Der Wilde Westen, wie man ihn aus Filmen mit John Wayne und Co. kennt, liegt im Osten von Schrozberg: Wie einst auf den unendlichen Weiten der nordamerikanischen Prärie grasen unweit des Weilers Standorf mächtige Bisons gemächlich auf einer über zwei Hektar großen Weide.

Allein durch Mundpropaganda haben sich die urwüchsigen Tiere in den letzten Jahren zu einer vielbesuchten Attraktion in der Landwehr gemausert. Katrin und Joachim Humpfer planen jetzt einen Lehrpfad rund um ihre vierbeinigen Raritäten.

Seit zwei Jahren zählen zu dem Bauernhof der Familie Humpfer, die ihre Wurzeln in dem Dorf bis ins Jahr 1735 zurückverfolgen kann, nicht nur Milchvieh, Trakehner und eine Biogasanlage: Fünf Bisonkühe aus der Eifel und ein „geleaster“ Bulle bildeten den Grundstock für die Zucht dieser eindrucksvollen Tiere, von denen es in Deutschland gerade mal 1000 Exemplare gibt.

Schwäbisch Hall

Rücksicht auf die Tiere

„Die Bisons ziehen mittlerweile viele Leute an“, sagte Joachim Humpfer bei der Vorstellung ­seines Lehrpfad-Projektes im Schrozberger Gemeinderat. Um das Interesse in geordnete Bahnen zu lenken, soll der „Hohenloher Prärie-Trail“ nicht nur gute Aussichten auf die Bisons bieten, sondern auch für Ruhezonen bei den Tieren sorgen – was vor ­allem in den Zeiten der Brunft und der Geburt des Nachwuchses überaus wichtig ist.

Info-Tafeln sollen nicht nur die Bisons in den Blickpunkt rücken: Auch Themen wie heimische Fauna und Flora, die Jagd, die Landwirtschaft nebst Viehhaltung, die Welt der Bienen und das Höhlensystem der benachbarten Schandtauber stehen bei den Humpfers auf der Agenda. Abgerundet wird das Projekt durch eine Grillhütte mit Spielmöglichkeiten für die kleinen Besucher und einer Aussichtsplattform.

Der Lehrpfad rings um die Bisonweide in Standorf kostet geschätzt rund 50.000 Euro. Die Familie Humpfer wird eine Förderung durch das Leader-Programm beantragen. Falls das Projekt zum Zuge kommt, fließen maximal 40 Prozent aus dieser Zuschussquelle.

Wohlgefallen im Gremium

Beteiligt sich aber die Kommune mit einer Ko-Finanzierung, steigt der Fördersatz auf bis zu 60 Prozent, wovon dann in diesem günstigsten Fall aus den EU-Kassen rund 18.000 Euro und von der Stadt Schrozberg 12.000 Euro stammen würden.

Das Vorhaben fiel im Schrozberger Stadtparlament durchweg auf Wohlge­fallen. Auch Bürgermeisterin Jacqueline Förderer war von dem „Hohenloher Prärie-Trail“ (mit dem Namen ist Joachim Humpfer noch nicht so ganz zufrieden, für weitere Namensvorschläge ist er offen) sehr angetan. Einstimmig votierte das Gremium dafür, das Projekt finanziell zu unterstützen. Falls das Standorfer Projekt beim Leader-­Programm nicht zum Zug kommt, werden die Pläne allerdings nicht in der Schublade verschwinden: „Wir haben vor, den Trail dann in einem kleineren Rahmen zu ­realisieren“, sagte Joachim Humpfer.

Rein betriebswirtschaftlich gesehen sei die Sache freilich nicht sehr sinnvoll – „aber es macht viel Spaß“, sagte der Landwirt.

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