Die politisch Verantwortlichen widersprachen am Montag in der Geislinger Schlossparkhalle der Ansicht, dass mit der Zustimmung der Elektrifizierung der Zollernbahn eine planerische Konkurrenz erwächst. Die eigentliche Debatte, nämlich die der konkreten Kostenübernahme, steht aber noch aus.
Ein Bild mit Symbolcharakter: Im März 2019 posieren die Chefs fünf regionaler Verkehrsunternehmen gemeinsam vor einem Modell eines TramTrains. Unter ihnen der Vorstandsvorsitzende der Erms-Neckar-Bahn AG (ENAG), Carsten Strähle. Gerade eben haben die Herren einen Kooperationsvertrag unterzeichnet, der den gemeinsamen Kauf von 240 TramTrains vorsieht.

Erleichterter Einstieg?

In einer Pressemitteilung zum Treffen heißt es: In der Region Neckar-Alb sollen mit der Zweisystemtechnik die bestehenden Eisenbahnstrecken besser mit den Städten Reutlingen und Tübingen vernetzt werden. Darüber hinaus sind weitere umsteigefreie, neue Verbindungen rund um Reutlingen geplant. Der ENAG-Vorsitzende Strähle wird wie folgt zitiert: „Der Einstieg in die Regionalstadtbahn Neckar-Alb wir durch das VDV TramTrain Projekt deutlich erleichtert. Grund hierfür sind die deutlich reduzierte Fahrzeugkosten im Einkauf und der Instandhaltung.“

Niemals im Zollernalbkreis

Ein schlagendes Argument, wenn man bedenkt, dass der Zweckverband Regionalstadtbahn Neckar-Alb für mehrere seiner Strecken insgesamt 87 solcher Tramtrains in vielfacher Millionenhöhe kaufen möchte. Allein, keines dieser Straßenbahn-/Eisenbahn-Hybride wird jemals im Zollernalbkreis unterwegs sein.

Kreistag stimmt dennoch zu

Denn im Gegensatz zu den Landkreisen Reutlingen und Tübingen ist im dritten Landkreis der Region Neckar-Alb nirgendwo eine Stadtbahn-ähnliche Strecke vorgesehen. Nicht auf der Talgangstrecke, so sie denn reaktiviert werden sollte, noch auf der Strecke Hechingen-Gammertingen. Gleichwohl hat die Mehrheit des Kreistags des Zollernalbkreises am Montagabend bei seiner Sitzung in der Geislinger Schlossparkhalle dem Kauf von zunächst einmal 30 Fahrzeugen zugestimmt.

Gomaringer Spange rückt vor

24 für das bereits im Ausbau befindliche Modul 1 der Regionalstadtbahn, sprich für die Ammertalbahn zwischen Herrenberg und Tübingen, sowie die Ermstalbahn zwischen Tübingen und Metzingen. Womit wir wieder bei der eingangs erwähnten Kooperation unter Teilnahme der ENAG sind.Die restlichen sechs Fahrzeuge sollen nach ihrer Lieferung im Jahr 2025/26 die Neubaustrecke Reutlingen-Ohmenhausen bedienen – eine Teilstrecke der so genannten Gomaringer Spange, die eines Tages Mössingen zugtechnisch mit Reutlingen verbinden soll.

Neue Konkurrenz erwächst

Reutlingens Landrat Thomas Reumann warb in seiner Funktion als Vorsitzender des Zweckverbands Regionalstadtbahn am Montag in Geislingen persönlich für die Anschaffung der Tramtrains. Reumann, aber auch der Regionalverbandsgeschäftsführer Dr. Dirk Seidemann versuchten die letzten Zweifel zu zerstreuen, wenngleich sie auch auf die Risiken hinwiesen, die der Kauf der ersten Tramtrains, wenn auch durch das Land Baden-Württemberg abgefedert, mit sich bringt. Denn bislang liegt der gesetzlich geforderte neue Kosten-Nutzen-Index des Gesamtprojekts Regionalstadtbahn offensichtlich noch unter der für staatliche Fördermittel notwendigen Zahl eins.

Eine neue Sachlage

„Das liegt an einer neuen Sachlage“, antwortete Reumann auf entsprechende Nachfragen aus den Reihen der Kreisräte. Denn inzwischen gebe es keine Berechnungen einzelner Teilstrecken mehr, die Regionalstadtbahn werde nur noch als Ganzes bewertet. Dass dabei die Zollernalbbahn natürlich ein besonderes Gewicht habe, betonte Landrat Günther-Martin Pauli. Tatsächlich war diese Teilstrecke bei der ersten, inzwischen von Land und Bund einkassierten, Kosten-Nutzen-Bewertung ganz vorn dabei gewesen.

Vor- und Nachteile

„Sehen Sie es positiv, durch die Gesamtbewertung können nun alle Teilprojekte für sich geplant werden.“ Man müsse nicht warten, bis beispielsweise diskussionsintensive Innenstadtstrecken wie in Tübingen und Reutlingen auf den Weg gebracht seien. Infrastrukturell erwächst dem Zollernalbkreis dafür durch den womöglich beschleunigten und vorgezogenen Teilbau der Gomaringer Spange aber eine neue Konkurrenz zu einem zeitnahen Ausbau der Zollernalbbahn und deren dringend notwendigen Elektrifizierung.

Kein Überholtwerden

Von einem „Überholtwerden durch die Gomaringer Spange“ könne keine Rede sein, so Reumann. Der Finanzdezernent des Zollernalbkreises, Christoph Heneka, sekundierte und berichtete von aktuellen Planungsentwicklungen in Sachen Zollernalbbahn: „Nachdem wir von S21 und der Wendlinger Kurve rund zwei Jahre ausgebremst wurden, geht es jetzt wieder voran.“
Eigentliche Debatte steht noch aus
Der Kreistag hat, abgesehen von einigen wenigen kritischen Nachfragen dem Kauf der ersten Tramtrains zwar zugestimmt, die eigentliche Diskussion, das wurde deutlich, steigt aber erst, wenn es darum geht, mit wie viel Prozent sich die Zollernalb an diesem Projekt eines Tages finanziell beteiligen soll.

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