Auf den baden-württembergischen Wiesen grasen immer weniger Schafe. 213.300 waren es 2017. Das sind 1500 Tiere weniger als im Jahr davor und ein Minus von 2800 im Vergleich zu 2013. Diese Zahlen präsentiert Alfons Gimbel den Mitgliedern des Schäfervereins Schwäbisch Hall-­Hohenlohe bei ihrer Versammlung im Bühlertanner Gasthaus Bären. Eine bedauerliche Entwicklung, findet der Vorsitzende des Landesschafzuchtverbandes Baden-Württemberg. Dennoch habe der Verband 2018 immerhin 15 Neuzugänge mit insgesamt 1215 Schafen verzeichnen können. 681 Herdenhalter mit 99.399 Schafen seien mittlerweile im Verband organisiert, 619 Halter mit 114.000 Schafen hätten keine Mitgliedschaft.

Mehr verkaufte Lämmer

Der Preis für Lammfleisch sei derzeit noch immer extrem niedrig. Schuld daran sei der trockene Sommer, in dem viele Züchter aufgrund von Futtermangel mehr Tiere verkaufen mussten als üblich. Für die 2021 neu beginnende Förderperiode hat der Landesverband diverse Erwartungen an die Europäische Union formuliert. So sollen Schaf- und Ziegenhaltung gezielter gefördert sowie Unterstützungen für Neueinsteiger bereitgestellt werden. Die Entbürokratisierung der GAK-­Förderung (Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes) steht ebenso auf dem Wunschzettel wie die bundeseinheitliche Einführung und gleichzeitig die Absenkung der Fleischbeschaugebühren, die Förderung der Arzneimittelforschung und die Vereinfachung der Marktzulassung von neuen Medikamenten. Um einen ermäßigten Diesel-Steuersatz für den Pkw-Einsatz zur Versorgung der Schafe und Ziegen kämpft der Verband schon lange. Imkern würde die Vergünstigung zugestanden, die Schafzüchter hätten bislang nur Abfuhren erhalten, beklagt Gimbel.

Ein Wolf in Baden-Württemberg macht den Schäfern Sorgen

Auf der Agenda des Abends darf natürlich einer nicht fehlen: Der Wolf beschäftigt die Schafhalter in Baden-Württemberg, obwohl im Bundesland bislang nur ein einziges der Raubtiere offiziell beheimatet ist. Betrachte man allerdings den Schaden, den der Einzelgänger bereits angerichtet habe, sei das in Hinblick auf das erwartbare Anwachsen der Population sehr bedenklich, so der Verbandsvorsitzende. Allein in Bad Wildbad verursachte der Wolf mit der Bezeichnung GW852m den Tod von 44 Schafen. Das letzte Mal schlug er Anfang September 2018 im Landkreis Rastatt zu, wo er zwei Schafe riss. Seither sei es erstaunlich ruhig um diesen Wolf geworden.

Regionen Hall und Hohenlohe sind bisher keine Wolfsgbiete

In mehreren Fällen habe der Räuber über einen Bach in eine Herde eindringen können. Darum bittet Gimbel die anwesenden 30 Schäfer, ihre Herden stets rundum zu sichern. Bislang seien die Regionen Schwäbisch Hall und Hohenlohe allerdings noch keine ausgewiesenen Wolfsgebiete. Nur in solchen sind aufwendige Schutzmaßnahmen Pflicht und Voraussetzung für Schadenausgleichszahlungen im Ernstfall.

Die Höhe der Umzäunungen richte sich nach der Intensität der Bedrohung. So würden gemäß seinen Recherchen die Schäfer in Slowenien zum Schutz ihrer Herden bereits 1,70 Meter hohe Zäune errichten. In Schwäbisch Hall-­Hohenlohe sind bislang 90 Zentimeter ausreichend, im Nordschwarzwald, wo Isegrim GW852m wohnt, müssen es 1,20 Meter sein. „Ein Wolf, der einen 1,20 Meter hohen Zaun überwindet, hat bei uns keine Zukunft, da werden wir als Verband dagegen vorgehen“, verspricht Gimbel.

Land deckt Kosten für Wolfs-Abwehr-Maßnahmen

Die Kosten für direkte und indirekte Vorsorgemaßnahmen gegen Risse von Weidetieren sowie entstandene Schäden würden vom Land Baden-Württemberg zu 100 Prozent ersetzt. Die Ausbildung und der Unterhalt von Herdenschutzhunden werde jedoch nur in ausgewiesenen Wolfsgebieten gefördert.

Der Nabu prüfe derzeit neue Abwehrmaßnahmen wie Kameras und Geräte mit GPS-Über­wachung, elektrifizierte Gummimatten, Ultraschall oder Schafhalsbänder, die zu blinken beginnen, sobald das Tier stark nervöse Reaktionen zeige. Einen hundertprozentigen Schutz könne es jedoch nicht geben, ist der Fachmann sicher.

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