Ich erkläre feierlich, dass ich das Grundgesetz und die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland achten und alles unterlassen werde, was der Bundesrepublik Deutschland schaden könnte.“

So lautet der Treueeid, den Radmila Stoltmann bei ihrer Einbürgerung gesprochen hat. Und so steht er auch unter dem Foto ihres Passes, das sie am 3. Dezember 2019 auf Facebook postete. 48 Likes und ein paar Kommentare bekam sie dafür.

Vor zehn Jahren gab sie die kroatische Staatsbürgerschaft auf und wurde Deutsche. Für Radmila Stoltmann hat sich durch ihre Einbürgerung ein Kreis geschlossen. Ihre Eltern sind als Gastarbeiter aus Jugoslawien nach Gerabronn gekommen. Dort wurde Radmila geboren, kam allerdings mit drei Monaten zurück nach Jugoslawien, ins Grenzgebiet zwischen dem heutigen Kroatien und Serbien, zu Onkel und Tante. Mit fünf Jahren holten die Eltern sie nach Deutschland. Aber die fremde Sprache überforderte das Kind und man brachte es wieder zur Verwandtschaft.

Ihre Einbürgerung ließ lange auf sich warten

Mit 15 Jahren dann ein erneuter Versuch bei den Eltern, die mittlerweile in Heilbronn lebten. In Jugoslawien war das Mädchen eine sehr gute Schülerin, in Deutschland, ohne Sprachkenntnisse, erst mal überfordert. Dennoch fand sie es „total cool“, weil die Klassenkameraden so lässig waren. Bei ihnen in der Heimat musste man stramm stehen wenn der Lehrer den Raum betrat. Fehler ärgerten das Mädchen nicht sondern forderten es heraus. Wenn man Radmila Stoltmann kritisierte, sagte sie innerlich: „Dir zeig ich es!“.

Nach ihrer kaufmännischen Ausbildung begann sie in der Haller Volkshochschule, wo sie bis heute im Bereich Finanzen und Datenschutz arbeitet. Dass sie dort gelandet ist, ebnete ihren Weg. „Demokratieschmiede“ nennt sie die VHS. „Mein Interesse an Deutschland und Politik ist fast täglich gewachsen.“ Mit Marcel Miara, Geschäftsführer der Volkshochschule, verbindet sie eine Freundschaft und er ist häufig ihr Diskussions- und Gesprächspartner. Der lacht bei der Erinnerung daran, wie seine Mitarbeiterin am 3. Dezember 2009 durch den Flur lief und jedem erzählte, dass sie seit diesem Tag Deutsche sei und den neuen Pass jedem unter die Nase hielt und „Ihr müsst euch mehr freuen!“ verlangte.

Radmila Stoltmann hat sich schon Jahre zuvor mit dem Gedanken beschäftigt sich einbürgern zu lassen. Aber solang der Krieg im damaligen Jugoslawien herrschte, machte die Verwaltungslage diesen Prozess sehr schwierig. Und auch danach mahlten die bürokratischen Mühlen langsam.

Radmila Stoltmann macht sich Sorgen um den zunehmenden Populismus

Deutschlands Rechtsstaat begeistert die 47-Jährige. „Die Deutschen schätzen gar nicht hoch genug, welchen Schatz sie da in den Händen tragen. Das ist nicht selbstverständlich.“ Sorge bereitet ihr die zunehmende Zahl an Populisten. „Wir dürfen uns den Schatz nicht aus den Händen nehmen lassen.“ Die Frau, die seit kurzem stellvertretende Kreisvorsitzende der CDU ist, schwärmt von der Schaffung Europas. Jemand der gesehen hat, wie ein Staat – Jugoslawien – zerfällt, betont den Zusammenhalt und die Europäische Union als einen Garant für Frieden.

So ernst und energisch die Frau mit den rappelkurzen Haaren sein kann, so nahbar und fröhlich wirkt sie auf der anderen Seite. Ihre Mission ist: Brücken zu schlagen zwischen den Kulturen.

Engagiert in politischen Ämtern


Radmila Stoltmann wuchs im ehemaligen Jugoslawien auf. Nach der Spaltung des Staates war sie laut Pass Kroatin. Mit 15 Jahren kamen sie und ihr jüngerer Bruder zu den Eltern nach Heilbronn. Nach einer kaufmännischen Ausbildung begann sie, inzwischen nach Crailsheim gezogen, bei der Volkshochschule in Hall und ist dort bis heute im Bereich Finanzen und Datenschutz beschäftigt. Nebenberuflich arbeitet sie seit vielen Jahren als Sprachmittlerin bei der Justiz und ist Schöffin bei Gericht. Sie ist stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende und Vorsitzende des Arbeitskreises Polizei. Außerdem ist sie Vorsitzende im Partnerschaftsgremium des Regierungspräsidiums und der Autonomen Provinz Vojvodina/Republik Serbien. Die 47-Jährige ist in zweiter Ehe verheiratet und hat aus erster Ehe eine Tochter. Wenn sie mit Freunden grillt, gibt es oft Cevapcici, aber darauf möchte sie nicht reduziert werden. Sie liebt auch die schwäbische Küche. sasch