Es gibt viel zu tun im Dotternhausener Rathaus und die Arbeit ist keineswegs einfach. Seit Montag ist Amtsverweser Alfons Kühlwein (63) im Amt. Er will den Frieden in der Gemeinde wiederherstellen. Der ehemalige Nusplinger Bürgermeister ist ein ausgewiesener Verwaltungsfachmann. Von 1981 bis 1992 war er Hauptamtsleiter der Stadt Rosenfeld, von 1982 bis 1992 gleichzeitig Ortsvorsteher von Isingen. 1992 wurde er zum Bürgermeister von Nusplingen gewählt und insgesamt zweimal im Amt bestätigt. 2016 schließlich ging er in den Ruhestand.

Von wegen Ruhestand: Landrat kam auf ihn zu

Oder in den Unruhestand? Er ist in Nusplingen an führender Stelle im Förderverein Friedhofskapelle und auch noch in weiteren Vereinen ehrenamtlich tätig. Nachdem sich abzeichnete, dass Bürgermeisterin Monique Adrian wohl noch längere Zeit krank sein wird, ist die Kreisverwaltung auf den 63-Jährigen zugekommen. „Ich habe mich von Landrat dazu bewegen lassen“, erklärt er. Und natürlich habe er es auch mit seiner Ehefrau abgestimmt.

Die Dauer der Aufgabe als Amtsverweser ist absehbar. Er sei mindestens so lange tätig, bis Monique Adrian die Geschäfte weiterführen kann und höchstens bis Frühjahr 2021, wenn die Amtszeit der Bürgermeisterin endet. Im November oder Dezember 2020 finden in Dotternhausen Bürgermeisterwahlen statt. Kühlwein stellt klar: „Ich bin Amtsverweser und Krankheitsvertretung, nicht Bürgermeister.“

Wann und ob Monique Adrian überhaupt wieder zurückkehrt, ist unklar, denn zwischenzeitlich ist eine weitere Krankmeldung der Bürgermeisterin im Rathaus eingegangen.

Mit dem Haushalt natürlich total im Verzug

Die erste Gemeinderatssitzung unter Kühlweins Amtsführung findet am Mittwoch, 11. Dezember, statt. Die wohl wichtigste Aufgabe in den kommenden Wochen wird die Aufstellung der Jahresrechnung und des Haushaltsplans sein. Der sollte eigentlich bis Jahresende fertig sein. „Wir sind da schon im Verzug“, sagt Alfons Kühlwein, „aber das geht jetzt halt nicht anders“. Das Landratsamt habe Unterstützung zugesagt. Er bedankt sich bei den Rathausmitarbeitern, bei denen sich in den vergangenen Wochen viele Überstunden angesammelt haben, und bei den stellvertretenden Bürgermeistern Wolfgang Wochner und Georg von Cotta: „Die beiden haben in den vergangenen Monaten gute Dienste geleistet.“

Alfons Kühlwein hat klare Vorstellungen von seiner zukünftigen Arbeit. „Wir müssen daran arbeiten, die Gräben zuzuschütten und den Gemeindefrieden wiederherzustellen“, erklärt er. „Es muss wieder Normalität einkehren, die Spaltung der Gemeinde muss unbedingt beendet werden“, so Kühlwein.

Beim Thema Holcim den Ball flach halten

Natürlich komme auch das Thema Holcim auf den Tisch, führt Kühlwein aus, aber der Gemeindefrieden habe oberste Priorität. Deshalb müsse man bei diesem Thema im Augenblick den Ball flach halten. Wichtiger für die Gemeinde sei nun ein Haushaltsplan für das kommende Jahr.

„Ich kenne viele der Dotternhausener Gemeinderäte“, führt der Amtsverweser aus. Auf deren Kooperation hofft Alfons Kühlwein. Das oberste Ziel sei Einigkeit. Denn wenn man in der Gemeinde keine Einigkeit herstellen kann, könne sich das auch auf die anstehende Bürgermeisterwahl auswirken. Nachdem das Interesse an Bürgermeisterposten sowieso immer geringer werde, würden sich potenzielle Kandidaten genau umsehen. „Da ist der Gemeinderat in der Pflicht“, erklärt der 63-Jährige.

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