OF, CH, BT, SO: Was diese Abkürzungen an den Gebäuden im ehemaligen Alten Lager bei Münsingen, heute Albgut, bedeuten – die Teilnehmer an unserer „Mehrwert-Tour“ wissen es jetzt. Diese Aktion unseres Verlags unter dem Motto „meine Heimat“ – anlässlich des 70-jährigen Bestehens der Hohenzollerischen Zeitung – ist ein Erfolg, das Interesse so groß, dass der Spaziergang übers Areal in dieser Woche bereits zum zweiten Mal angeboten wurde.

Begleitet von den beiden Alb-Guides Maria Tittor und Karl Kast, nahm auch Thomas Scherf-Clavel, Geschäftsführer unserer Zeitung, teil. Er begrüßte die Gäste, alle Abonnenten, die die Tour, inklusive regionalem Imbiss am Ende, als Dank für die Treue zu unserer Zeitung bekommen haben.

Aufgeteilt in zwei Gruppen erkundeten sie mit den Alb-Guides das weitläufige Gelände. Für die meisten war es Neuland, mancher aber kannten die Baracken von Militärübungen auf der „Rauhen Alb“. Und natürlich waren auch Leser aus den Orten, die an den einstigen Übungsplatz angrenzen, dabei. Die erinnerten sich, wie es war, als regelmäßig Düsenjäger über die Gegend donnerten, „die Gläser davon im Schrank klirrten“, oder wie sie als Jugendliche, verbotenerweise über den Zaun ins „Franzosengelände“ eingestiegen sind.

Das französische Militär, das das Areal als Besatzungsmacht nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm, hat es auch am längsten genutzt, nämlich bis 1992, als es dann an die Bundeswehr übergeben wurde. Selbstverständlich also, dass man beim Gang übers Areal allenthalben auf die Spuren unserer Nachbarn stößt. Auf Straßennamen ebenso wie auf die Beschilderung von Gebäuden: Zum Beispiel CH für „Chauffage“, Heizung, oder C für Cuisine, Küche, von denen es einst sieben gab.

Neben vielen Daten – Jahreszahlen, Angaben über Gebäude, Mannschaftsstärken und Anzahl der Pferde – wussten die Alb-Guides auch Interessantes aus dem Alltag der württembergischen Truppen, die dort 1897 einzogen, zu berichten. Vom schönen „Schwarzwaldhaus“, vom Lazarett, in dem vor und während des Ersten Weltkriegs nicht nur Soldaten, sondern auch Einheimische aus der Umgebung behandelt wurden. Oder vom Generalhaus mit eigener Allee, durch die morgens der Offizier mit goldenen Schulterklappen zum Appell herabritt.

Bekannt kam dann doch einigen Lesern die „Place de France“ vor. Die nämlich wird bei der Ambientemesse „schön & gut“ als Parkplatz genutzt. Der liegt oberhalb der Speicher, in denen sich im Herbst Tausende von Leuten tummeln. Und manchem war schon jetzt klar: „Da gehen wir dieses Jahr wieder hin.“

Diesel ist zwar keiner mehr in den riesigen Tanks, aus denen die Bundeswehrpanzer und -laster ihren Kraftstoff zogen, doch, sagt Karl Kast, das Tankbuch mit der letzten Eintragung liege noch im der Tankstelle. Übrigens von dort hat man einen Blick zum Gänsewag, in den 1940er-Jahren Kriegsgefangenenlager, heute „ein toller Platz für den Sonnenaufgang“, so Kast.

Um einen Überblick über die Anfänge von Truppenübungsplatz und Altem Lager zu bekommen, bietet sich ein Besuch im militärhistorischen Museum an. Anhand eines Geländeprofils erklärte Kast die Entwicklungen, die das Gelände seit 1895 genommen hat. Viele Bilder, Exponate und Schriftstücke, zeigen die wechselvolle Geschichte.

Und, das hat keiner der Besucher gewusst: Ein Auinger, Clemens von Deuschle, war mitverantwortlich, dass das Münsinger Hardt letztlich Übungsplatz für die württembergischen Truppen wurde.

Und jetzt, nach der Nutzung durch württembergische Soldaten, französisches Militär und Bundeswehr, gewissermaßen als vierte Epoche, ist das Gelände zivil. Im Albgut von Franz Tress, für den es zum Programm gehört, der Vergangenheit in der Zukunft ihren Platz zu geben, sind Besucher willkommen.

Was sich bereits getan hat, von der Sanierung diverser Gebäude, die als Manufakturen, Kunstmuseum oder Eventlocations genutzt werden, bis zu Planungen für die nächsten Jahre – auch darüber wissen die Alb-Guides Bescheid: Zum Beispiel über die Kletterwand, zu der die Frontseite des großen Kohlebunkers werden soll, oder über den Schaubauernhof, wo nicht nur Stadtkinder erfahren können, wie Lebensmittel produziert werden.