Ilshofen / Harald Zigan  Uhr
Das Stadtparlament von Ilshofen votiert mit 15 zu 5 Stimmen für eine Umbenennung des Albert-Schüle-Wegs im Teilort Niedersteinach.

Der Name eines hochrangigen NS-Funktionärs wird künftig nicht mehr auf einem Straßenschild im Ilshofener Teilort Nieder­steinach prangen: Mit 15 zu 5 Stimmen votierte das Stadtparlament für eine Umbenennung des „Albert-Schüle-Wegs“ in „Elzhäuser Weg“. An den Kosten, die sich durch die Adressenänderung ergeben, wird sich die Stadt finanziell beteiligen.

Der Entscheidung ging monatelang eine Debatte in der Bürgerschaft voraus, nachdem im November 2018 durch einen Beitrag von Dr. Wolfgang Proske in der Buchreihe „Täter, Helfer, Trittbrettfahrer“ die herausragende Rolle des Namensgebers im „Dritten Reich“ bekannt wurde.

Der Gemeinderat von Ilshofen befasst sich am Freitag mit einer Umbenennung des Albert-Schüle-Weges in Niedersteinach.

Straße „nach Verbrecher benannt“

Albert Schüle (1890 – 1947) aus Wolfenbrück bei Oberrot fungierte als Mitglied der NSDAP, SA und SS in den Jahren von 1933 bis 1945 nicht nur als stellvertretender Landesbauernführer von Württemberg, sondern auch als Reichstagsabgeordneter. Erst im Jahr 1997 wurde die Straße in Niedersteinach auf Vorschlag des damaligen Ortschaftsrates offiziell nach dem NS-Funktionär benannt.

Die kontroverse Diskussion um den „Nazi-Weg“ spiegelte sich auch im Gemeinderat wider. Für Bürgermeister Martin Blessing stand außer Frage, dass in einer Demokratie ein Mann wie Albert Schüle auf keinen Fall per Straßenname gewürdigt werden kann, „nachdem wir jetzt wissen, wie aktiv er am NS-Regime beteiligt war.“

Den Kommunalpolitikern lag auch ein Schreiben von zwei Bürgern vor, in dem es unter anderem heißt: „Angesichts des Völkermordes, der in dem System, für das Albert Schüle gelebt hat, begangen wurde, ist es anstandslos und unverantwortlich, diese Benennung aufrechtzuerhalten.“

Zwei umstrittene Wegweiser mit dem Namen des hochrangigen NS-Funktionärs Albert Schüle wurden in Niedersteinach gestohlen.

Klare Position bezog Stadtrat Oliver Paul: „Die Stadt kann es nicht zulassen, dass eine Straße nach einem Verbrecher benannt ist.“ Er bedauerte, dass 1997 „offenbar niemand die Ämter von Schüle recherchiert hat.“ Für eine Umbenennung sprachen sich auch die Stadträte Martin Ländle („Solche Leute haben das NS-Regime gestützt“) und Karlheinz Rau („Der Weg muss umbenannt werden – etwas anderes kommt gar nicht in Frage“) aus.

Stadtrat Bernd Fischer dagegen führte ins Feld, dass 90 Prozent der Bürger in dem 40-Seelen-Dorf Niedersteinach gegen eine Umbenennung seien. „Keiner toleriert das Wirken von Albert Schüle“ und auch er lasse sich nicht in die braune Ecke schieben. Beiträge in einem Buch und in der Presse seien aber, nach 22 Jahren mit dem Straßenschild, noch lange kein Grund für eine Änderung: „Die Verwaltung drückt uns das jetzt aufs Auge – dann soll die Stadt auch alle Kosten tragen.“

Bernd Fischer wies zudem darauf hin, dass Albert Schüle in Niedersteinach nie einen Hof besessen hat, wie es auch in dieser Zeitung irrtümlich hieß. Vermutlich war es die Ansiedlung von Landwirten ab dem Jahr 1933, die den NS-Funktionär in Niedersteinach, neben seinen Ämtern, zu einer prominenten Person machte.

Gegen eine Umbenennung sprach sich auch Stadträtin Claudia Freimüller aus: „Wir können nicht immer wieder für unsere Vorfahren verantwortlich gemacht werden.“

Bürgermeister Martin Blessing hatte dem Gremium für die Umbenennung den althergebrachten Namen „Hofweg“ vorgeschlagen. Der Ortschaftsrat hatte dagegen zuvor für den künftigen Straßennamen „Elzhäuser Weg“ votiert, der letztlich mit 16 zu 4 Stimmen eine deutliche Mehrheit im Stadtparlament fand.

Albert Schüle aus Oberrot war Bauernfunktionär, August Häfner mitverantwortlich für Massenmord.

Stadt gewährt Zuschuss

Auf einen Antrag von Stadtrat Klaus Fischer hin, der mit 14 zu 6 Stimmen vom Gremium akzeptiert wurde, übernimmt die Stadt auf Nachweis die Sachkosten für Adressenänderungen und weitere Umstellungen bis zu einem Betrag von jeweils 100 Euro für rund ein Dutzend Privathaushalte und 1000 Euro für sechs Gewerbebetriebe in Niedersteinach, zeitlich begrenzt bis zum 30. September 2019.

Ursprünglich hatte das Rathaus einen Betrag von 50 beziehungsweise 300 Euro für diesen Zweck vorgeschlagen.

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