Ilshofen Alles muss raus bei Optik Blind

Ilshofen / Melanie Boujenoui 09.01.2019
Der Traditionsfachmann in Ilshofen setzt seinen Betrieb noch bis Ende Januar 2019 mit Rabattaktionen fort. Danach ist Schluss. Zum 17. Februar muss der Laden geräumt sein.

Vor der Tür und in den Schaufenstern ist die Situation in großen Lettern abgebildet: Räumungsverkauf. Eigentlich hätte Wolfgang Blind sein Optikergeschäft in der Crailsheimer Straße 2a im Ortskern von Ilshofen noch die nächsten fünf Jahre weiterführen wollen. Doch es kam anders. Weil sich der 62-Jährige mit dem Pächter des Ladenlokals nicht auf eine einvernehmliche Lösung habe einigen können, muss er gehen. „Wir führen seit 16 Jahren in diesen Räumlichkeiten unser Geschäft. Die Kündigung kam völlig überraschend“, sagt der langjährige Unternehmer. „Ich stand vor der Wahl, entweder die Segel zu streichen oder doppelt so viel Miete zu bezahlen wie bisher. Also entschied ich mich für die Geschäftsaufgabe.“

Mit dem Räumungsverkauf hat Blind vor einigen Wochen nun endgültig das Ende seines Fach- und Traditionsbetriebs eingeleitet. Die Kooperation mit dem Internetportal Brillen.de endet am Samstag, 12. Januar.

Glück im Unglück

„In der Woche, als ich den Bescheid des Vermieters erhielt, wollte ich gerade einen neuen Service, die Tränenfilmanalyse, anbieten. Zum Glück hatte ich den Kaufvertrag für das neue Gerät noch nicht unterschrieben“, erzählt Blind erleichtert. Mit ihm wird der Landkreis Schwäbisch Hall um eine Institution ärmer – seit insgesamt 28 Jahren ist er als Optiker bereits vor Ort in Ilshofen. Neben dem Geschäft des Vaters in Langenburg, das 1948 zunächst als Uhrmacherei gegründet und später um Augenoptik erweitert wurde, unterhielt Blind zeitweise auch eine Niederlassung in Rot am See. Wenn nun der letzte übrig gebliebene Standort in Ilshofen schließt, hinterlässt der Fachmann eine Lücke. Seine Kunden werden ab Mitte Februar gezwungen sein, in die größeren Nachbarorte zu fahren. Gerade für die älteren, wenig mobilen Leute eine Verschlechterung. Aber auch flexiblere Kundinnen wie Heike Leder, selbstständige Buchhalterin, bedauern den Rückzug des Optikers: „Mir werden die umfangreiche Beratung, der gute Service, die Nähe und das Persönliche, das den Besuch hier immer ausmacht, fehlen.“ Das sei, was ihn immer von den großen Anbietern abgehoben habe, stimmt der Unternehmer zu: „Das werde ich vermissen, dass es menschelt.“

Obwohl die Geschäftsaufgabe von Optik Blind nicht direkt negativen wirtschaftlichen Umständen geschuldet ist, folgt sie einem gewissen Trend: Wie Zahlen des Zentralverbands der Augenoptiker und Optometristen (ZVA) zeigen, eröffnen die zehn umsatzstärksten Filialunternehmen wie Fielmann, Apollo oder Binder Optik ständig weitere Geschäfte, während die kleineren schließen. So belief sich im Geschäftsjahr 2017 der Anteil bei mittelständischen Augenoptikbetrieben in Deutschland am Gesamtbranchenumsatz auf 54,5 Prozent. Fünf Jahre zuvor lag dieser deutlich höher bei rund 63 Prozent. Insgesamt stieg der Umsatz in 2017 allerdings um knapp drei Prozent auf 6,12 Milliarden Euro an (Branchenumsatz in 2016: 5,95 Milliarden Euro) – es sind die Großen, die das Plus maßgeblich verantworten, bestätigt der ZVA. Auch der Onlinehandel mache mit einem Umsatz von rund vier Prozent keinen signifikanten Anteil am Markt aus und büßte in 2017 sogar noch an Dynamik ein.

Blick nach vorn

Wie viele andere seiner Branche wird Blind in absehbarer Zeit also neue Wege gehen – allerdings doch nicht so ganz allein. Aktuell führt er ein Kundenbuch, in das sich alle eintragen können, die mit ihm in Kontakt bleiben wollen. Was genau er für die Jahre bis zum Renteneintritt plant, will er wohl auch noch nicht verraten. „Seit acht Jahren bilde ich mich im Gesundheitsbereich weiter“, erzählt Blind, der sich, wie er sagt, inzwischen mit seiner Situation abgefunden hat. So richtig nach vorne sehen werde er allerdings wohl erst dann, wenn er am 17. Februar die Ladentür zum letzten Mal hinter sich zuzieht.

Das könnte dich auch interessieren:

45

Prozent vom Gesamtumsatz der deutschen Augenoptik entfielen 2017 auf die zehn stärksten Filialunternehmer. 11­ 700 Fachgeschäfte wurden gezählt, 2011 waren es noch 12 030.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel