Chris Bröker trainiert seit vielen Jahren professionell Football-Freestyle und gehört inzwischen zu den besten Freestylern in ganz Deutschland. Vor ein paar Wochen hat er sich in Berlin mit den besten Athleten aus ganz Europa gemessen. Eine Jury aus erfahrenen Freestylern hat die 105 Teilnehmer bewertet.

„Die Qualifikation lief gut. Aber in der K.-o.-Phase habe ich dann ein ganz schweres Los mit dem italienischen Meister bekommen und bin knapp ausgeschieden“, erzählt der 20-Jährige von seinem ersten großen Wettkampf auf europäischer Ebene, bei dem er es immerhin in die Top 32 geschafft hat.

Ähnlich wie beim Kunstturnen, werden verschiedene Elemente bei einem Wettbewerb abgerufen. Entscheidend sind Kreativität und Qualität des Vortrages. „Bei den Battles schaut man schon genau hin, was der Gegner macht, und dann versucht man einfach, noch einen draufzulegen.“

Nur die Weltspitze der Freestyler kann von ihrem Einkommen leben und so das Hobby zum Beruf machen. Das will der Crailsheimer auch irgendwann. Um dieses Ziel zu erreichen, übt er schon seit einigen Jahren beinahe täglich zwei bis drei Stunden, meistens alleine. „Ich schaue mir die Tricks im Internet an oder hole mir Tipps von anderen Freestylern“, erklärt Bröker. „Es gibt keinen Trick, den man nicht lernen kann. Man darf nie aufgeben und muss nur lange genug üben.“

Dazu benötigt es große Selbstdisziplin und enormen Ehrgeiz – und das hat Bröker, der ein duales Fernstudium zum Bachelor Fitnesswissenschaft und Fitnessökonomie im Freiraum 33 absolviert. Dort unterrichtet er zudem Kinder im Freestyle, betreut Workshops und Camps in Crailsheim sowie im Ausland. Zuletzt war er als Freestyle-Coach mehrere Wochen in einer Ferien­an­lage auf Ibiza. Regelmäßig kommen fünf Kinder freitags und nutzen das kostenlose Freestyle-Angebot.

Bekannt wurde der junge Mann aus Boxberg, der inzwischen in Crailsheim lebt, durch seine Auftritte im Rahmen des BWK-Arena-Cups in Ilshofen vor rund 3000 Zuschauern. Anfang des Jahres trat er dort sogar als Duo mit seinem Förderer René Mathussek auf. Der ehemalige Weltmeisterschaftsdritte hat Bröker damals bei einem Camp die ersten Tricks beigebracht. Daraus ist inzwischen eine enge Freundschaft entstanden. „Er ist im Freestyle-Sport eine Legende in Deutschland, gibt mir immer noch viele Tipps und bei einigen Events treten wir sogar zusammen als Duo auf.“

Allgemein geht es im Free­style nicht darum, dem Kollegen etwas zu neiden. „Die Community ist wie eine große Familie. Jeder freut sich mit dem anderen, wenn ein neuer Trick funktioniert. Und man redet oder schreibt sich auch viel über private Dinge.“ Dreifach beherrscht Bröker den „Round the world“-Trick, als einer der ganz wenigen weltweit.

Grundspannung ist wichtig

Vor Zuschauern aufzutreten, macht ihm Spaß. „Ich habe gelernt, mit der Nervosität umzugehen. Eine Grundspannung ist aber immer noch bei jedem Auftritt da und auch wichtig.“ Inzwischen zeigt er nicht nur seine Tricks mit dem Fußball, sondern nimmt auch das Publikum bei seinen Shows mit. „Ich will die Menschen einfach gut unterhalten.“

Ein weiterer Höhepunkt seiner Karriere war am Samstag die Ausrichtung der deutschen Meisterschaft im Freiraum 33. Der Sieger qualifiziert sich für das Red Bull World Final in Warschau. „Wir haben darüber geredet, dass es cool wäre, mal wieder eine DM auszutragen.“ In Crailsheim habe man mit der Fußballhalle eine geeignete Location und so kam Bröker auf die Idee, in Absprache mit dem Verband und zusammen mit René Mathussek, die Meisterschaft in Crailsheim auszutragen. Freitagabend trafen sich die Teilnehmer zu einer leichten Trainingseinheit im Freiraum 33. Nach den Wettkämpfen „in cooler Atmosphäre“ am Samstag stand die Afterparty auf dem Programm und sonntags war dann beim sogenannten „Spaßtag“ gemeinsames Trick-Ausprobieren angesagt.

„Bei der EM in Berlin war ich bester deutscher Teilnehmer“, hatte Bröker im Vorfeld sogar ein wenig Hoffnung auf den Titelgewinn. Doch diese erfüllte sich nicht ganz. Gegen den späteren Gewinner des deutschen Meistertitels, Jannis Gasser, schied er im Viertelfinale aus. „Ich bin dennoch stolz darauf, dass ich zu den acht besten Freestylern in Deutschland gehöre“, lautet sein Fazit. Noch mehr freut er sich jedoch über die von ihm organisierte, rundum gelungene Veranstaltung. „Das Event war ein voller Erfolg! Es kam sehr gut bei allen Teilnehmern an und hat allen richtig Spaß gemacht.“ Nun hofft Bröker, dass er irgendwann in nicht ganz so ferner Zukunft ganz oben stehen darf. „Ich will Weltmeister werden.“