Neue Schallplatte „Annaweech“ auf dem Highway to Hilde

Geballte Faust im Kochertal: das Cover der neuen Platte.
Geballte Faust im Kochertal: das Cover der neuen Platte. © Foto: privat
Crailsheim/Forchtenberg / Sebastian Unbehauen 20.12.2018
Die Mundartband „Annaweech“ erfüllt sich zu Weihnachten selbst einen lang gehegten Wunsch und bringt „Hohaloher Rillarock“ auf Vinyl heraus.

Es ist nicht zwangsläufig unbequem, in einem Schubläddele zu stecken. Man kann, man könnte es sich darin ganz gut einrichten. „Annaweech“ etwa, die fünf musizierenden Mannsbilder aus dem Kochertal, haben ihren Hit „Hohaloher Land“, der die spürbare Sehnsucht nach Heimat und Verwurzelung bedient, im Repertoire, sie sind damit absolut SWR-4-schunkeltauglich, sie könnten auf diesem bewährten Gaul immer weiter reiten, im gemächlichen Trab in den Hohenloher Sonnenuntergang.

Ein Herz für den Rock

Aber: „Das ist nur ein ganz kleiner Teil von uns“, sagt Molle, Frontmann der Band, der eigentlich Frank Winkler heißt. „Unser Herz schlägt im Rocktakt.“ Daran lässt das Cover der jetzt herausgekommenen „Annaweech“-­Platte nicht den Hauch eines Zweifels aufkommen: Das schaut nach Metal aus, nicht nach Maschinenring. Da sind die Musiker im Stile von 80er-Jahre-Bombast­instrumentalisten aufgemalt, da ballt sich eine Hand mit bestacheltem Gelenk zur Faust und eine andere zeigt den Gruß der Freunde schroffer Beats. Alles ironisch natürlich, aber alles auch ein bisschen echt.

Das Bild – man kann es fast schon ein Gemälde nennen – stammt von Comiczeichner Timo Würz, Geburts-Niedernhaller und Wahl-Hamburger, der schon zahlreiche Metal-Plattencover entworfen und diese auch als Buch herausgebracht hat. „Ha, ins nächste Buch will ich auch nei“, hat der Molle gesagt. Und so wird’s wohl kommen.

Da erfüllt sich dann ein kleiner Traum. Mit der jetzigen Platten-Veröffentlichung aber wird ein großer Traum wahr: „Eine Schallplatte herauszubringen geistert seit 25 Jahren durch meinen Kopf“, sagt Winkler. „Das ist eine Herzensangelegenheit, ein Wunsch, den wir uns selbst zu Weihnachten erfüllt haben.“

Weihnachtsengel Hilde

Und der Weihnachtsengel, das ist sozusagen die Hilde. Sie steht im Mittelpunkt des Covers, ihr wird gleich mit dem ersten Rocksong, der ihren Namen trägt, ein Denkmal gesetzt. Hilde ist die 83-jährige Wirtin des Herimouth-Saals in Hermuthausen bei Ingelfingen, einem Tanzlokal, in dem Generationen von Jugendlichen seit fast 50 Jahren musikalisch und darüber hinaus sozialisiert werden. „Hilde ist eine Legende“, sagt Winkler, „eine der ersten Sozialarbeiterinnen in Hohenlohe.“ Besungen werden sie und ihr Schurz mit den aufgesetzten Taschen, in denen das Wechselgeld klimpert und die Asbach-Flasche steckt.

Noch einen neuen „Annaweech“-Song gibt’s: „Oorsch­gweih“, einen Rap von fast schon Tag-am-Meer’scher Fanta-4-Entspanntheit. Darüber hinaus sind auf der Vinyl-Platte zehn weitere, bekannte Werke der Mundartmusiker versammelt, von „Bock uff Rock“ über „Liebe Triebe Hiebe“ bis hin zum „Seggl Blues“.

Ach, und hier noch ein Kaufargument: Zu jeder Schallplatte gibt’s automatisch eine CD dazu, die man auch einzeln kaufen kann. Aber genug der Werbung, denn Winkler sagt: „Uns geht es nicht ums Geldverdienen, uns geht es um den Spaß.“ Das sieht, das hört, das spürt man.

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Info

Die Schallplatte „Frieher woor alles ... Hohaloher Rillarock“ gibt es in den HT-Shops in Schwäbisch Hall und Crailsheim sowie in Hall bei Foto Porst.

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