Gaildorf / Klaus Rieder Weniger Kapazität, doch nicht alle Bahnhöfe, Fahrtenden in Bad Cannstatt: Die neuen Züge enttäuschen doch ein bisschen.

Mit großen Hoffnungen waren die Angebotsumstellungen auf der Murrbahn in den vergangenen Jahren verbunden. Bis zum Frühjahr 2017 „erfolgt eine komplette Umstellung auf Doppelstockwagen (teilweise klimatisiert). Somit wird sich der Reisekomfort deutlich verbessern.“ Diese, in einem Hochglanzprospekt von Land und Bahn im Jahr 2016 gedruckte Ankündigung machte Hoffnungen für Bahnreisende und Pendler auf der Murrbahn in Richtung Stuttgart.

Die Aufwertung der Murrbahn muss mit dem Bau eines zweiten Gleises erfolgen, sagt Bürgermeister Frank Zimmermann.

Doch nicht alle Züge zwischen Stuttgart und Nürnberg wurden auf die damals schon bis zu 20 Jahre alten Wagen umgestellt. Eine Zuggarnitur besteht weiterhin aus den doppelt so alten Silberlingen, so dass jeder für sich entscheiden konnte, ob die Umstellung tatsächlich eine Verbesserung war. Auch mit der Einführung der im Landesdesign gehaltenen Triebwagen im Dezember 2017 auf der Relation Stuttgart-Hessental wurden Hoffnungen auf Verbesserungen verbunden. Zumindest eine wurde enttäuscht: Viel Platz wurde versprochen. Ein Triebwagen bietet 215 Sitzplätze. Mehr als zwei können nicht gekoppelt werden. Die bisher verkehrenden Züge boten aber knapp 500 Plätze und so wird es heute mitunter sehr eng.

Nun steht im Dezember der nächste Wechsel auf der Murrbahn an. Die Doppelstockzüge der Deutschen Bahn rollen auf das Abstellgleis, es kommen die neuen Triebwagen des britischen Unternehmens Go-Ahead, das im September 2017 den Zuschlag für den Betrieb des Netzes 3a „Murrbahn“ (Stuttgart-Hessental-Nürnberg) erhalten hat. Triebwagen sollen die mit einer Lokomotive bespannten Doppelstockwagen ersetzen. Mit diesen „sprintstarken Triebwagen“, so war auf den Sitzungen des Murrtalverkehrsverbandes stets zu vernehmen, könnten auch wieder die Bahnhöfe in Fichtenberg und Fornsbach von allen Zügen bedient werden.

Halte mit neuen Triebwagen nicht möglich

Nun scheint es sich wohl aber abzuzeichnen, dass auch mit den neuen Triebwagen diese Halte nicht möglich sind. Die neuen Züge können zwar schneller beschleunigen, dieser Zeitgewinn geht aber beim Ein- und Ausfahren der Spaltüberbrückungen und Schiebetritte an den Einstiegen wieder verloren.

Auch sonst dürfte der Fahrplanwechsel im Dezember nicht ganz reibungslos über die Bühne gehen. Bei der Fahrplankonferenz im Februar in Heilbronn  konnten keine Entwürfe vorgelegt werden, wie es ab Dezember auf der Murrbahn laufen soll. Die Nahverkehrsgesellschaft des Landes will jetzt bis April oder Mai erste Entwürfe vorlegen, Go-Ahead nannte Termine für die neuen Fahrpläne gar erst im Herbst. Für die Planer ist klar, dass dies viel zu spät ist, um die Busverkehre zum Beispiel ab dem Gaildorfer Westbahnhof sinnvoll abzustimmen. Da ist es nicht unerheblich, ob ein Zug zur Minute 30 oder 35 abfährt. Und was noch schlimmer wiegt: Anscheinend hat niemand eine Lösung, wie dies in Zukunft verbessert werden kann. Und noch eine weitere Sorge treibt die Planer offensichtlich um: Durch das auf anderen Strecken erweiterte Angebot hat Go-Ahead schon angekündigt, dass ihre Züge aus Göppingen/Geislingen voraussichtlich alle zwei Stunden bereits in Bad Cannstatt enden und nicht mehr bis zum Hauptbahnhof verkehren. Schon jetzt scheint sich abzuzeichnen, dass allein mit den neuen Zügen nicht alles besser wird, sondern dass die Kapazitätsprobleme – und damit auch mögliche Verspätungen – nicht geringer werden.

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Flirt XL statt Doppelstock

Die Betriebsaufnahme auf der Murrbahn durch Go-Ahead erfolgt zum Fahrplanwechsel ab Mitte Dezember 2019. Dieser Verkehrsvertrag läuft 13 Jahre bis Ende 2032.

Zum Einsatz kommen dreiteilige Triebwagen des Schienen-Personennahverkehrs vom Typ FLIRT der Schweizer Firma Stadler. Es gibt 202 Sitzplätze (1. Klasse: 8).

In Stoßzeiten sollen zwei „Flirt“ gekoppelt werden. Die bisher verkehrenden Doppelstockzüge der Deutschen Bahn haben rund 475 Plätze in der 2. Klasse (1. Klasse: 25).