„Die gelieferte Milch des betreffenden Milchviehhofes war und ist von einwandfreier Qualität, dennoch nimmt die Käserei Champignon, aus ethischen und moralischen Gründen, keine Milch mehr von diesem Hof an.“ Der letzte Satz einer Pressemitteilung der Käserei Champignon aus Lauben im Allgäu zeigt: Die Tierquälerei auf einem Hof im bayrischen Bad Grönenbach hat erste Konsequenzen. Zu Beginn des Statements der Käserei heißt es: „Wir haben die Medienberichte natürlich verfolgt und sind von den Vorfällen sehr betroffen.“

Bad Grönenbach

In Berichten des ARD-Magazins „Report Mainz“ sowie der Süddeutschen Zeitung waren die Zustände auf Bayerns größtem Milchviehbetrieb bekannt geworden. Mitarbeiter sollen die Tiere dort massiv gequält haben.

Zur Überprüfung der Lieferanten gebe es sogenannte Audits, teilt die Käserei Champignon mit. Konkret heißt es: „Die im Report Mainz gezeigten Bilder entsprechen in keiner Weise unseren Forderungen und Ansprüchen. Wir bekennen uns eindeutig und unmissverständlich zum Tierwohl und distanzieren uns von jeglichen Missständen in der Tierhaltung oder Verstößen gegen das Tierschutzgesetz. Wir haben mit unseren Lieferanten klare Standards zur Milchproduktion vereinbart und kontrollieren deren Einhaltung über regelmäßige Audits durch unabhängige, zertifizierte und akkreditierte Prüfstellen vor Ort.“ Zuletzt war der betroffene Milchviehbetrieb demnach im März 2019 kontrolliert worden.

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Minister Hauk lässt Höfe im Kreis Ravensburg überprüfen

Auch in Baden-Württemberg hat der Vorfall Reaktionen hervorgerufen. Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutzunter der Leitung von Peter Hauk beauftragte – unmittelbar nachdem die Tierschutzprobleme auf dem Hof des Milchviehhalters in Bad Grönenbach bekannt geworden waren – das zuständige Veterinäramt des Landkreises Ravensburg, zwei Betriebsstätten desselben Milchviehalters in Kißlegg zu überprüfen. Die beiden in Baden-Württemberg gelegenen Höfe werden nicht durch den Landwirt aus Bad Grönenbach geleitet, sondern haben eigene Betriebsleiter. Auf beiden Betriebsstätten werden in Summe rund 300 Tiere gehalten.

Das Ergebnis: Die zwei Amtstierärzte des Veterinäramtes Ravensburg hielten in ihrem Bericht für beide Betriebsstätten einen „ordentlichen Zustand“ fest. Hinweise auf Misshandlungen gebe es nicht.

Landwirtschaftsministerium: Höfe in Baden-Württemberg werden kontrolliert

Weiter heißt es in dem Statement des Landwirtschaftsministeriums: „Die Bilder aus Bad Grönenbach, die wir aus den Medien kennen, haben nichts mit unserer Vorstellung von Tierschutz und Landwirtschaft zu tun, geschweige denn decken sie sich mit geltendem Recht und Gesetz. Tierschutz muss immer an oberster Stelle stehen. Die veröffentlichten Bilder sind unerträglich, solche Zustände darf es nicht geben. Die beiden Betriebsteile in Baden-Württemberg werden in nächster Zeit verstärkt Kontrollen unterzogen“, sagte die Sprecherin des Ministeriums, Isabel Kling.