Umweltminister Franz Untersteller hat die Blaubeurer Firma Eduard Merkle bei einem Besuch gestern als vorbildlich im Umgang mit Bodenschätzen herausgehoben. Der Betrieb ist einer von landesweit 100 „Exzellenzbeispielen“ aus allen Teilen der Wirtschaft, die besonders schonend mit Ressourcen umgehen. In den vergangenen 15 Jahren ist der Anteil von unbrauchbarem Material beim Abbau von Kalkgestein in Gerhausen von 20 auf  10 Prozent zurückgegangen. Mit Hilfe eines innovativen Projekts sollen künftig auch die restlichen zehn Prozent verwertet werden.

Die Firma Eduard Merkle spare auf längere Sicht nicht nur Geld mit innovativen Technologien und Verfahren, die weniger Material und weniger Energie verbrauchen, sagte Untersteller. „Sie leistet damit auch einen wertvollen Beitrag, um unsere Umwelt und die Lebensgrundlagen künftiger Generationen zu erhalten.“

Seit bald 100 Jahren gewinnt die Firma hochreinen Kalkstein aus dem Steinbruch Michelreibershalde in Blaubeuren-Altental für die Baustoff- und Kunststoffindustrie, für Lebens- und Futtermittel, für Düngemittel, Abgasreinigung und viele andere Zwecke. „Wir haben 600 Kunden“, berichtete Geschäftsführer Hartmut Koch-Czech. Seit etwa 15 Jahren versucht das Unternehmen, mehr von dem nicht genutzten Gesteins-Gemisch, das beim Kalk-Abbau entsteht und früher verfüllt wurde, doch noch zu verwerten. Bei 10 Prozent, das sind jährlich rund 50 000 Tonnen eines groberen Gestein-Lehm-Gemisches, sei das schon durch die Investition in eine hochklassige Siebmaschine gelungen, schilderte Koch-Czech. Bis 2020 soll nun ein ganz innovatives Verfahren dazu führen, dass auch die übrigen 10 Prozent Restmaterial genutzt werden.

Das kleinteiligere Gesteinsgemisch wird künftig getrocknet. Dann wird in einer großen Trommel der Lehm wie in einer riesigen Waschmaschine von den Kalksteinenresten abgerieben. Der so gewonnene Kalkstein habe dann zwar nicht mehr den höchsten Reinheitsgrad „Ulmer Weiß“, könne aber als „Halbweiß“ oder „Juraperle“ immer noch gut etwa für die Glasherstellung vermarktet werden, berichtete der Geschäftsführer. Auch für den Lehm habe er schon Abnehmer.

Zwei Millionen Investition

Zwei Millionen Euro investiert das Unternehmen in das Projekt – deutlich mehr als ursprünglich gedacht. Trotzdem sollte sich das Projekt bald auszahlen, denn durch das neue Verfahren könnten rund 50 000 Tonnen Kalkstein weniger abgebaut werden, um auf die rund 13 Millionen Euro Umsatz des Betriebs im Jahr zu kommen, hat Koch-Czech errechnet.

Schonender Ressourcen-Umgang im Blick


Leuchtturm-Projekt Das Projekt „100 Betriebe für Ressourceneffizienz“ wurde 2013 von Wirtschaftsverbänden und Landesregierung initiiert. Federführend waren das  Institut für Industrial Ecology Pforzheim, die Landesagentur Umwelttechnik und das Stuttgarter Institut für Arbeitswissenschaften und Technologiemanagement. Als Leuchtturm-Betrieb wurde „Eduard Merkle“ ausgewählt.

Minister-Besuch Umweltminister Franz Untersteller und Staatssekretär Andre Baumann haben an zwei Tagen 15 energieeffiziente Unternehmen im Land besucht. Gleichzeitig warb der Minister für ein Förderprogramm, mit dem das Land Investitionen zur Energieeffizienz mit bis zu 50 000 Euro fördert.