Wer eine Antwort auf die Frage sucht, wie viele Menschen im Landkreis Schwäbisch Hall mit dem Coronavirus infiziert sind, muss mit einer schwammigen Antwort rechnen. Für den 2. April spricht das Sozialministerium Baden-Württemberg von 422 Infizierten. Das Robert-Koch-Institut (RKI) sagt, 427 seien am Virus erkrankt. Dieser Unterschied ist nicht groß – die Zahlen helfen, um sich zu orientieren.

Landkreis Schwäbisch Hall

Wer dann allerdings beim Landratsamt Schwäbisch Hall nachsieht, stößt auf eine Zahl in einer anderen Dimension: Für den selben Tag zählt das Amt 582 Infizierte – 160 mehr als das Sozialministerium. Damit stöße Schwäbisch Hall auf Platz 4 der Liste des RKI mit den Kreisen der prozentual meisten Infizierten in Baden-Württemberg. Doch in dieser Statistik steht der Landkreis unter „ferner liefen“.

Landkreis Schwäbisch Hall

Landratsamt meldet auch Fälle, die nicht getestet wurden

Also ist die Zahl falsch? Nein, sie hat ihre Berechtigung. Das RKI und das Sozialministerium nehmen in ihre Statistik nur auf, wer durch einen Test nachgewiesener Corona-Infizierter ist. Das Landratsamt nimmt auch Fälle auf, die von den Ärzten gemeldet wurden, ohne getestet worden zu sein. Das teilte Marlena Merkel, Sprecherin des Amtes, auf Nachfrage von swp.de mit.
+++ Hinweis: Mittlerweile wurde die Zählweise des Landratsamtes an die des Landesgesundheitsamtes angepasst, teilte das LRA auf eine Anfrage unserer Redaktion mit. Seit Mitte Mai beträgt der Unterschied zu den Zahlen immer etwa 200. +++
Die Ärzte melden Fälle, die eine „entsprechende Symptomatik und epidemiologischen Zusammenhang haben“ – also zum Beispiel im selben Haushalt wohnen, sagt Steffen Baumgartner, auch Sprecher des Landratsamtes Schwäbisch Hall, in seiner Antwort auf unsere Nachfrage. In der Liste werden also Menschen geführt, die Symptome von Covid-19 haben und Kontaktpersonen der Kategorie I sind.
Das Gesundheitsamt behandelt diese Erkrankte wie nachweislich Infizierte. Das bedeutet: Sie müssen in Quarantäne und es werden die Menschen ermittelt, die mit diesen Personen Kontakt hatten. „Nur als Verdachtsfälle gemeldete Personen ohne Test werden routinemäßig nicht nachverfolgt.“, so Baumgärtner weiter.

Leichte Unterschiede in der Statistik ergeben sich aus unterschiedlichen Abfrage-Zeitpunkten

Bei den Todesfällen zählt auch das Landratsamt nur die nachweislich mit dem Coronavirus Infizierten. Doch auch da unterscheiden sich die Zahlen: Das Landratsamt nennt 15 Todesfälle, das RKI 14 und das Sozialministerium 13. Das liege an der elektronischen Übermittlung der Daten.
„Das Landesgesundheitsamt macht zu einem festen Stichpunkt täglich eine Abfrage aus diesen Daten, in der Regel um 14 Uhr des Folgetags“, so Baumgärtner. Das Landratsamt übermittelt seine Daten allerdings abends – und veröffentlicht auch seine Zahlen auch erst gegen 19 Uhr. Auf die gleiche Weise kommt auch der Unterschied bei den Zahlen des RKI zustande. Auch wenn also diese Zahlen alle für den 2. April gelten, bilden sie unterschiedliche Zeitpunkte ab.