Wenn die ganze Gemeinde das 875-jährige Bestehen Wallhausens feiert, darf die Synagoge im Teilort Michelbach/Lücke nicht fehlen, die ja nur bestehen kann, weil sich diese Gemeinde zu ihr bekennt. Mit der Synagogenöffnung zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag war ein historischer Abend verbunden, mit dem das jüdische Leben in Hohenlohe gefeiert und des Schicksals der Gemeindemitglieder gedacht wurde.

Wallhausen

In einer der ältesten noch erhaltenen Synagogen Württembergs konnte der Förderverein Synagoge Michelbach, der den Abend ausrichtete, bei seinem historischen Abriss aus dem Vollen schöpfen. Für Pfarrer Dieter Kleinhanß, früherer Ortsvorsteher, waren der jüdisch-christliche Dialog und die Vermittlung von Kenntnissen über das Judentum immer wichtig: Aus diesem Geist heraus wurde er 1977 Mitbegründer und erster Vorsitzender des Fördervereins. Er freute sich am Sonntag ebenso über die gute Entwicklung der Synagoge, etwa über den mit neuen Stühlen ausgestatteten Versammlungsraum, wie der ehemalige Hengstfelder Pfarrer Bernhard Ritter, der dem Verein ebenfalls vorgestanden hat. Ritters Nachfolger in beiden Ämtern, Pfarrer Markus Hammer, führte gemeinsam mit der Wallhausener Bürgermeisterin Rita Behr-Martin ins Thema ein. Auch Behr-Martins Stellvertreter Manfred Schall, Ortsvorsteherin Ute Mack und Sigrid Schmetzer-Jäger beteiligten sich. Herzlich begrüßt wurde Horst Eichberg, Sohn des Viehhändlers Moritz Eichberg, der nach der Befreiung aus dem Konzentrationslager nach Michelbach zurückgekehrt war.

Historischer Abriss

Der historische Teil des Abend führte zurück ins Jahr 70 nach  Christus und zur Zerstörung des jüdischen Tempels, die mit einer  Identitätskrise der Menschen jüdischen Glaubens verbunden war. Das alleinige Heiligtum in Jerusalem gab es nicht mehr; so Pfarrer Hammer: Glaubensort wurden die Juden selbst.

Susanne Dippon erzählte vom schwierigen Leben der Juden, die lange vor dem Dritten Reich verfolgt wurden, „auch weil Christen nicht verstehen konnten, dass Juden Jesus Christus nicht als Messias annehmen konnten“. Immer wieder wurde ein jüdisches Feindbild aufgebaut – mit dem traurigen Tiefpunkt des Holocausts. Leider, so Dippon, gebe es heute wieder Antisemitismus im Land: „Wir brauchen den Frieden Gottes.“ Spontan hat da ein Gast ein Lied über den Frieden Gottes auf Hebräisch gesungen, „das unter die Haut ging“, wie es im Publikum hieß: Ein „Gänsehautmoment“ sei’s gewesen. ­Akkordeon, Klarinette und Saxofon – gespielt von Dr. Martin Burk – gaben dem Abend den passenden Rahmen.

Gemeinsamer Aufbau

Seit 1511 lebten Juden in Michelbach. Damals gab es erste Unruhen in Rothenburg und Anzeichen dafür, dass es zu einem Pogrom kommen könnte, was 1520 auch geschah. 1757 wurde die Synagoge geweiht; etwa hundert Jahre später war ein Drittel der Bevölkerung jüdisch. Dieser Anteil nahm im Zuge der Emanzipation, die erstmals wieder ein Leben in den Städten möglich machte, kontinuierlich ab. Die Geschichte der Synagoge hat Josef Hartl erarbeitet. Seine Texte wurden von ihm selbst, von Susanne Dippon, Christel Pfänder und Martina Datzer vorgetragen.

Jüdischer Kulturpfad

Bildergalerie Jüdischer Kulturpfad

Auch Spielszenen waren vorbereitet. Maria Warkentin aus Niederstetten spielte die jüdische Mamme, der Viehhändler und sein Sohn wurden von Uli Gsell aus Hengstfeld und Jonah Kleinert aus Asbach vorgestellt, und so wurde das jüdische Leben in Hohenlohe wirklicher. Hannelore Seibold hat die Texte verfasst und auch das gemeinsame Mahl vorbereitet: Es gab koscheren Gemüse-Eintopf, Haman-Taschen, einen Strudel mit Datteln und Äpfeln nach einem israelischen Rezept, außerdem Wein aus Israel und nicht zuletzt gute Gespräche.