Crailsheim Auftakt zu einem spannenden Projekt

Moderner Stil: So soll das neue Gesundheitszentrum „Medicolleg“ an der Haller Straße einmal aussehen. Das historische Badhaus wird saniert und thematisch eingebunden.
Moderner Stil: So soll das neue Gesundheitszentrum „Medicolleg“ an der Haller Straße einmal aussehen. Das historische Badhaus wird saniert und thematisch eingebunden. © Foto: Bildquelle
Crailsheim / Von Heribert Lohr 10.11.2018
An der Haller Straße wird ein interdisziplinäres  Gesundheitszentrum entstehen.

Seit Kurzem kündigen die Bauschilder das ehrgeizige Vorhaben an. An der Haller Straße wird ein interdisziplinäres  Gesundheitszentrum entstehen. Insgesamt zehn Millionen Euro investieren die Privatleute Christina und Stephan Ryssel in das Projekt und stellen klar. „Wir allein tragen das unternehmerische Risiko.“ Sobald es die Witterung zulässt, beginnen im kommenden Frühjahr die Bauarbeiten. Sollte nichts Wesentliches dazwischenkommen, sind die Gebäude bis Herbst 2020 bezugsfertig. In unmittelbarer Nachbarschaft „des Glashauses“ wird künftig dort das „Medi­colleg“ zu finden sein.

Das Projekt, das auf den Plänen von Architekt Hans-Christoph Lamparter aus Crailsheim fußt, der damit den vorgeschalteten Investorenwettbewerb gewann, umfasst einschließlich der 60 Patienten- und 30 Personalparkplätze eine Grundfläche von 6960 Quadratmetern. Platz für ein Hauptgebäude mit vier Etagen – das eigentliche Gesundheitszentrum – ein Nebengebäude, eine Tiefgarage sowie zwei unabhängige Wohnkomplexe.

Komplexes Ensemble

Innerhalb des Gesamtprojekts, das nach einer Planungsphase von knapp zweieinhalb Jahren nun angegangen wird, werden 1853 Quadratmeter bebaut, die in Summe eine Nutzfläche von etwa 3427 Quadratmetern bieten. Das „Medicolleg“ erfüllt zwei Funktionen: Der Neubau dient als interdisziplinäres Gesundheitszentrum,  das historische Gebäude  in der Nähe der versiegten Quelle als Kompetenzzentrum zur Fortbildung von Fachärzten.

Größter Einzelmieter wird dann die „Dentalklinik Dr. Ryssel und Kollegen“ mit ihren derzeit 33 Mitarbeitern sein. Nach den Anfängen der Zahnarztpraxis im Jahr 1999 auf dem Koppeleshof und dem Umzug ins Stadtzentrum ist das nun der dritte Standortwechsel der renommierten Dentalklinik.

„Wir platzen hier am Standort in der Langen Straße aus allen Nähten“, sagt Dr. Stephan Ryssel: „Wir benötigen Raum für zusätzliche Mitarbeiter, zusätzliche Ärzte und unsere Dienstleistungen.“ Die Klinik bietet das gesamte Spektrum moderner Zahnheilkunde mit Schwerpunkten auf der Implantologie, der Parodontologie und der Ästhetik. Überregional bekannt ist auch die angeschlossene Akademie, die jährlich Fortbildungen für mehr als 250 Ärzte aus dem In- und Ausland anbietet. In dem geplanten Neubau sind auf vier Stockwerken derzeit elf Praxis­einheiten vorgesehen, im Erdgeschoss soll eine Apotheke und ein Sanitätshaus angesiedelt werden.

Die Projektleitung hat kein Unbekannter, denn Thomas Krug hat als geschäftsführender Gesellschafter der Bauherrenvertre­-
tung Conwick GmbH in Sonthofen viel Erfahrung mit der Steuerung von größeren Vorhaben. Referenzen sind etwa der Neubau der Frauenklinik des Ostalbklinikums (Aalen) oder das „Haus der Gesundheit“ in Schwäbisch Gmünd. Conwick realisierte unter anderem auch das Facharztzentrum Qmediko in Schwäbisch Hall.

Neben öffentlichen Auftraggebern vertrauen auch Industrieunternehmen, wie etwa der Flugzeugsitzhersteller Recaro (Schwäbisch Hall), auf die Expertise von Thomas Krug und seinem Partner Jonas Betz mit ihrem fünfköpfigen Team. „Eine Planung, einen Zuschnitt mit größter Flexibilität, einer zentralen Versorgungseinheit und einer ­hohen Willkommenskultur zu schaffen“, war für Thomas Krug „eine der großen Herausforderungen“.

Das angedachte Raum- und Gestaltungskonzept sieht Praxen vor, die ein Viertel, die Hälfte aber auch ein Stockwerk in Gänze umfassen können. „Das lässt alle Möglichkeiten offen, um die individuellen Wünsche und Ideen der künftigen Mieter aufzugreifen“, erklärt Christina Ryssel: „Wir stellen einen veredelten Rohbau, den dann jeder Praxisbetreiber nach speziellen Vorstellungen und Anforderungen gestalten kann.“ Die Tiefgarage, um „zusätzlichen Flächenfraß“ zu vermeiden, oder die kostenintensive Einbindung des ehemaligen Badhauses macht nach Aussage Thomas Krugs deutlich, „dass dies kein reines Investorenprojekt ist, sondern auch von der engen Verbindung zur Stadt Crailsheim getragen wird“. Eine Sichtweise, die Dr. Stephan Ryssel zusätzlich unterstreicht: „Wir wollen auch einen Beitrag dazu leisten, dass die Versorgung mit Fach- und Allgemeinärzten in der Stadt perspektivisch erhalten bleibt, sich vielleicht noch verbessert.“ Deshalb war für ihn die Vorgabe einer eingeschränkten Nutzung durch die Stadt auch kein Problem: „Ausschließlich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet“, sagt der Zahnarzt, „wären Alternativen vielleicht einfacher umzusetzen. Doch es ging immer nur um ein Gesundheitszentrum.“

Anker einer Branche

Ein Vorhaben, das sich nur mit modernsten Strukturen bewältigen lässt, ist Thomas Krug überzeugt: „Ohne ansprechende Plattform sind gerade junge Ärzte  für eine Praxis in ländlich-­strukturierten Räumen kaum noch zu gewinnen.“ Für den erfahrenen Entwickler ist das „Medicolleg“ auch dazu geeignet, eine Ankerfunktion für die medizinische Versorsorgung vor Ort zu erfüllen.

Mit welchen Fachleuten das Ärzte- und Gesundheitszentrum letztlich besetzt ist, steht derzeit noch nicht fest:  Stephan Ryssel: „Wir sind mit einer Reihe von potenziellen Partnern intensiv im Gespräch.“ Wie das denkmalgeschützte Badhaus letztlich weiter thematisch in das Ensemble eingebunden wird, ist derzeit noch offen. Stephan Ryssel: „Es wird öffentlich zugänglich sein, aber auch dafür gibt es derzeit noch mehrere Ideen.“

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