Mitfahren im Batteriezug: Was bisher nur auf der Fachmesse Innotrans in Berlin und auf der Teststrecke des Herstellers Bombardier möglich war, soll im Frühjahr 2019 für viele Menschen in der Region Alltag werden. Auf den Strecken Amstetten–Ulm und Ulm–Erbach wird Bombardier seinen vor wenigen Wochen vorgestellten Batteriezug testen. Der Prototyp „Talent 3“ werde dann im regulären Fahrplan eingesetzt, verrät Bahn-Sprecher Michael Greschniok auf Nachfrage: Die Bahn-Tochter DB ZugBus Regionalverkehr Alb-Bodensee GmbH (RAB) ist Kooperationspartner für den Testbetrieb.

Wartung des Zuges in Ulm möglich

Dass die Auswahl auf die Pendlerstrecken in der Region fiel, ist leicht zu begründen: „Es muss eine Werkstatt in der Nähe sein“, sagt Greschniok: Die Wartung des Testzugs sei in Ulm möglich, in der dortigen Fahrzeug-Instandhaltungs-, Behandlungs- und Abstellanlage (FIBA). Das dortige Personal werde bereits entsprechend geschult, denn die Wartung des Batteriezugs sei „völlig neu“.

Wie viele und welche Fahrten der neue Zug auf den Pendlerstrecken übernehmen soll, sei zur Zeit noch nicht klar, sagt Greschniok. Für den Fahrgast ändere sich durch den Testbetrieb jedoch erst mal nichts: Der Batteriezug wird anstelle eines regulären Diesel-Triebwagens der RAB eingesetzt. „Es ist also ein Backup da, um schnell reagieren zu können, wenn Probleme auftreten“, sagt Greschniok. Genügend Platz sollten die Passagiere im Batteriezug auch finden: Er hat rund 20 Sitzplätze und 16 Fahrradstellplätze mehr als die dieselbetriebenen Regio-Shuttles mit zwei Diesel-Triebwagen.

In zehn Minuten aufgeladen

Mit dem insgesamt 12-monatigen Testbetrieb in der Region steigt Bombardier in den Zulassungsprozess für den Batteriezug ein. Nach Tests auf dem Bombardier-Gelände im brandenburgischen Henningsdorf solle der Zug nun „auf Herz und Nieren“ geprüft werden. Das sagt Unternehmenssprecher Andreas Dienemann. Auf der 26 Kilometer langen, vollkommen elektrifizierten Strecke zwischen Amstetten und Ulm wird der Wechsel zwischen Batteriebetrieb (80 Prozent) und der Oberleitungsbetrieb (20 Prozent) getestet: An der Oberleitung laden sich die auf dem Dach montierten Batterien wieder auf.

Die gut zehn Kilometer lange Strecke zwischen Ulm und Erbach ist nicht elektrifiziert. Hier soll der Zug, nachdem er im Hauptbahnhof Ulm aufgeladen wurde, zu 100 Prozent durch die zwei mal zwei Meter großen und rund 1,5 Tonnen schweren Batterien betrieben werden.

Die Kapazität der Batterie entspricht laut Bombardier 18.000 Smartphone-Akkus – die Ladezeit beträgt sieben bis zehn Minuten. Denn die Oberleitung speist dabei mit einer Leistung von bis zu einem Megawatt in die Batterie ein. Die Reichweite des Prototyps beträgt laut Bombardier 40 Kilometer – „mehr braucht er für die Strecken nicht“, sagt Dienemann.

Längere Strecken in den kommenden Jahren möglich

Doch die Entwicklung  von Batterien schreite permanent fort, schon im nächsten Jahr könnten Folgemodelle  Strecken von bis zu 100 Kilometer schaffen. Mit diesen Zügen soll ein einfacher Einstieg in die E-Mobilität möglich sein, so das Versprechen des Unternehmens. Bombardier zählt auf, dass in Deutschland 42 Prozent des Schienennetzes nicht elektrifiziert sind. Die meisten Diesellinien seien kürzer als 70 Kilometer, rund 40 Prozent gar kürzer als 40 Kilometer. Batteriezüge seien da die „ideale Lösung“.

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Früher hieß der Batteriezug Akkutriebwagen


Geschichte Batteriebetriebene Triebfahrzeuge hatte die Deutsche Bundesbahn auch schon zwischen 1954 und 1995 im Einsatz: Vor allem im Flachland waren die gut 230 Akkumulatortriebwagen der Baureihe ETA 150 (ab 1968 Baureihe 515) unterwegs, beispielsweise im Ruhrgebiet, aber auch zwischen Augsburg und Memmingen sowie im Nördlinger Ries. Die Akku-Fahrzeuge wurden wegen begrenzter Reichweite und teurer Wartung Ende der 80er bis Mitte der 90er Jahre allmählich zugunsten von Diesel-Triebwagen ausgemustert. Die RAB beruft sich laut Pressemitteilung auch auf diese Tradition: Man freue sich, „bei der Wiederbelebung der Technik als RAB von Beginn an dabei zu sein“, sagt Frank Dietrich, Geschäftsführer der Produktion der RAB.