Die 3700-Seelen-Gemeinde Bitz hat unfreiwillig bundesweit an zweifelhafter Bekanntheit hinzugewonnen. Wie „Zeit Online“ berichtet, fand am vergangenen Samstag ein Konzert im Haus des Kaninchenzuchtvereins Bitz statt, landläufig bekannt als „Hasenheim“. Veranstaltet wurde das Konzert von Neonazis.

„Davon hat die Gemeindeverwaltung nichts gewusst“, sagt der Bitzer Bürgermeister Hubert Schiele. Muss sie auch nicht. Die Räume werden vom Verein vermietet. Gibt der Mieter an, eine private Veranstaltung feiern zu wollen, bei der keine Schankerlaubnis erteilt werden muss, wird die Gemeinde nicht informiert.

Ingrid Matthes ist beim Verein für die Vermietung zuständig. Darauf angesprochen, dass sie am Samstag die Räume an Neonazis vermietet hat, fiel Matthes aus allen Wolken. Der junge Mann, dem sie am Freitag zuvor die Schlüssel in die Hand gedrückt hatte, habe angegeben, seinen 40. Geburtstag im Hasenheim feiern zu wollen mit Musik und etwa 100 Gästen.

„Netter junger Mann“, der seinen Geburtstag feiern wollte

Ingrid Matthes schöpfte keineswegs Verdacht, wie sie dem Zollern-Alb-Kurier sagte. Er sei ein netter junger Mann gewesen, der wie vereinbart am Sonntag den Schlüssel zurückgegeben habe. „Die Halle war in tadellosem Zustand.“

Das Konzert sollte also im Verborgenen stattfinden. Ein Rechercheteam mischte sich jedoch unter die Besucher. Bereits Wochen vor dem Konzert waren in der rechtsextremen Szene Flugblätter kursiert, die ein Konzert angekündigt hatten, jedoch ohne genaue Ortsangabe. „Irgendwo in Süddeutschland“ hatte es geheißen. Für weitere Informationen war die E-Mail-Adresse einer „Sektion SüdWürttemberg“ angegeben worden, schreibt „Zeit Online“. Von dieser habe man eine Telefonnummer erhalten.

Am Tag des Konzerts gab es per Telefon schließlich weitere Informationen unter den Anrufern war auch ein Journalist. Die Auskunft: Am Abend des Konzerts soll der Parkplatz eines Supermarktes in Gammertingen als Treffpunkt dienen. Von dort aus wurden die Konzertbesucher weiter nach Bitz gelotst.

Polizei wusste über das Konzert Bescheid

Die Polizei wusste von den Konzertplanungen. „Verhindern konnten wir es aber nicht“, sagt Harri Frank, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Tuttlingen. Vom genauen Ort des Geschehens hatten die Polizisten aber wohl keine Ahnung. Da konnte ihnen das Rechercheteam weiterhelfen. Wie „Zeit Online“ berichtet, stand das Rechercheteam mit den Beamten in Kontakt. Das Team soll es dann auch gewesen sein, das den Veranstaltungsort ausfindig machte.

Die Polizei reagierte. Beamte in zivil waren am Samstagabend vor Ort, um die „Geburtstagsfeier“ zu beobachten und im Ernstfall einzugreifen. „Der Ernstfall trat aber nicht ein“, sagt Polizeisprecher Frank. Laut zeit.de seien die Polizisten daraufhin wieder frühzeitig abgerückt, ohne sichtbare Maßnahmen zu ergreifen. Dieser Darstellung widerspricht Frank: „Das stimmt so nicht.“ Dem Rechercheteam könne gar nicht ersichtlich gewesen sein, wie viele Kriminalbeamte vor Ort waren. „Die Beamten sind nahezu bis zum Schluss der Veranstaltung in Bitz geblieben“, behauptet der Polizeisprecher. Wie viele Kräfte im Einsatz waren, will die Polizei aber aus taktischen Gründen nicht preisgeben.

Fand das Konzert überhaupt statt?

Das Ergebnis des Abends laut Polizei: Es laufen keine Ermittlungen im Hintergrund. Die Veranstaltung sei als private Feier angemeldet worden und ohne Auffälligkeiten abgelaufen. „Mit einer Teilnehmerzahl von etwa 100 bis 120 Personen hat sie keinen Charakter eines großen Konzertes angenommen“, resümiert Polizeisprecher Frank.

Ob das Konzert tatsächlich stattfand, bleibt fraglich. Wie „Zeit Online“ schreibt, habe die Musikanlage gestreikt, und eine Band sei aufgrund einer Autopanne viel zu spät angekommen. „Das Frustrationslevel scheint zu steigen. Die Rechercheure ziehen sich zurück, es wird zu gefährlich.“ So endet bei „Zeit Online“ die Berichterstattung über den Neonazi-Aufmarsch im „Hasenheim“.

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