Fichtenau / Ursula Richter Die Gemeindeverwaltung Fichtenau will in Matzenbach einen Mobilfunkmasten aufstellen lassen. Bei einer Infoveranstaltung stellen besorgte Bürger viele Fragen.

Wer, von Crailsheim kommend, mit dem Smartphone zum Sportzentrum 2 navigieren will, bekommt an einigen Stellen vor Matzenbach die Meldung: kein Netz. Eben um diese mangelnde Funkabdeckung ging es bei der Infoveranstaltung zum geplanten Mobilfunkmast am Montagabend im Bürgersaal der Turn- und Festhalle.

Bürgermeisterin Anja Wagemann stellte die wichtigsten Sachverhalte in einer Präsentation dar. Mit einer Funkwirkung von 50 bis 82 Dezibel ist der Ort relativ schlecht versorgt. Die Bürgermeisterin betonte vor allem zwei Aspekte. Die Telekom habe acht Wochen nach der Anfrage – also bereits seit dem Sommer 2018 – das Recht einer privaten Akquise.

Vierstelliger Betrag im Monat

Damit ist die Gewinnung eines Verpächters mit einem geeigneten Grundstück für die Aufstellung eines Mobilfunkmastes gemeint. Das Grundstück muss die Grundfläche von 100 bis 250 Quadratmeter für den Mast und einen Sicherheitsabstand von ein bis zehn Metern aufweisen und wird mit einem niedrigen vierstelligen Eurobetrag im Jahr vergütet. Des Weiteren betonte sie, dass der Mast vom Landratsamt genehmigt werde.

Das Mobilfunk-Netz in Baden-Württemberg gehört zu den löchrigsten in Deutschland. Das liegt an Topographie und Bürgern.

Und – hier wurde sie eindringlich – das Landratsamt kann das Einvernehmen der Gemeinde ersetzen. Deshalb plädierte sie dafür, einen geeigneten, von der Telekom grundsätzlich für möglich gehaltenen Standortvorschlag zu machen. „Jetzt haben wir es noch selbst in der Hand“, ermahnte sie die zahlreich erschienen Zuhörer. Schon die Übergabe einer Unterschriftenliste zu Beginn der Aussprache zeigte allerdings, dass sie einen schweren Stand hat. Sigrid Käfer, Ralf Muggele und einige weitere Einwohner Matzenbachs hatten 518 der rund 800 Unterschriftsberechtigten gefragt. Mit 405 Nein- und 113 Ja-Stimmen fiel das Votum deutlich aus.

Die Zustimmung war an die Bedingung eines Mindestabstandes zur Bebauung von 500 Metern geknüpft. Ingo Reinhardt, Kommunalberater bei der Telekom, sagte aber: „Wenn der Mast 500 Meter außerhalb liegt, gibt es keine sinnvolle Datenversorgung. Der Standort muss so zentral wie möglich liegen.“ Reinhardt führte aus, dass die Versorgung mit mobilen Daten bis zu maximal einem Kilometer Entfernung gewährleistet sei. „Der Großteil der Emissionen kommt vom Endgerät“, führte er aus. „Je zentraler der Standort, desto niedriger können die Leistung und damit die Emissionen sein.“

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Mobilfunk-Strahlung wird misstrauisch beäugt

Hauptsächlich die Strahlenbelastung, aber auch ob es eigentlich um die Autobahn gehe und dies der Einstieg in die 5G-Technologie sei, waren die größten Befürchtungen. Beides wurde mit „Nein“ beantwortet. Barbara Keller fragte: „Kann die Telekom garantieren, dass es unschädlich ist?“ Sie positionierte sich entschieden gegen den Mast im Innenbereich und forderte dazu auf, alle Möglichkeiten auszunutzen.

Dieter Kloos argumentierte: „Es ist weltweit noch kein Fall bekannt, dass jemand wegen einer solchen Strahlung krank geworden ist.“ Er vertrat eine Minderheitenposition, war sich aber sicher: „Unsere Gemeinde verbaut sich mit einer Ablehnung eine Chance für die Zukunft.“ Edmund Ebert fragte nach: „Können wir den Mast als Bürger verhindern?“ Ingo Reinhardt antwortete freundlich, aber einsilbig: „Nein.“ Er ergänzte: „Möglich wäre auch, dass wir unsere Investition zurückziehen.“
Anja Uhl wollte wissen, ob die Telekom einen Standortvorschlag habe. „Nein.“ Anja Wagemann schlug gegen Ende der Veranstaltung vor, gemeinsam Standorte anhand einer Flurkarte, auf der die gemeindeeigenen Grundstücke farblich markiert sind, zu benennen. Letztlich lief alles auf einen Standort am Sportplatz hinaus.

Auch Reinhardt sagte: „Rund um das Sportgelände könnte ich mir das auf den ersten Blick vorstellen.“ Allerdings müssen die Experten von der Telekom noch eine Analyse vornehmen, die ungefähr 200 Faktoren berücksichtigt. Karl-Heinz Schultes, einer der Gegner des Mobilfunkmastes, sagte: „Wir müssen an unsere Kinder und Enkel denken.“ Dieter Kloos antwortete: „Genau deshalb will ich eine moderne Infrastruktur.“

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Der Mobilfunkmast und der passende Standort

Im Frühjahr 2018 hat die Telekom wegen der Errichtung einer Mobilfunkanlage mit GSM/UMTS/LTE-Technologie angefragt. In der Juni-Sitzung 2018 hielt der Gemeinderat dies grundsätzlich für vorstellbar. Der Standortvorschlag vom Oktober am Schützenhaus wird von der Telekom abgelehnt, ebenso der zweite Standortvorschlag am äußeren Ende des Sportplatzes.