Die Gemeinde Fichtenau lässt das neue Grundschulgebäude (die ehemalige Hauptschule) in Unterdeufstetten umfangreich sanieren. Demnächst stehen Elektroarbeiten in den Klassenzimmern und Gruppenräumen sowie die Erneuerung des Schaltschrankes an. Ein Ingenieurbüro schrieb diese Arbeiten im Dezember vergangenen Jahres aus. Die Kostenberechnung ergab reine Baukosten von rund 161 000 Euro.

Zwölf Firmen wurden damals aufgefordert, ein Angebot abzugeben, am Ende machten zwei mit. Dies muss nicht per se ein schlechtes Zeichen sein, doch in diesem Fall ergab die Submission am 22. Januar Folgendes: Das günstigste Angebot lag bei 215.000 Euro – eine Kostenüberschreitung von mehr als 30 Prozent.

Normalerweise ist der Gemeinderat an den wirtschaftlichsten Bieter gebunden, doch er kann die Ausschreibung aufheben, wenn schwerwiegende Gründe vorliegen. Die sah das Fichtenauer Gremium in der Januar-Sitzung im konkreten Fall gegeben: eine Kostenüberschreitung von rund 33 Prozent. Zudem sind die Kosten nicht in der Finanzplanung berücksichtigt und können auch nicht durch außerplanmäßige Ausgaben gedeckt werden.

Medizinische Versorgung Verliebt in diese Räume

Fichtenau

Der Zeitplan verschiebt sich

„Wir können das Ganze nicht finanzieren“, sagt Bürgermeisterin Anja Wagemann. Unterm Strich geht es um 50.000 Euro, die die Gemeinde mehr zahlen müsste, aber nicht hat – das allein zeigt, dass der Fichtenauer Haushalt ganz schön auf Kante genäht ist.

„Wie machen wir weiter?“, fragt Ortsbaumeister Alfons Fischer und gibt die Antwort gleich selber: „Erst einmal verlieren wir Zeit.“ Die Arbeiten sollen erneut ausgeschrieben werden, und zwar mit einer erweiterten Ausführungszeit. Fischer erhofft sich davon, dass mehr Firmen mitmachen und die Kostenberechnung eingehalten wird. Was seine Hoffnung nährt: „Die Firmen, die bekanntermaßen gute Preise machen, haben kein Angebot abgegeben. Eine hat uns total falsch verstanden.“

Es gibt auch Stimmen, die das anders sehen. „Die Kosten laufen uns davon. Ich bin überzeugt, dass wir nicht billiger fahren“, sagt Gemeinderat Herbert Kaspar. „Hoffentlich geht der Schuss nicht nach hinten los.“ Sie sei zwar „kein Fan davon, den Zeitplan zu verschieben“, gibt Wagemann zu verstehen, „aber ich sehe einen Hoffnungsschimmer“.

Der Zeitplan sieht so aus: Der Umzug der Schüler von der alten in die neue Grundschule erfolgt nicht wie geplant in den Sommer-, sondern erst in den Weihnachtsferien. Davon betroffen ist auch der Allgemeinarzt Dr. Ulrich Wagner, denn der wollte dann mit seiner Praxis von der Marktstraße 10 in die alte Grundschule ziehen, die zum Gesundheits- und Gemeinschaftshaus umgebaut werden soll. Wagner könne sich mit einem späteren Umzug arrangieren, entgegnet Wagemann auf Nachfrage, unter der Voraussetzung, die Räume der Polizei nebenan in der Marktstraße so schnell wie möglich mitnutzen zu dürfen. Das war sowieso angedacht, weil der Polizeiposten nach Wildenstein umzieht. Nun dauert die Zwischenlösung halt etwas länger.

Das könnte dich auch interessieren: