Münsingen will „die Bemühungen, alternative Mobilität auf der Alb weiter zu entwickeln, vorantreiben“, so Bürgermeister Mike Münzing in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Und das auch, „weil E-Mobiliät inzwischen nicht nur ein Freizeitthema ist, sondern sich im Alltag wieder findet“. Viele Menschen hätten entdeckt, „dass man mit dem E-Bike schweißfrei zur Arbeit kommen kann“.

Tourismuschef Hans-Peter Engelhart hatte dazu Daten parat: Die Zahl der E-Bike-Verkäufe und damit auch die der Rad-Touristen steige: 2001 habe man bundesweit noch zwei Millionen Rad-Reisende gezählt, 2018 dann 5,2 Millionen.

Deshalb stellt die Verwaltung nach der Zustimmung der Stadträte zügig das Projekt Chargercube auf die Beine. Dahinter verbergen sich mobile Stationen für E-Bikes und Pedelecs – ausgerüstet mit Schnelllade-Anschlüssen und abschließbarem Fach fürs Gepäck – in die man das Rad hineinstellt. Über eine Photovoltaikanlage sind die Boxen energieautark.

Die Ladestationen sind nicht billig. Pro Stück, so Engelhart, kosten sie 48 000 Euro. Dass Münsingen damit einen „Impuls für die Mobilitätswende gibt“, erkennt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit an. Es gibt einen Zuschuss für die „Pilotregion“ in Höhe von 70 Prozent, maximal zwei Millionen Euro. Denn es können immerhin bis zu 55 dieser angeschafft werden.

Hintergrund: Nicht nur in Münsingen sollen die Boxen dafür sorgen, dass die E-Radler flott auf der Straße bleiben, sondern in allen Kommunen auf der Alb beziehungsweise im Biosphärengebiet. Die Fäden dafür laufen alle bei der Münsinger Touristinfo zusammen, sie übernimmt die Projektleitung und Koordination sowie die Verteilung der Zuschüsse. Um die zehn Gemeinden sind bereits im Boot, weitere Interessensbekundungen gibt es. Pro Stück muss eine Gemeinde zwischen 13 000 und 15 000 Euro finanzieren.

So sieht der Zeitplan aus: Dieses Jahr sollen noch zwölf Cubes aufgestellt werden, zwei davon in Münsingen, und zwar einer in der Innenstadt, der andere im Lautertal. Die genauen Standorte will die Verwaltung noch festlegen. Nächstes Jahr soll die Kirchentellinsfurter Firma Linuz dann 22, im Jahr 2021 insgesamt 21 Stromtanken liefern.

Siegfried Hahn (SPD) gefiel, „dass wir hier Vorreiter sind“. Ob denn der „ganz ordentliche Aufwand“ auf die Teilnehmer umgelegt werde, interessierte ihn auch. Das werde noch geklärt, so Münzing. Selbstverständlich könne nicht alles allein von Engelhart gestemmt werden. Zustimmung zum Vorhaben kam auch von Sandra Bleher (FWV). Sie findet es gut, dass man im Chargercube das Fahrrad einstellen und direkt Strom zapfen kann, „und nicht den Akku spazieren tragen muss“.

Nicht so begeistert zeigte sich ihr Fraktionskollege Paul Jörg. Er wollte zum einen wissen, wer für die Kosten aufkomme, wenn etwas am Cube kaputtgehe. „Wer einen kauft, ist auch für die Folgekosten zuständig“, erklärte Münzing. Und zum zweiten hielt Jörg es „für sinniger, Geld in die Hand zu nehmen“, sich in der Gesamtstadt Partner zu suchen, die Steckdosen bereitstellten, und dafür dann auch kassieren. „Wir können ja das Eine tun und das Andere nicht lassen“, meinte Münzing. Er wies auch darauf hin, dass es bei verschiedenen Gaststätten, zum Beispiel im Lautertal, bereits Ladestationen gebe.

Als „blanken wirtschaftlichen Wahnsinn“ bezeichnete Gerhard Schnitzer (Liberale Bürger) die Anschaffung der Ladestationen. Ihn störte auch, dass es „keine Berechnungen gibt, wie oft dort geladen werden muss, bis es sich amortisiert.“

70


Prozent Zuschuss gibt es vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nuklearer Sicherheit für das Chargercube-Projekt. Eine Station kostet dann rund 15 000 Euro.