Crailsheim „Hier geht was“: Der neue Bürgermeister ist zuversichtlich

Das ist das neue Zweiergespann an der Spitze der Crailsheimer Stadtverwaltung: Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer und Jörg Steuler (rechts), der neue Bürgermeister für Soziales und Bauen.
Das ist das neue Zweiergespann an der Spitze der Crailsheimer Stadtverwaltung: Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer und Jörg Steuler (rechts), der neue Bürgermeister für Soziales und Bauen. © Foto: Christine Hofmann
Crailsheim / Andreas Harthan 15.06.2018
Rathaus: Jörg Steuler macht das Rennen um die Nachfolge von Harald Rilk und Herbert Holl. Neuer Bürgermeister will mehr gestalten als verwalten.

Müsste er wegen eines Fahrradunfalls derzeit nicht an Krücken gehen, wäre er vermutlich aus dem Ratssaal gehüpft: Jörg Steuler aus Neuwied (parteilos) wurde vorgestern vom Gemeinderat zum neuen Bürgermeister für Soziales und Bauen gewählt. So blieb ihm nur, innerlich auf Wolke sieben zu schweben. Der 59-jährige Bauamtsleiter hatte am Donnerstag für eine kleine Sensation gesorgt, als er nicht nur Stefan Markus, den Kandidaten aus dem Rathaus, hinter sich ließ, sondern sich als auswärtiger Bewerber gleich im ersten Wahlgang, in dem die absolute Mehrheit erforderlich ist, durchsetzte. Auf ihn entfielen 34 Stimmen, Markus erhielt sechs.

Überzeugungskraft

Steuler ist 59 Jahre alt. „Was ist daran schlimm?“, fragte der Bewerber gleich zu Beginn seiner Vorstellungsrede – und ging damit offensiv ein Thema an, das nicht wenige Stadträte im Vorfeld der Wahl beschäftigte. Eine halbe Stunde später hatte er so viele von ihnen beeindruckt, dass er mit großer Mehrheit gewählt wurde. Dass der erfahrene Beamte  („Im Baubereich habe ich alles gemacht, was Sie sich vorstellen können“) Menschen für sich einnehmen kann, hat er schon vor zwei Jahren bewiesen. Damals forderte er die amtierende Baubürgermeisterin in Böblingen heraus, und unterlag nur knapp mit zwei Stimmen weniger.

Potente Stadt

Warum hat er sich in Crailsheim beworben? Diese Frage beantwortete der langjährige Bauamtsleiter in Neuwied (Rheinland-Pfalz) mit dem Hinweis, dass seine vier Kinder mittlerweile aus dem Haus seien, und er im letzten Abschnitt seines Berufslebens noch einmal was Neues wagen möchte. Crailsheim sei ihm aufgefallen, „weil diese Stadt wirtschaftliche Potenz hat“. Also müsse man hier nicht nur den Mangel verwalten, sondern könne „Zukunft gestalten“. Zudem habe er das Gefühl, dass viele Bürgerinnen und Bürger in Crailsheim gerade auf neue Impulse setzen und die könne er mitbringen. Für ihn, der schon für die Kommunalentwicklung Baden-Württemberg gearbeitet hat, aber auch Beamter in der Staatskanzlei der schleswig-holsteinischen Landesregierung war, „ist Stadt nie fertig“.

Das sagte er auch vor dem Hintergrund der Crailsheimer Bewerbung um eine Landesgartenschau. Um eine solche hatte sich auch die Stadt, in der er seit 1996 lebt, beworben, und er hat nach eigenen Worten diesen Prozess „federführend begleitet“. Für ihn steht außer Zweifel, dass eine Gartenschau eine städtebauliche Initialzündung bewirken kann. Seine Beweggründe, sich in Crailsheim zu bewerben, fasste er so zusammen: „Hier geht was.“ Steuler sagte den Stadträten zu, rasch nach Crailsheim umzuziehen. Für ihn sei das eine Selbstverständlichkeit: „Ich möchte die Bürgerinnen und Bürger, für die ich arbeite, auch im Alltag treffen.“ Auf HT-Nachfrage bestätigte der neue Bürgermeister gestern, dass er „für die gesamte Amtszeit von acht Jahren zur Verfügung steht“. In den nächsten Tagen werde er mit seinem bisherigen Oberbürgermeister reden, und dann könne sicherlich eine Vereinbarung getroffen werden, die es ihm ermöglicht, im Herbst wechseln zu können.

Antrag auf Neuausschreibung

Bis am vergangenen Donnerstag die Stimmzettel abgegeben werden konnten, hat es gedauert. Die CDU, größte Fraktion im Stadtparlament, überraschte mit dem Antrag, die Wahl zu verschieben und die Stelle nochmals auszuschreiben. Fraktionsvorsitzender Gerhard Neidlein begründete den Antrag mit „Ungereimtheiten“ im Vorfeld der Wahl. Für seinen Fraktionskollegen Uwe Berger ist es „höchst fraglich“, dass die Stelle ordnungsgemäß ausgeschrieben worden ist. Nach nichtöffentlicher Beratung des Antrags zog ihn die CDU-Fraktion zurück, ohne diesen Schritt zu erläutern.

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