Rund 1600 Essen werden täglich in der Kantine der Haller Bausparkasse ausgegeben. Auf Qualität und regionale Zulieferer legt man dort schon immer Wert, aber Gerichte aus rein regionaler Herkunft hat es dort noch nicht gegeben. Das hat sich bei den landesweiten Ernährungstagen von Montag bis Mittwoch dieser Woche geändert.

An den drei Tagen gab es jeweils ein Gericht, dessen Zutaten aus dem Gebiet der Bio-Musterregion Hohenlohe zusammengestellt worden sind. „Das ist gut angenommen worden“, sagt Uwe Hettenbach, Teamleiter Catering und Produktion der Schwäbisch Hall Facility Management GmbH, die die Kantine im Auftrag der Bausparkasse betreibt. Am Montag seien 298 Portionen Ofenkartoffeln mit winterlichem Gemüse ausgegeben worden, am Dienstag 200 Mal Bio-Schweinerücken­steak mit Beilagen und am Mittwoch 200 Teller mit einem Nudelgericht mit Putenbruststreifen.

Die Idee kommt an

„Das hat mich angelacht“, sagt Bausparkassen-Mitarbeiterin Sarah Eisele am Montag mit einem Teller Ofenkartoffeln in der Hand. „Ich fänd es gut, wenn es mehr Essen aus der Region gäbe.“ Ein weiterer Mitarbeiter, der seinen Namen nicht nennen will, ist da pragmatischer: „Ich esse eh vergetarisch und gesund. Ob die Kartoffeln jetzt aus Südamerika oder von hier kommen, ist mir aber egal.“ Er bleibt mit seiner Meinung aber die Ausnahme. Kai Wagner hat sich bewusst für das regionale Gericht entschieden. „So was muss man auf jeden Fall unterstützen“, sagt er. Und seine Kollegin Janina Rau meint: „Ich finde das super. Ich achte beim Einkauf ja auch auf Regionalität. Und dafür bin ich auch bereit, etwas mehr zu bezahlen.“

Damit erwähnt sie einen Punkt, der allen Rednern bei der offiziellen Eröffnung der landesweiten Ernährungstage im Kino der Bausparkasse wichtig war: die faire Bezahlung der Landwirte, die nachhaltig erzeugte Lebensmittel produzieren. Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU) ist aus Stuttgart zur Eröffnung nach Hall gekommen. „Wenn wir am Verbraucherverhalten etwas ändern wollen, müssen wir an die Kantinen ran“, sagte die CDU-Politikerin. Mittlerweile würden 40 Prozent der Menschen unter der Woche außer Haus essen. Um das Bewusstsein für gesunde und regionale Lebensmittel zu stärken, führe kein Weg an der Gemeinschaftsverpflegung vorbei. Vor allem dort müsse man die Menschen abholen, um beispielsweise das Ziel der Landesregierung, bis in zehn Jahren 40 Prozent mehr Bio-Lebensmittel im Land zu produzieren, zu erreichen. „Essen ist politisch“, sagte Gurr-Hirsch und erwähnte in dem Zusammenhang den Klima- und Bodenschutz und die Artenvielfalt.

„Eine gute Kantine ist Gold wert“, sagte Werner Balbach, Leiter des Landwirtschaftsamts des Landkreises Schwäbisch Hall. „Ernährung geht uns alle an.“ Er freute sich, dass die Bio-Musterregion, an der auch der Hohenlohekreis beteiligt ist, auf viele „Bio-Strukturen“ in der Region zurückgreifen kann. „Hohenlohe war schon immer ein Hotspot des ökologischen Landbaus“, so Balbach.

Produktschau in der Sparkasse

Wer regional esse, der unterstütze auch die heimische Landwirtschaft. Daran erinnerte Rudolf Bühler, Vorsitzender der Stiftung Haus der Bauern, die sich ebenfalls an der Bio-Musterregion beteiligt. Er stellte aber zum wiederholten Male klar: „Mehr Bio geht nur, wenn die Nachfrage da ist und die Preise passen.“

Vor der Kantine der Bausparkasse haben derweil Bio-Produzenten aus der Region Infostände aufgebaut. Während der drei Ernährungstage stellen sie den Sparkassen-Mitarbeitern ihre Produkte vor. „Der Käse ist einfach gut“, sagt Rudolf Eckert am Stand der Dorfkäserei Geifertshofen. „Toll, was wir hier für ein regionales Angebot haben.“ Die Aktion kommt an, es gibt auch einiges zu probieren. „Das Feedback freut mich, viele nehmen auch unsere Flyer mit“, sagt Matthias Däuber von Däubers Hof aus Braunsbach. Am letzten Tag der Ernährungstage werden die Kantinen-Köche mit seinen Bio-Nudeln auch ein Gericht zubereiten.

„Wir haben uns Gerichte überlegt, die leicht mit Produkten aus der Region gelingen. Das ist zu dieser Jahreszeit zwar schwierig, aber wir haben es hingekriegt und der Kantine vorgeschlagen“, sagt Maximilian Korschinsky von der Mohrenköpfle-Gastronomie im Regionalmarkt Wolpertshausen. Er engagiert sich für das Projekt Außer-Haus-Verpflegung der Bio-Musterregion. Es sei auch ein logistisches Problem, wenn man an die Mengen denke, die eine Kantine wie die der Bausparkasse benötige. „Aber es ist machbar“, so Korschinsky.

Zufrieden ist auch Uwe Hettenbach. „Wir überlegen jetzt, wie wir dauerhaft einmal die Woche ein regionales Gericht anbieten können“, so der Catering-Experte. Das Gericht werde dann übrigens ganz bewusst mit „regional“ bezeichnet und nicht mit Bio – obwohl ausschließlich Bio-Zutaten verwendet werden. „Eine Bio-Zertifizierung für eine Großkantine werden Sie nicht so leicht bekommen“, erklärt er. Dafür müssten leider viel zu viele Auflagen erfüllt werden.