Ellwangen Ein Alamannendorf an der Jagst

Teile des Alamannendorfs Mittelhofen – hier ein Modell – könnten auf dem Gartenschaugelände in Originalgröße entstehen, so zumindest die Idee für 2026.
Teile des Alamannendorfs Mittelhofen – hier ein Modell – könnten auf dem Gartenschaugelände in Originalgröße entstehen, so zumindest die Idee für 2026. © Foto: Gerhard Königer
Ellwangen / Gerhard Königer 17.10.2018
Museumsleiter Andreas Gut möchte mit der Landesgartenschau 2026 das Thema „Alamannen“ auf neue Art einem großen Publikum näher bringen.

Es war einmal ein Alamannendorf an der Jagst mit einer Mühle und einem großen Friedhof. Wir nennen es Mittelhofen. Es lag vor den Toren von Lauchheim, und sein Erbe wird heute im Ellwanger Alamannenmuseum bewahrt und gezeigt. Bei seiner Eröffnung 2001 war das Museum im denkmalgeschützten Gebäude der ehemaligen Nikolauspflege nach aktuellen museumspädagogischen Gesichtspunkten gestaltet. Man setzt moderne Medien ein, Film, Ton und Computeranimation.

Heute sähe es anders aus

Gedämpftes Licht schont die Exponate, Strahler lenken die Blicke der Besucher. Mit dem Getreidespeicher im Hof und dem „Grubenhaus“ im Erdgeschoss bietet die Dauerausstellung bereits originalgetreue Nachbildungen zeitgenössischer Gebäude. Trotzdem würde der Museumsleiter heute einiges anders machen, wenn er das Museum neu gestalten könnte. Ein Grund ist, dass sich die Menschen heute der Vergangenheit auf andere Weise nähern als noch vor 20 Jahren.

„Experimentelle Archäologie“, „Reenactment“, „erlebte Geschichte“ sind Stichworte, die darauf verweisen, dass der Geschichtsinteressierte heute viel tiefer und lebensechter in die Materie eintauchen möchte, als dies bei einem Rundgang durch eine Ausstellung mit toten Artefakten möglich ist. „Für unsere Veranstaltungen mit Gruppen, Handwerkern, Künstlern ist der Außenbereich heute eigentlich zu klein“, sagt Gut und verweist auf die Idee, das Grundstück, auf dem die Stadthalle steht, zu einem Außenbereich des Alamannenmuseums umzugestalten. Die Idee gab es schon vor der Eröffnung des Museums 2001.

Damals dachte man, es wäre nur noch eine Frage von wenigen Jahren, bis die heutige Stadthalle abgerissen wird. Bei der zweiten Bewerbung für eine Landesgartenschau war dann das Alamannenmuseum und die Stadthalle in den überplanten Bereich eingebunden. Das Gelände der aktuellen LGS dagegen beginnt erst am Schießwasen. „Die Besucher werden auf ihrem Weg vom Bahnhof zum Gartenschaugelände unser Museum rechts liegen lassen. Das wäre für uns ein enormer Verlust“, sagt Gut.

So sehen das auch viele Mitglieder des Fördervereins. Dessen Vorsitzender Werner Kowarsch ist wie Gut der Meinung, dass sich das Museum mit einem dauerhaften Beitrag auf der Schau präsentieren muss, um mit einem Pavillon oder Ähnlichem auf die Dauerausstellung im Museum aufmerksam zu machen.

Dass dieser Pavillon am besten im Baustil eines alamannischen Gehöfts, als Holzbau mit Lehmwänden und Strohdach ausgeführt würde, liegt nahe. Und der Gedanke, den Grundriss der Siedlung von Mittelhofen in der Jagst­aue zumindest ansatzweise umzusetzen, klingt spannend. Andreas Gut macht auf Projekte wie den Bau der Klosterstadt „Campus Galli“ in Meßkirch aufmerksam. Dort wird „Geschichte gelebt“ und schon im Aufbau stößt diese mittelalterliche Siedlung auf enormes Interesse. Die Besucher können mit allen Sinnen in das Ambiente eintauchen.

In deutlich kleinerem Rahmen wäre auch in Ellwangen ein Dorf der früheren Siedler umsetzbar, glaubt Gut. Zumal es für derartige Projekte Fördermöglichkeiten gibt, etwa über das Leader-Programm der EU, die Landesstiftung Baden-Württemberg oder das Landesdenkmalamt. Für ein Langhaus sieht Gut auf Dauer gute Nutzungsmöglichkeiten, etwa in der Museumspädagogik. In der „Außenstelle“ des Museums könnte es Kurse geben, Bogenbau etwa, aber auch Aktivtage oder Ferienaktionen. Dort ließe sich die Lebensweise unserer Vorfahren ganz anders nachfühlen, als mit Exponaten hinter Glas. Die Dauerausstellung würde dadurch nicht obsolet, im Gegenteil: „Gelebte Geschichte“ und die Dauerausstellung würden sich ergänzen. Zumal das Museum auch für die regelmäßigen Sonderausstellungen benötigt wird.

Am 27. Oktober wird die neue Sonderausstellung: „Verehrt, verwendet, vergessen“ eröffnet. Es zeigt die früheren Siedler in der Region im Spannungsfeld von Politik und Zeitgeschichte – eine Kooperation des Ellwanger Museums mit dem Alamannenmuseum Vörstetten. Das Museum Vörstetten hat übrigens einen Außenbereich mit Wohnstallhaus, Grubenhaus, Speicher, Töpferwerkstatt, Backofen, Römerecke, Brunnen, Kultstätte, Handwerkerhaus und Gärten.

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