestellten der Buchhandlung frustriert und ungehalten seien, wenn ihre Belange nicht so Teil des Verfahrens gewesen seien, wie sie das gedacht hatten. Das sei den Regeln des Strafprozessrechts geschuldet, so Humburger mit Blick auf ein nicht öffentliches Rechtsgespräch, in dem aufgrund umfassender Geständnisse der Strafrahmen abgesteckt und so ein großer Teil der Beweisaufnahme hinfällig wurde. Über die Ergebnisse dieser Gespräche war in öffentlicher Verhandlung informiert worden, an der als Zeuginnen geladene Geschädigte aber nicht teilnehmen konnten.

Siegfried Baier bittet ehemalige Mitarbeiter um Vergebung

Auch in Humburgers Plädoyer, in den Ausführungen der Anwälte und später in der Urteilsbegründung waren die Angestellten, die zum Teil mitsamt ihrer Familien durch ausbleibende Lohnzahlungen in Bedrängnis gerieten, immer wieder Thema: „Das hilft zwar nicht, tut aber gut“, war die Reaktion einer früheren Mitarbeiterin. Siegfried Baier nutzte die Möglichkeit des letzten Wortes, um „die Hauptgeschädigten, die da hinten sitzen“, weinend „um Vergebung und Verzeihung“ zu bitten. Wie sehr sich die früheren Mitarbeiterinnen „getäuscht, belogen und geschädigt“ fühlten, wie alleingelassen mit ihrem Schaden und mit ihrer Empörung, war vorab in einem Brief an Richterin und Oberstaatsanwalt zum Ausdruck gebracht worden.

Eineinhalb Jahre im Verzug bei der Zahlung

Im letzten Akt dieses Dramas um die einstige Traditionsbuchhandlung wurde noch einmal das Firmengeflecht aufgedröselt und von der Diskussion über den Wert des Grundstücks an der Karlstraße bis hin zu Schadenswiedergutmachung der gesamte Vorgang durchleuchtet. Bereits im Juni 2013 stand die Fortführung der Buchhandlung unter einem Fragezeichen, schlussfolgerte Humburger aus den Bilanzen; am 31. März 2014, dem „Dreh- und Angelpunkt“, bestand Zahlungsunfähigkeit. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht zeugten ab Februar 2014 Zwangsvollstreckungen und verspätet, dann gar nicht mehr bezahlte Löhne und Sozialversicherungsbeiträge von der Zahlungsunfähigkeit.

2015 habe es Lohnzahlungen „nur an einzelne, ausgewählte Angestellte“ gegeben, dann bis zur Insolvenz im September gar nicht mehr. Auch Lieferanten wurden nicht bezahlt. Mit gutem Grund, um eben das zu verhindern, verlange der Gesetzgeber, dass drei Wochen nach Zahlungsunfähigkeit Insolvenz angemeldet werden müsse. In der Tat lassen sich die Straftaten, die insbesondere Robert Baier zur Last gelegt wurden, auf die verschleppte Insolvenz zurückführen. „Robert Baier hat den Betrieb voll an die Wand gefahren“, so Ankläger Humburger. Als Baier, um überlebensfähig zu bleiben, auf ein anderes Geschäftskonzept hätte setzen sollen, habe er nichts getan und damit andere nicht unerheblich geschädigt.

Kein Lohn gezahlt, neue Mitarbeiterin eingestellt

Robert Baier persönlich sei „über den Dachstuhl verschuldet gewesen“. Auch die Forderungen an die 2013 gescheiterte Firma Spieleburg des Juniors machten sich in der Bilanz nur auf dem Papier gut. Als Bankrott-Straftaten zählen seine privaten Entnahmen, und eine Sonderstellung erfuhr ein Fall von Anstellungsbetrug: „Robert Baier brauchte Menschen, die weiterarbeiteten“, so Humburger. Das waren die Langjährigen, die besonders Treuen. Das war aber auch eine Frau, die im Mai 2015 eingestellt wurde, als andere schon längst vergeblich auf ihren Lohn warteten. Der vorab vereinbarte Strafrahmen ließ kaum Spielraum. Die Anwälte gingen auf die strafmildernden Umstände ein, nicht zuletzt auf die umfassende Kooperation der Baiers, die zur Verständigung und damit zur Verkürzung der Beweisaufnahme geführt hatte.

Das könnte dich auch interessieren:

Crailsheim