Schwimmrinnen zwischen Baumwipfeln Eine verrückte Idee nimmt Gestalt an

Zwischen den Wipfeln der Bäume soll die Schwimmrinne verlaufen. Auf dieser Fotomontage wird sie noch von Stelzen aus Stahl getragen, inzwischen sind jedoch Betonpfeiler geplant, die grün oder oliv angestrichen werden sollen.
Zwischen den Wipfeln der Bäume soll die Schwimmrinne verlaufen. Auf dieser Fotomontage wird sie noch von Stelzen aus Stahl getragen, inzwischen sind jedoch Betonpfeiler geplant, die grün oder oliv angestrichen werden sollen. © Foto: Grafik Büro für Gewässerökologie und Umweltberatung
Langenburg / Erwin Zoll 21.11.2018
Der Langenburger Unternehmer Wolfgang Maier ist dabei, einen phantastischen Plan zu verwirklichen. Die Gäste des Mawell-Resorts sollen zwischen Baumwipfeln schwimmen können.

Es wird ernst: Für eine Idee, die schlichtweg verrückt anmutet, hat der Langenburger Gemeinderat jetzt eine erste Weiche gestellt. Mit einem Aufstellungsbeschluss hat er die Änderung und Erweiterung des Bebauungsplans „Roseneck I und II“ eingeleitet. Der Plan soll Wolfgang Maier, dem Chef der Firma Farmbau und des Mawell-Resorts, den Bau einer Waldschwimmrinne ermöglichen, die weltweit ohne Vorbild ist.

Gleichzeitig will Maier den bestehenden Hoteltrakt erweitern und das bestehende Schwimmbad um ein Hallenbad ergänzen.

Die Idee zur Schwimmrinne ist Maier beim Gang über einen Waldwipfelpfad gekommen, wie er im Gemeinderat sagte. Seine Hotelgäste sollen, so die Vorstellung, zwischen den Wipfeln der Bäume nicht gehen, sondern schwimmen können. Der Plan, der daraus resultiert, sieht nun eine etwa 270 Meter lange Rinne aus Holz vor, die zunächst mit einer Breite von 6,50 Metern in dem Hallenbad beginnt und dann mit einer Breite von 2,50 Metern und einer Höhe von zwei Metern horizontal auf einer annähernd rechteckigen Strecke über dem Abhang zum Jagsttal durch die Bäume zurück zum Hallenbad führt. Das Wasser soll in eine leichte Strömung versetzt werden, durch die sich alle Badegäste in dieselbe Richtung bewegen werden.

Getragen wird die Rinne von Betonsäulen mit einem Durchmesser von höchstens 30 Zentimetern, die grün oder oliv gestrichen werden sollen. An den am weitesten vom Hallenbad entfernten Stellen soll die Rinne in einer Höhe von 30 Metern über dem Waldboden verlaufen.

Die Rinne ist mit Tanks im Hallenbadtrakt verbunden, in die das Wasser am Abend abgelassen wird, damit es während der Nacht nicht zu sehr abkühlt. Im Notfall kann die Rinne auf diese Weise binnen acht bis zehn Minuten entleert werden, damit Rettungskräfte trockenen Fußes zu einem Verletzten oder Erkrankten gelangen können.

Änderungen eingearbeitet

Als Stadtrat war Wolfgang Maier bei der Beratung im Gemeinderat zwar befangen, als Bauherr hatte er jedoch Gelegenheit, sein Vorhaben zu erläutern. Dabei betonte er, nach Gesprächen mit Behörden habe es mit Rücksicht auf die Umwelt bereits Änderungen an der Planung gegeben. „Wir gehen sorgsam mit der Natur um“, betonte Maier. Zu den Planunterlagen, die den Stadträten vorlagen, gehört auch ein umfangreicher Umweltbericht, in dem die Auswirkungen des Projekts auf die Tier- und Pflanzenwelt untersucht werden. Der Haller Diplom-Biologe Matthias Wolf macht darin eine Reihe von Vorschlägen, wie Beeinträchtigungen vermieden oder ausgeglichen werden können. Der 6600 Quadratmeter große Teil des Plangebiets, der für die Schwimmrinne vorgesehen ist, schließt unmittelbar an das Landschaftschutzgebiet Jagsttal an, dessen Grenze es an einer Stelle geringfügig überschreitet.

Im Langenburger Gemeinderat stieß das Projekt überwiegend auf Zustimmung, so bei Friedrich Rath, der jedoch die Begrünung der Anlage anmahnte. Dies sei schon beim Mawell-Turm vorgesehen gewesen, letztlich aber nicht umgesetzt worden. Auch Fürst Philipp unterstützte den Plan, den er als „großartig“ bezeichnete. Zu bedenken gab er allerdings, dass es auf der für die Rinne vorgesehenen Waldfläche Eschen gebe, die wegen des Eschentriebsterbens zu 90 Prozent eingehen würden. „Dann bleiben die Stützen der Rinne alleine übrig“, sagte Fürst Philipp. Auf Befragen bestätigte der Biologe Matthias Wolf, dass der Baumbestand an der Rinne zu 50 Prozent aus Eschen bestehe.

Während auch Klaus Groninger und Till Schäfer das Vorhaben befürworteten, wollte Johann Pollanka lediglich der Erweiterung des Hotels und dem Bau des Hallenbads zustimmen. Die Waldschwimmrinne dagegen bezeichnete er als einen erheblichen Eingriff in die Natur. Bei der Abstimmung stimmte Pollanka als einziger Stadtrat dagegen, alle anderen Mitglieder des Gemeinderats stimmten zu.

Infos auf dem Rathaus

Mit dem Aufstellungsbeschluss hat der Gemeinderat gleichzeitig den vorliegenden Entwurf des Bebauungsplans gebilligt. Der alte Bebauungsplan soll nun im sogenannten beschleunigten Verfahren geändert werden, zu dem die artenschutzrechtliche Prüfung gehört. Auf dem Langenburger Rathaus werden sich die Bürger über das Vorhaben informieren und sich innerhalb eines Monats dazu äußern können.

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