Es ist eine kleine Sensation: Eine neue Stiftung soll der Erforschung der Geschichte von Unterregenbach (siehe Info) ungeahnten Schub verleihen. Zu verdanken ist dies dem Stuttgarter Ex-Verleger Christian Neuber, der vor zehn Jahren zufällig in das Dorf kam – und sofort „eine große Leidenschaft und Liebe“ entwickelte, wie er sagt. Deshalb gibt Neuber 200.000 Euro aus seinem Privatvermögen in die Stiftung und hofft auf heimatverbundene Hohenloher aus Wirtschaft und Gesellschaft, die ebenfalls spenden und zustiften. Ziel ist es, aus der in die Jahre gekommenen Ausstellung in der alten Schule ein hochmodernes Museum zu machen und neue Erkenntnisse zutage zu fördern. Es handelt sich um eine Verbrauchsstiftung. Das heißt: Das Geld kann tatsächlich verwendet werden.

Wilhelm im Glück

Für Hans-Jörg Wilhelm ist das ein großes Glück. Hauptberuflich ist er Schaumwein-Produzent, aber kaum ein Tag vergeht, an dem er nicht ehrenamtlich in die Vergangenheit blickt. Er führt seit zehn Jahren Gruppen durch die berühmte Krypta und die archäologische Schau, wirbt beim Landesamt für Denkmalschutz für die Unterregenbacher Sache, ersinnt Theorien zu dem, was sich einst an diesem Flecken im Jagsttal zugetragen haben könnte. Es ist eine große Leidenschaft – und doch: „Just an dem Sonntag, an dem Christian Neuber mich vor einem Jahr anrief, habe ich mein Leben auf die Waagschale gelegt. Ich war sehr bereit, irgendetwas zu verändern.“ Gar Unterregenbach hinter sich zu lassen? Egal, jetzt sind die Vorzeichen andere.

Neuber hat etwas Großes ins Rollen gebracht – mit einer Begeisterung, die sich auch im Pressegespräch am Donnerstag zeigte: Es gehe hier um „eine der größten Kostbarkeiten, die die Archäologie in Baden-Württemberg zu bieten hat“, ist er überzeugt. Um kaum ein Projekt rankten sich so viele Rätsel und Geheimnisse. „Das macht es für einen Stifter interessant“, so Neuber. Der 69-Jährige kommt aus Stuttgart und lebt seit einem halben Jahr in Schwäbisch Hall. Nach einem Studium der Betriebswirtschaft war er im Marketing der Firma Dr. Oetker tätig – von Toronto aus verantwortete er das Nordamerikageschäft. Später wechselte er ins Verlagswesen. Großen Erfolg hatte er als Verleger von Kindermagazinen mit Spielzeug-Beigaben. Dafür kooperierte er mit Playmobil und Lego, ehe er das Geschäft an den Verlagsriesen Burda verkaufte. Anschließend gründete er eine Stiftung, mit der er Kinder in Deutschland, Südafrika und Namibia fördert. Jetzt kommt die Unterregenbach-Stiftung dazu.

Beirat hochkarätig besetzt

Der Stiftungsbeirat hat sich am Donnerstag zum ersten Mal getroffen. Ihm gehören neben Wilhelm und dem Langenburger Bürgermeister Wolfgang Class hochrangige Persönlichkeiten an: Dr. Nina Willburger, die Leiterin der Fachabteilung Archäologie im württembergischen Landesmuseum, Dr. Jonathan Scheschkewitz, stellvertretender Referatsleiter im Landesamt für Denkmalpflege, der Crailsheimer Historiker Dr. Dr. Gerhard Seibold, der Ellwanger Steuerberater, Rechtsanwalt und Wirtschaftsprüfer Prof. Dr. Raimund Baumann – sowie Lars Bleher: Der Architekturprofessor ist Mehrheitsgesellschafter beim Atelier Markgraph, einem international tätigen Designbüro, das unter anderem auf digital-analoge Raumgestaltung in Museen spezialisiert ist.

Neuber verspricht: „Aus dem Schulhaus, das ein Schattendasein führt, wird ein Juwel werden.“ Er will in Unterregenbach der breiten Öffentlichkeit, vor allem Kindern, die Faszination Archäologie näherbringen. Wilhelm versichert indes, dass das Dorf „niemals Disney World wird“. Alles werde „in Einklang mit den Einwohnern geschehen“.

Unterdessen plant auch das Landesamt für Denkmalpflege neue Untersuchungen im Jagsttal – hochspannende Zeiten für Freunde des „Rätsels von Unterregenbach“.

Hintergrund: „Das Rätsel von Unterregenbach“


Archäologische Funde rund um die Dorfkirche St. Veit legen nahe, dass sich in Unterregenbach im Frühmittelalter ein religiöses Zentrum befunden haben muss. Nach heutigen Erkenntnissen befand sich dort die damals größte Kirche in Württemberg. Von dieser großen Basilika zeugen heute noch die erhaltene Krypta unter dem Pfarrhaus sowie Mauerreste im Pfarrgarten. Trotz eingehender wissenschaftlicher Analysen sind viele Fragen zu Entstehung und Niedergang des Ortes ungeklärt.