Kirchberg Die verlorene Burg von Kirchberg

So präsentiert sich das Schloss Kirchberg anno 2018 von oben.
So präsentiert sich das Schloss Kirchberg anno 2018 von oben. © Foto: Ufuk Arslan
Kirchberg / JENS SITAREK 12.10.2018
Die Sonderausstellung „Kirchberg – Geschichte einer Residenz“ im Sandelschen Museum widmet sich dem Schloss und dessen Baugeschichte. Zu sehen ist auch ein Modell der spätmittelalterlichen Anlage.

Das Schloss Kirchberg hat die Form eines Dreiecks, drei Höfe gliedern die Anlage: Ehrenhof, Innenhof und hinterer Schlosshof. Aber so, wie sich das ehemalige Residenzschloss der Fürsten von Hohenlohe-Kirchberg heute präsentiert, sah es nicht immer aus. Am Anfang war eine Burg, die der Ritter von Kirchberg. Die älteste Erwähnung des „castrum Kirchberg“ soll aus dem Jahr 1306 datieren.

Die Grafen und Fürsten bauten die Burg aus. 1590 wurde sie zum Renaissanceschloss, 1735 durch barocke Anlagen erweitert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss an die Innere Mission verkauft – und das Inventar wanderte ein paar Schlösser weiter nach Neuenstein.

Das Schloss Kirchberg ging später in den Besitz der Evangelischen Heimstiftung über, die es zum Altenheim umbaute. 2012 beauftragte das Landesamt für Denkmalpflege eine bauhistorische Untersuchung des Schlosses, um Aufschluss über den historischen Bestand im Hinblick auf zukünftige Baumaßnahmen zu bekommen. Hintergrund war der Auszug der Heimstiftung.

Bei dieser Untersuchung wurde deutlich, dass „der Umbau der 1950/60er-Jahre im Innern mit weitreichenden Eingriffen in die historische Bausubstanz verbunden war“, schreibt Lena Stephanie Grüner in ihrem Aufsatz „Die verlorene Burg von Kirchberg an der Jagst“, erschienen in der Zeitschrift „Denkmalpflege in Baden-Württemberg“, Ausgabe 4/2017.

Drei große Bauphasen

Grüner war für die bauhistorische Untersuchung verantwortlich – das Ganze dauerte fünf Jahre und floss in ihre Dissertation an der Fakultät für Architektur der Technischen Universität München ein. Ziel: die bauliche Entwicklung des Schlosses vom Mittelalter bis in die Neuzeit erstmals analysieren und dokumentieren. So viel sei schon mal vorab verraten: Grüner geht von drei großen Bauphasen aus.

Warum keine Ausstellung?

„Warum soll man die Erkenntnisse nicht in einer Ausstellung den Leuten zeigen?“, fragte sich Friedrich König, der Vorsitzende des Museums- und Kulturvereins Kirchberg, kurz MKV. Die Idee war geboren.

Eineinhalb Jahre habe es bis zur Umsetzung gedauert, so König. Die Ausstellung „Kirchberg – Geschichte einer Residenz“, die am Sonntag um 11 Uhr im Sandelschen Museum eröffnet wird, konzipierte der MKV natürlich mit Grüner.

Grundlage der Forschungsarbeit bildet einerseits das ab dem 14. Jahrhundert umfangreich erhaltene Archivgut, andererseits der Bau selber. Zu sehen sind Bild- und Schriftquellen aus dem Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein, Gemälde und Objekte aus dem Museumsbestand, aus Privatsammlungen, aus Dinkelsbühl und dem Museum Ulm. Zudem illustrieren Fundstücke aus dem Schloss das Archivmaterial. „Das gibt eine ganz schöne Wandbedeckung“, betont König.

Ein Modell als Highlight

Moderne Rekonstruktionszeichnungen und Pläne zeichnen die Ausbaustufen der Residenz nach und veranschaulichen die historische Entwicklung des Ortes. Ein Höhepunkt der Ausstellung ist das nach den neuesten Forschungsergebnissen erstellte Modell der spätmittelalterlichen Burganlage. Es ist vielleicht 80 mal 60 Zentimeter groß, schätzt König, dafür aber „maßstabsgetreu, bis hin zu den Kühen unten an der Jagst“.

Das Modell wurde extra für die Ausstellung von einer Münchner Modellbauwerkstatt angefertigt. Möglich war dies nur durch die finanzielle Unterstützung von Landkreisstiftung, Sparkassenstiftung und Bürgerstiftung Kirchberg.

Info

Die Sonderausstellung „Kirchberg – Geschichte einer Residenz“ im Sandelschen Museum läuft vom 14. Oktober bis 6. Januar. Sie ist jeweils sonn- und feiertags von 14 bis 17 Uhr zu sehen (außer am 24., 25. und 31. Dezember), am Eröffnungstag von 11 bis 17 Uhr. Eintritt ist frei. Führungen sind nach Vereinbarung möglich, Telefon 07954/98010.

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