Schwäbisch Gmünd / Dirk Hülser Seit Freitag ist die erste interkommunale Gartenschau Deutschlands geöffnet. Neue Rad- und Wanderwege und eine Kanuroute: 16 Gemeinden an der Rems bieten bis 20. Oktober weit mehr als Blumen.

Fünf Jahre ist es her, dass in Schwäbisch Gmünd die Landesgartenschau stattfand und mit einem Besucherrekord endete: Mit zwei Millionen Gästen gilt sie als bestbesuchte Landesgartenschau in Baden-Württemberg. Seit Freitag geht es in die nächste Runde, dieses Mal haben sich alle 16 Gemeinden an der Rems zusammenschlossen, um die bundesweit erste interkommunale Gartenschau auszurichten. Bis 20. Oktober gibt es im Remstal zwischen Essingen und Remseck unzählige Veranstaltungen, Blumenschauen und Architekturobjekte.

Offizielle Eröffnung der Remstal-Gartenschau in Schorndorf

Offiziell eröffnet wurde die Gartenschau am Freitag um 15 Uhr auf dem Schorndorfer Marktplatz. Vor Ort war unter anderem Ministerpräsident Winfried Kretschmann, gefeiert wurde bis zum Abend mit einem Bühnenprogramm und Livemusik. Am Wochenende feierten dann die 16 Kommunen noch einmal Eröffnung: In Schwäbisch Gmünd ging’s um 11.15 Uhr am Sonntag los, auf der Remsparkbühne fand das Muttertagskonzert des Gmünder Kurorchesters statt und der offizielle Gartenschau-Song wurde präsentiert.

16 Gemeinden, ein Fluss: Vom 10. Mai bis 20. Oktober findet die Remstal-Gartenschau statt.
© Foto: Remstal Gartenschau 2019 GmbH

In Lorch wurde am Sonntag der geographische Remsmittelpunkt eingeweiht. Um 11 Uhr beginnt ein musikalisch umrahmtes Weißwurstfrühstück auf dem neuen Rastplatz am Ufer unweit des Baggersees in Lorch-Waldhausen. Ein monolithischer Stein und Steinringe im renaturierten Wasserlauf weisen auf diesen besonderen Ort hin.

Cynthia Schneider kam zur Eröffnung der Remstal-Gartenschau als Einhorn – mit einem Bodypaint, also nur mit Farbe auf ihrer Haut. Dafür musste die Stadträtin der Linken ordentlich einstecken.

10.000 Veranstaltungen bei der Remstal Gartenschau 2019

Rund 10.000 Veranstaltungen sollen im Rahmen der Gartenschau stattfinden. Wobei hier auch Veranstaltungen mitgezählt werden, die ohnehin regelmäßig stattfinden, wie etwa der Lorcher Löwenmarkt oder die Gmünder Schmucktage. Um bei so vielen Terminen den Überblick zu behalten, wurde das Veranstaltungsmagazin der Remstal-Gartenschau veröffentlicht. Es ist in den 16 Kommunen und in der Touristinfo der Remstal-Route kostenlos erhältlich. Die erste Ausgabe umfasst die Monate Mai bis Juli. Ende Juli erscheint dann das zweite Heft mit den Höhepunkten bis zum 20. Oktober. Alle Veranstaltungen sind auch im Kalender der Homepage einsehbar.

Für den halbnackten Auftritt der Schwäbisch Gmünder Stadträtin Cynthia Schneider bei der Gartenschau-Eröffnung hagelte es Kritik. Jetzt erhebt die Partei Linke schwere Vorwürfe gegen den Schwäbisch Gmünder Oberbürgermeister Arnold.

Um die 16 Gemeinden entlang des Flusses miteinander zu verbinden, wurden Rad- und Wanderwege neu konzipiert. Komplett ausgeschildert wurde der nun durchgängige Rems-Radweg von Essingen bis zur Mündung. Blaue Wellen mit Kilometerangaben auf dem Asphalt zeigen den Radfahrern, wieviele Kilometer sie bereits zurückgelegt oder noch vor sich haben. Doch nicht nur im Tal darf geradelt werden, diverse Runden auf den Höhenzügen sind ebenfalls ausgeschildert, so zum Beispiel die 24 Kilometer lange Schurwald-Radroute, die Stauferschleife über Wäschenbeuren oder die neue Mountainbikestrecke bei Urbach.

