Die Kürzel der neuen Auszeichnung SOR und SMC lesen sich ja fast wie ein Virus. Nur in diesem Fall wäre es wünschenswert, wenn sich der Gedanke genauso virulent verbreitet“, witzelte Schulleiter Jochen Uhrhahn, als er am vergangenen Freitag die neue Auszeichnung „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ für das Gymnasium Gerabronn in der Stadthalle entgegennahm. Gerne hätte er, wie er sagte, das Programm feierlich im Rahmen der sonst üblichen Abschlusshocketse mit Pauken, Trompeten und vor allem allen Schülern gemeinsam abgehalten.
Doch die Sicherheitsauflagen ließen nur wenig Publikum zu. So blieb es den jeweiligen Klassensprechern und ihren Vertretern sowie den Initiatoren für die Auszeichnung, Cora Meissner, Artur Graf und Angelina Erhardt vorbehalten, der Übergabe des Siegels beizuwohnen. Dafür kam Markus Schädler als Landeskoordinator des von der Kolping Berufsbildung Baden-Württemberg geförderten Netzwerks aus Stuttgart dazu.
Als Pate des Projekts ließ es sich auch der Kirchberger Bundestagsabgeordnete der Grünen, Harald Ebner, nicht nehmen, an diesem Tag dabei zu sein. „Die Menschenfeindlichkeit nimmt zu, befeuert von Akteuren von rechts aber auch von Onlinemedien, in denen vermeintlich ungehemmt gehatet werden kann. Rassismus-Prävention an Schulen ist daher besonders wichtig“, begründet der Politiker, warum er sofort einverstanden war, als ihn Cora Meissner um Unterstützung bat. „Diskriminierung fängt da an, wo Menschen aufgrund eines Merkmals ausgegrenzt werden. Manchmal sind es unbedachte Worte. Oft auch nicht. Wenn Schüler hier selbst soziale Verantwortung übernehmen und aktiv eintreten möchten, stehe ich selbstverständlich dahinter.“
Die Arbeit beginnt erst noch. „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist ein bundesweites Netzwerk, dem bereits mehr als 3000 Schulen angehören, 250 davon in Baden-Württemberg. „Die Idee beizutreten, haben wir in der Schülermitverantwortung entwickelt“, erzählt Cora Meissner. Die Bedingung zur Aufnahme, dass sich mindestens 70 Prozent aller Schüler, Lehrkräfte sowie aller anderen Mitarbeitenden per Unterschrift dazu verpflichten, gegen jede Form von Diskriminierung an ihrer Schule aktiv vorzugehen, sei innerhalb von zwei Wochen erfüllt gesewesen. Von den rund 420 Gymnasiasten haben 370 unterzeichnet.

Ein Zeichen setzen

„An unserer Schule gibt es zwar kein akutes Rassismus-Problem. Trotzdem hat sicher jeder schon Ungleichbehandlung erfahren, entweder persönlich oder irgendwie mitgekriegt“, meint die Abiturientin. Oft kämen abwertende Anspielungen als Witz daher oder seien Teil des täglichen Sprachgebrauchs, pflichtet ihr Artur Graf bei.
Corona und Schule Landkreis Schwäbisch Hall So feiern die Abiturienten und anderen Schüler ihren Abschluss

Landkreis

Dabei gehe es nicht nur um den ethnischen Hintergrund, sondern auch um Religion, soziale Herkunft, sexuelle Orientierung oder körperliche Attribute. „Deshalb wollen wir ein Zeichen entgegensetzen, aufmerksam machen und vor allem auch die Jüngeren für das Thema sensibilisieren“, erklärt Angelina Erhardt. Weil ihre beiden Teamkollegen die Schule heuer beenden, wird sich die angehende Zwölftklässlerin im kommenden Schuljahr neue Mitwirkende für das Projekt suchen müssen.
Ab September sollen ein Projekt zum Thema auf die Beine gestellt sowie Diskussionsrunden und kleinere Aktionen organisiert werden. Der Titel sei keinesfalls als Gütesiegel misszuverstehen das zeigt, dass es an einer Schule keinen Rassismus gibt, stellt Landeskoordinator Markus Schädler klar. „Es ist keine Auszeichnung für bereits Erreichtes, sondern eine Aufgabe für die Zukunft.“ Dabei gehe es nicht darum „saubere Zonen“ zu kreieren, sondern einen sinnvollen Diskurs anzuregen. Denn das neue Schild, das bald gut sichtbar am Schulgebäude des Gerabronner Gymnasiums angebracht wird, zeigt deutlich, welchen Weg die Schulgemeinschaft gewählt hat.

Seit 25 Jahren gibt es das Netzwerk


Im Jahr 1995 stellen die Schirmherren Ignatz Bubis, Zentralratsvorsitzender der Juden, und der Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen) das Projekt vor. Das Netzwerk ist auf mehr als zwei Millionen Schüler angewachsen. Die Netzwerkarbeit in Baden-Württemberg koordiniert die Kolping Berufsbildung. meb