Der Startschuss für das neue Team fällt am 13. März: Nach der Antragsstellung vor drei Jahren hat das Forscherteam der Professoren Bräuning, Morgenstern und Dr. Rieger der Hochschule Albstadt-Sigmaringen Ende 2018 den Zuwendungsbescheid des Bundesministeriums für Bildung und Forschung über knapp eine halbe Million Euro Fördermittel für den Zeitraum bis November 2021 erhalten.

Mit alkoholischen Blubbergetränken hat das Forschungsprojekt SEKT allerdings nichts zu tun. Die vier Buchstaben stehen für: IT-Sicherheit von elektronischen Kommunikationssystemen in smarten textilen Produkten.

Viele Textilien sind bereits smart

Was hat IT-Security mit Textilien zu tun? „Eine ganze Menge“, sagt Prof. Manuela Bräuning. „Die Chips in den Etiketten von Bekleidungsstücken kennen inzwischen viele.“

Mittlerweile gibt es jedoch beispielsweise RFID-Chips, die sogar im Faden integriert sind. Fitnesstracker werden in Schuhsohlen eingebaut und speichern Lauf­analysedaten. Intelligente Sofa­kissen können Licht steuern. Drähte in Lkw-Planen fungieren als Alarmanlage.

Die Liste ließe sich fortsetzen, die schöne neue Welt eines Aldous Huxley lässt grüßen. Und sie hat Tücken: Datenmissbrauch ist das Stichwort.

Wo Daten übertragen werden, können sie potenziell auch gehackt werden. Besonders kritisch wird es jedoch, wenn dem Betroffenen bzw. Konsumenten überhaupt nicht bewusst ist, dass er unter Kontrolle steht.

„Die Projektidee entstand, als ein Freund mir erzählte, was ihm beim Schuhkauf passiert ist“, sagt Tobias Scheible, Vollzeitmitarbeiter im nun anlaufenden Forschungsprojekt.

Als dieser Freund nämlich mit seinen frisch gekauften Schuhen den Laden verlassen wollte, ging die Alarmanlage los.

Offenbar war der Chip im Schuh an der Kasse nicht ausgelesen worden. Damit waren die Schuhe nicht als „verkauft“ in der Datenbank eingetragen. „Der Chip war nach dem Kauf immer noch aktiv.“

Tobias Scheible fragte sich: Was wird eigentlich neben RFID-Chips in den Kleidungsstücken, die wir kaufen, so alles verbaut? „Der Bereich Smart Textiles ist ein extrem wachsender Markt“, sagt Prof. Manuela Bräuning. Es werde immer mehr Elektronik in textile Produkte eingearbeitet, doch das Thema IT-Security bleibe oft auf der Strecke.

Es fehle den Unternehmen an Wissen, Konzepten und Strategien. „Wir betreten Neuland“, meint sie mit Blick auf das interdisziplinäre Forschungsprojekt.

Der Arbeitsplan umfasst fünf Arbeitspakete: Analyse aktueller Systemlösungen mittels Umfrage; Untersuchung spezifischer Systeme, an denen die Integration der elektronischen Komponenten in textile Produkte und die verwendeten Sicherheitskonzepte untersucht werden; Entwicklung praxisrelevanter Sicherheitskonzepte; Entwicklung, Konzeption und Herstellung von drei ausgewählten smarten Demonstratoren; Wissens- und Technologietransfer unter anderem durch Leitfäden und ein Lehrmodul im Blended- Learning-Verfahren.

Einzigartiges Konzept

Ziel des Forschungsprojekts ist es, IT-sichere innovative Smart-Textiles-Demonstratoren zu entwickeln.

Darüber hinaus sollen aus dem gewonnenen Wissen Handlungsempfehlungen abgeleitet und ein branchenübergreifender Know-how-Transfer gewährleistet werden.

Ein spannendes Thema, aber auch das Konzept ist einzigartig: Die am Standort Albstadt beheimateten Fakultäten Engineering und Informatik sind gleichermaßen beteiligt.

13 Projektpartner sind mit im Boot, darunter neben namhaften Marken auch die Albstädter Technologiewerkstatt und der Verband Südwesttextil.

Projektkoordinatorin ist Prof. Manuela Bräuning (Fakultät Engineering) und weitere Projektleiter sind Prof. Holger Morgenstern (Fakultät Informatik) und Prof. Dr. Martin Rieger (Fakultät Informatik).

Was sind RFID-Chips und wo sind sie zu finden?


Fachbegriff Die Abkürzung RFID steht für Radio Frequency Identification. Auf einem RFID-Chip können Informationen gespeichert werden. Ein Lesegerät kann die Daten über Funk auslesen.

Verwendung Zur Diebstahlsicherung werden beispielsweise hochpreisige Alkoholika oder Bekleidungsstücke mit RFID-Tags versehen. Auch Kühe erhalten zur Kennzeichnung einen RFID-Chip. Im Reisepass und Personalausweis sind einige Infos auf einem RFID-Chip gespeichert. EC-Karten, Skipässe, elektronische Wegfahrsperren und Maut-System nutzen ebenfalls RFID-Technologie.