Es war absehbar, dass der Regionalverband die Fläche für den geplanten Steinbruch bei Bölgental nicht über Bord werfen würde: Das 72-köpfige Gremium lehnte es bei seiner Sitzung in Gaildorf bei 13 Enthaltungen ab, das bereits seit dem Jahr 1995 als „Rohstoffsicherungsfläche“ ausgewiesene 27-Hektar-Areal aus dem Regionalplan herauszunehmen.

Die in konsequenter Umsetzung des Bürgerentscheides von der Gemeinde Satteldorf beantragte Streichung des Gebietes, käme einem „Vertrauensbruch“ gleich, der ein „falsches Signal aussenden würde“, sagte Verbandsdirektor Klaus Mandel.

Für das von der Firma Schön & Hippelein vorgesehene Areal, das auch im Einklang mit der im grün-schwarzen Koalitionsvertrag verankerten Rohstoffstrategie des Landes mit ihren kurzen Transportwegen stehe, gebe es keine bessere Alternative.

Ohnehin würde eine Herausnahme der Fläche am Rand des Jagsttales das Vorhaben nicht von vorneweg verhindern: Das immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren, das allein dem Landratsamt obliegt, könne auch ohne eine Ausweisung des Gebietes im Regionalplan gestartet werden, erklärte der Verbandsdirektor – dann aber auf einer „weißen Fläche“ ohne jegliche Einflussmöglichkeiten des Regionalverbandes.

Es sei aber noch längst nicht entschieden, unter welchen Bedingungen der Muschelkalk-­Abbau gestattet werde: „Bei dem geplanten Steinbruch in Bölgental wird zum Beispiel auch der Lkw-Verkehr von hoher Relevanz sein“, sagte Klaus Mandel. Überhaupt komme dem Schutzgut „Mensch“ eine wichtige Rolle beim Genehmigungsverfahren zu.

Vor der Abstimmung über das Areal machten sich Armin Waldbüßer (Obersulm), Claudia Kern-Kalinke (Ilshofen), Friedrich Zahn (Gaildorf) und Johannes Müllerschön (Offenau) von der Fraktion Grüne/ÖDP/Linke für einen Lokaltermin in Bölgental stark – was vom Gremium ebenfalls mit großer Mehrheit abgelehnt wurde. Müllerschön kritisierte zudem die Sitzungsvorlage als „sehr betreiberfreundlich“. Diesen Vorwurf wies der Vorsitzende Joachim Scholz entschieden zurück.

„Die Sorgen der Bürger sind nachvollziehbar“, sagte Dr. Matthias Neth (CDU), Landrat des Hohenlohekreises. Ein Verzicht auf dringend benötigte Rohstoffe sei aber „nicht angezeigt“. Ohnehin „können wir nicht überall in der Landschaft Löcher baggern“. Das immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren sei letztlich der richtige Ort für die Klärung aller Fragen. Harry Brunnet (Hardthausen) von der Fraktion Freie Wähler/FDP erklärte, dass die „Ausweisung des Gebietes richtig war und richtig ist“.

„Angebot ernst nehmen“

Annette Sawade (SPD) verwies auf die schon seit Jahrzehnten existierende Zusicherung für die Firma Schön & Hippelein zum Abbau von Muschelkalk bei Bölgental und riet dazu, das Angebot des Unternehmens, eine Umgehungsstraße für Gröningen zu bauen, „ernst zu nehmen“.

Gegenüber dem HT kritisierte Stephanie Rein-Häberlen, Vorsitzende der Bürgerinitiative gegen den Steinbruch, dass ein den Antrag der Gemeinde Satteldorf unterstützender Schriftsatz der Gruppe zu den drohenden Gefahren für Mensch und Natur bei der Sitzung des Regionalverbandes in Gaildorf mit keinem Wort erwähnt worden sei.

Das Votum des Regionalverbandes sei jedenfalls zu erwarten gewesen. „Es ist nun unseres Erachtens wichtig, dass sich die ­Gemeinde als auch die Bürgerini­tiative auf die weiteren wesentlichen Verhinderungsmöglichkeiten konzentriert und zukünftig nicht mit derartigen Anträgen Zeit vergeudet. Dies ist der deutliche Wille der Bevölkerung“, schreibt Stephanie Rein-Häberlen.

„Einmal zur Sache äußern“

Nach Ansicht des Satteldorfer Bürgermeisters Kurt Wackler sollte mit dem Antrag der Kommune auch das Thema Rohstoffe „verstärkt in die öffentliche Debatte gebracht werden“. Die Entscheidungsträger auf Landesebene „sollten sich einmal zur Sache äußern“ und eine Gemeinde in einer kleinräumigen Landschaft mit diesem Problem nicht alleine lassen. Das gelte auch für das Landratsamt als Genehmigungsbehörde.

Kurt Wackler rechnet damit, dass das Unternehmen Schön & Hippelein Anfang des nächsten Jahres den Genehmigungsantrag für den Steinbruch stellen wird. Der Wunsch der Kommune, einen Scoping-Termin mit allen beteiligten Behörden öffentlich abzuhalten, sei vom Landratsamt abgelehnt worden. Auch die Bürgerinitiative wird dann nicht mit am Tisch sitzen.

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