Wandern im Remstal: 500 Kilometer Wanderwege

Insgesamt 500 Kilometer Wanderwege warten ebenfalls darauf, erkundet zu werden. Allein der neue Remstalweg ist 215 Kilometer lang und wurde komplett neu ausgeschildert. Auch auf dem Wasser tut sich was: Eine Kanuroute von Weinstadt nach Waiblingen wartet mit etlichen neu angelegten Rastplätzen auf.

Die neu organisierte Abfallwirtschaft hat viel vor. Auf der alten Deponie in Steinbach entstehen Magerwiesen. Zudem werden neue Spülmobile angeschafft.

Eine Besonderheit ist das Architekturprojekt „16 Stationen“: In jeder Gemeinde steht ein Objekt, das eigens für die Gartenschau entworfen würde. In Gmünd etwa eine Tanzlinde, in Plüderhausen ein Hochzeitsturm.

Remstal Card: Preise und Vorteile

Und Blumen gibt es natürlich auch: Erlebnisgärten bringen Blumen- und Gartenvielfalt vor allem nach Schorndorf und Schwäbisch Gmünd. Die Veranstalter versprechen „täglich eine bunte Mischung aus unterschiedlichsten Gärten und Blüharrangements und blühende Stadtrundgänge durch beide Städte“.

Die RemstalCard ist die Dauer- und Vorteilskarte der Remstal Gartenschau 2019. Mit der Karte erhält man unbegrenzten Eintritt in die Erlebnisgärten in Schwäbisch Gmünd und Schorndorf (einschließlich der Blumenhallen). Die RemstalCard Erwachsener kostet 45 Euro und die RemstalCard Ermäßigt 25 Euro. Weitere Infos unter Remstal.de .

Unendliche Gärten am 78 Kilometer langen Fluss

Rems: Rund 78 Kilometer ist die Rems lang, über diese Länge erstreckt sich auch die Gartenschau. Der Fluss entspringt bei Essingen im Ostalbkreis und fließt durch Mögglingen, Böbingen, Schwäbisch Gmünd und Lorch, ab Plüderhausen fließt er durch den Rems-Murr-Kreis. Weiter geht’s durch Urbach und Schorndorf sowie den kompletten Landkreis. In Neckarrems, einem Teilort von Remseck im Kreis Ludwigsburg, mündet die Rems in den Neckar.

Fläche: Die Veranstalter sprechen von insgesamt „560 000 000 Quadratmeter unendlicher Garten“. Das sind 56 000 Hektar.

Kosten: Die 16 Kommunen haben 60 Millionen Euro investiert. 25 Millionen Euro Fördergelder steuerte das Land bei, zwei Millionen die Region Stuttgart.

Veranstaltungen: Vom 10. Mai bis 20. Oktober finden mehr als 10 000 Veranstaltungen statt.

Routen: Zur Gartenschau wurde der durchgängige Radweg entlang der Rems fertiggestellt. Zudem wurden der Remstal-Höhenweg und der Remswanderweg des Albvereins zusammengelegt. Es gibt nun 60 lokale Wege mit insgesamt 500 Kilometern Länge. Auch Wassersportler kommen auf ihre Kosten: Zwischen Weinstadt und Waiblingen wird eine durchgängige Kanuroute mit etlichen Rastplätzen eröffnet.

Eintritt: Für die Besucher sind die meisten Bereiche des „unendlichen Gartens“ frei zugänglich. In Schwäbisch Gmünd und Schorndorf entstehen klassische Gartenschaubereiche, für die Eintritt verlangt wird. Eine Tageskarte kostet 8 Euro, ermäßigt 6,50 Euro, Kinder bis 16 Jahre sind frei. Dauerkarten („Remstalcard“) kosten 45 Euro, ermäßigt 25 Euro, Kinder unter 16 Jahren bekommen eine kostenlose Familienkarte. Mit der Remstalcard gibt es auch rund 170 Vergünstigungen für Gastronomie, Freizeit und Veranstaltungen.

Informationen: Alle Infos zur Remstal-Gartenschau gibt es im Internet auf www.remstal.de