Oberrot / Andreas Balko  Uhr
Die Zukunft des historischen Freien Adelssitzes in Oberrot ist gesichert. Maria Fassbender überstellt ihr Elternhaus in die Obhut der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Der Förderverein wird aufgelöst.

Dicht an dicht drängen sich die Menschen im Erdgeschoss des Freien Adelssitzes in Oberrot. Manche sitzen auf Treppenstufen oder stehen am Rand, da sie keinen Sitzplatz gefunden haben. Maria Fassbender hat zum Sommerfest eingeladen, das seit 2007 jedes Jahr stattfindet und stets gut besucht ist. Diesmal scheint der Andrang besonders groß zu sein, denn eine „besondere Überraschung“ war angekündigt.

Mit viel Herzblut am Werk

Musikalisch umrahmt wird die Eröffnung des Sommerfests am Akkordeon von der 88-jährigen Liesel Plehn mit Wiener Melodien. Traudl Hirschauer, freiberufliche Dozentin und Trainerin für Rhetorik und Kommunikation, trägt Gedichte vor. Maria Fassbender, die mit großem persönlichen Einsatz und schier unendlicher Energie ihr Elternhaus in Oberrot renoviert und zu einem schmucken privaten Museum umgestaltet hat, lässt vor den Besuchern noch einmal die Ereignisse der zurückliegenden Jahre Revue passieren.

Die Sparkasse Ulm hat sich mit den Eigentümern in der Steinle-Immobilie geeinigt. Einer Neubebauung im Herbst steht nichts mehr im Weg.

Dank an alle Beteiligten

Bereits während der Renovierungsarbeiten gab es das erste Sommerfest. Am „Tag des offenen Denkmals“ 2008 konnte das renovierte Gebäude der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Im Lauf der Jahre hat Maria Fassbender eine umfangreiche Sammlung an Möbeln, Kleidern, Bildern und Büchern zusammengetragen sowie Schaustücke, die zwei Jahrtausende europäischer Medizingeschichte dokumentieren. Ein liebevoll gestalteter Kräutergarten ergänzt das Ganze.

Bis heute gab es mehr als 50 Veranstaltungen und sieben Sonderausstellungen in dem Baudenkmal, das lange Jahre als ehemaliger Fruchtkasten galt. Bei allen Unterstützern und Sponsoren sowie ihrem Team bedankt sich die rührige und profunde Geschichtskennerin und räumt ein, dass der Einsatz für das Haus sie immer wieder an die Grenzen ihrer Kräfte gebracht habe. Oftmals sei sie auf die Knie gegangen und habe gesagt: „Lieber Gott, ich kann nicht mehr.“ Sie danke dem Herrgott, dass er ihr immer wieder Kraft gegeben habe.

Ihre Helferinnen und sie seien nun aber in die Jahre gekommen, meint die 80-Jährige. Deshalb habe sie sich viele Gedanken gemacht, wie das Kulturdenkmal für die Zukunft gesichert werden könne. Sie sei zu dem Schluss gekommen, dass die beste Lösung darin besteht, das Gebäude in die Obhut der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zu geben.

Die Besitzerin des Gestüts hatte nach dem Kauf des verfallenen Hofs den Wiederaufbau von Torbogen und Mauer angekündigt.

Dokumente übergeben

Der Förderverein werde noch in diesem Jahr aufgelöst. Die notariellen Dokumente übergibt Maria Fassbender nun feierlich an Gisela Lasartzyk, die als Leiterin des Ortskuratoriums der Stiftung anwesend ist. Sie ist zum ersten Mal im Freien Adelssitz und ist sichtlich beeindruckt: „Ich muss meine ganz große Hochachtung aussprechen für das, was Sie hier geschaffen haben!“ Sie sichert zu, dass sich die treuhänderische Stiftung, die das Gebäude nun unter ihr Dach nimmt, dauerhaft für das Denkmal einsetzt, es pflegt und auch dafür sorgt, dass es besucht wird.

„Es darf nicht in den Dornröschenschlaf zurückfallen. Es ist wichtig, dass Veranstaltungen und Führungen sind“, beteuert sie. Sie werde sich auch persönlich dafür einsetzen, dass im Magazin „Monumente“, das die Denkmalstiftung herausgibt, ein Bericht über das Haus kommt. Mit lang anhaltendem Applaus reagiert das Publikum auf die Übergabe. Offenbar sind alle erleichtert, dass damit die Zukunft des historisch wertvollen Anwesens gesichert ist. Nach weiteren Melodien und Gedichten ist der offizielle Teil beendet. Bei Wiener Musik von alten Schallplatten, Kaffee, Kuchen und Schnitzelwecken kann man den schönen Sommernachmittag in eindrucksvollem Ambiente ausklingen lassen.

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