Satte 100.000 Euro, die einige befreundete Ehepaare beim Lotto gewonnen hatten und die für eine Kreuzfahrt gedacht waren, waren genauso schnell verspekuliert. Der Versuch, diese über einen Wettbewerb für Laienspieler wieder zu ergattern und damit die Kreuzfahrt zu retten, schien von vornherein zum Scheitern verurteilt. Aber Wunder gibt es bekanntlich immer wieder, und selbst wenn dann für den Wettbewerb die Theateraufführung der Nobodys völlig aus den Fugen gerät und zwischendurch auch mal auf Hohenlohisch improvisiert wird, dann ist das reiner Theaterspaß.

Ach, es soll nicht sein

Drei Ehepaare, eine anfangs ungeliebte Nachbarin und zwei Theaterexperten genügen für dieses Stück von Jasmin Leuthe. In den schönsten Farben malen sich die neureichen Ehefrauen die bevorstehende Kreuzfahrt aus, bis deren Ehemänner vom völligen Verlust der Geldanlage erfahren. Das hat Folgen: Mit dem Wellholz gibt es für Franz Pfeiffle (Dieter Kreft) eine deftige Tracht Prügel, und Vroni (Elke Dürr) und Mariele (Simone Zobel) legen durch gezielte Würfe mit Tellern und Tassen nach. „Des duad ja scho vom Ougugge wäeh“, meinen Alfred Eberle (Jörg Rossell) und Heiner Gruber (Leon Held), als sie die Blessuren auf dem Hintern ihres Freundes begutachten.

Unfreiwillig rettet die zuvor ausgegrenzte Nachbarin Frieda (Susanne Hermann) die Situation mit ihrer Schönheitskosmetik, der die resolute Mathilde (Silke Kochendörfer) und Mariele prompt nacheifern, auch wenn dabei Altöl aus der örtlichen Autowerkstatt und Scheuermilch für die Gesichtsmaske herhalten müssen. So kommt das Preisausschreiben gerade recht, und hier kommen mit Randolf von Filsenberg (brillant gespielt durch Marc Wurzinger) und der Regisseurin Clodette la Croix (Michaela Kernwein) zwei neue Personen und das Shakespeare-Drama „Romeo und Julia“ ins Spiel.

Letzte Zuflucht: der Dialekt

Beide versuchen nun, die absoluten Theaterneulinge, immer der Verzweiflung nahe, durch das Stück zu lotsen, was mehr schlecht als recht gelingt. „Des kou doch ka Sau lesen!“, so der verzweifelnde Franz Pfeiffle beim Studium des Schauspieltextes und argwöhnt, dass seine Mathilde ihn schon bei der ersten Szene vergiften würde. Aber Clo­dette lässt sich mit dem Hinweis, die Schauspieler seien „unverbraucht und frei im Geiste“ von Filsenberg nicht beirren, kann aber den Fortgang der Proben nur mit Alkohol ertragen. Nach dem für die drei Ehefrauen entwürdigenden Casting wird schließlich ausgerechnet Nachbarin Frieda für die Rolle der Julia auserkoren. Und höchst erheiternd und vergnüglich ist es für die Zuschauer zu erleben, wie die unbeholfenen Schauspieler mit ihrer Rolle überfordert sind und ihre Zuflucht im Dialekt suchen, bis auf Frieda, die ihren Rollentext brav auswendig lernt und über sich hinauswächst, auch in ihrer Persönlichkeit.

Obwohl die pingelige Regisseurin Clodette zum Schluss sagt „Das war die abgefahrenste Vorstellung, die ich je erlebt habe“, sind mit dem Preisgeld alle wieder versöhnt. Natürlich gibt es den verdienten Applaus für die Schauspieler, die sich seit Jahren kennen und daher auch mal spontan reagieren, zum Beispiel als sich Randolf von Filsenberg unters Publikum mischt und von dort „Tobi“ auf die Bühne holt. Ausgesprochen wirkungsvoll auch die perfekte Imitation französischer Attitude und Sprache von Michaela Kernwein, die alle Facetten ihrer Rolle zwischen elitärem Dünkel und purer Verzweiflung zum Ausdruck bringt. Harald Kochendörfer bedankte sich bei allen, die zum Gelingen dieses „Gemeinschaftswerkes“ beitragen, damit die Bädlesbühne auch künftig für Unterhaltung und Zusatzeinnahmen für das Familienfreibad in Hengstfeld sorgt.

Info


Weitere Aufführungen gibt es am Freitag und Samstag jeweils um 20 Uhr in der Festhalle in Hengstfeld.