Nur ein paar Klicks – und schon hat Medienreferent Uli Sailer drei Smartphones der Besucher seines Vortrags im Blaufeldener Spektrum mit seinem eigenen Smartphone gehackt. Nun könnte er sich ein wenig in der Privatsphäre der Betroffenen austoben, was er natürlich nicht macht. Aber damit zeigt er, wie einfach es Kriminelle in den meisten Fällen haben. Passwörter, Benutzernamen und Konten sind sehr häufig nur unzureichend geschützt.

Einfacher Trick, große Wirkung

Wie das Hacken geht? Eigentlich ganz leicht. „Ich eröffne mit meinem eigenen Smartphone einen Hotspot, den ich umbenenne. Dem gebe ich einen gängigen Namen, beispielsweise Telekom. Darauf fallen die meisten Smartphones schon herein.“ Wenn das WLAN eines anderen Geräts aktiviert ist, verbindet sich das Smartphone automatisch mit dem Hotspot – und schon hat Sailer dank einer App Zugriff auf das fremde Gerät. Eine mögliche Folge: Die abgegriffenen Daten könnten beispielsweise weiterverkauft werden.

Das soll nicht der einzige Aha-Effekt an diesem Abend für die Eltern der Schüler des Schulzentrums Blaufelden bleiben. Anhand konkreter Beispiele zeigt Sailer die Risiken der sozialen Medien immer wieder auf. Unter sozialen Medien versteht man Websites, Programme und Netzwerke, die sich auf den Austausch der jeweiligen Nutzer untereinander spezialisiert haben.

Der beliebte Messenger-Dienst Whatsapp beispielsweise, der zu Beginn des Jahres rund 1,5 Milliarden Nutzer hatte: „Ich persönlich würde Whatsapp niemals benutzen“, sagt Sailer. Grund dafür: Die Berechtigungen, die man der App mit der Installation einräumt, und die sich kaum einer durchliest.

Facebook kaufte Whatsapp laut Handelsblatt vor rund vier Jahren für 17,4 Milliarden Euro, für Nutzer ist Whatsapp allerdings kostenlos. Mark Zuckerberg, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Facebook, habe damals aber nicht aus Nächstenliebe gekauft, so Sailer, denn: „So etwas wie kostenlose Apps gibt es nicht, letztlich bezahlt jeder Nutzer mit seinen Daten“, so auch bei Whatsapp. Der Mensch sei also nicht Kunde, sondern das Produkt selbst, aus dem Geld generiert wird.

Websites verpetzen Nutzer

Ähnlich verhalte es sich auch mit Websites, auf denen jeder scheinbar kostenlos die neuesten Kinofilme anschauen kann. „Die Betreiber dieser Seiten leiten die Daten der Nutzer direkt an die Unternehmen weiter, die die Rechte an den Filmen haben“, sagt Sailer. Diese wiederum wenden sich per Anwalt an die Nutzer und es wird eine Strafzahlung fällig.

Für die Eltern wichtig: Grundsätzlich seien sie „für fast jeden Käs’ verantwortlich, den das Kind macht“, so Sailer, denn das Smartphone gehöre nicht dem Kind, sondern dem Bezahler der Karte. Allerdings könnten Eltern die Jugendlichen auf ihrem Weg in die sozialen Netzwerke begleiten, Tipps dafür gibt Sailer auf seiner Homepage (siehe Infokasten).

Uli Sailer klärt Jugendliche und Eltern seit 22 Jahren in Vorträgen über die Gefahren der sozialen Medien auf, fährt dafür durch das ganze Land. Nach Blaufelden kam der Gerlinger Sailer auf Einladung des Elternbeirats des Schulzentrums. „Digitale Medien sind ein brennendes Thema“, sagt die Vorsitzende Kathrin Kollmar. Ein Bekannter eines Beiratsmitglieds habe einen Vortrag Sailers an einer Creglinger Schule gesehen, so kam der Kontakt zustande.

Besser zweimal prüfen

Am folgenden Tag hält Sailer noch einen Vortrag, dieses Mal vor den Jugendlichen der siebten Klasse des Schulzentrums Blaufelden. Die Botschaft, die Sailer verbreiten möchte, ist dieselbe: Sobald man sich in der Online-Welt bewegt, sollte man sehr vorsichtig mit seinen Daten umgehen und besser zweimal prüfen, welche Berechtigungen Anbietern eingeräumt werden.

Whatsapp gibt es auch in Sicher


Alternativen zu Whatsapp gibt es viele. Wir haben drei ausgesucht und stellen sie kurz vor.

1. Simsme: Der Messenger-Dienst der Deutschen Post ist kostenlos und werbefrei. Er verwendet eine echte Ende-zu-Ende Verschlüsselung, das heißt die Daten sind vor, während und nach der Übertragung verschlüsselt. Die Server stehen in Deutschland, Berechtigungen braucht Simsme deutlich weniger als Whatsapp.

2. Threema: Die App aus der Schweiz kostet 2,99 Euro. Durch Löschen und Verschlüsseln von Nachrichten und lokaler Daten versucht die App, das Sammeln und den Missbrauch persönlicher Informationen zu verhindern.

3. Signal: Laut eigenen Angaben haben die Entwickler und Betreiber von Signal zu keinem Zeitpunkt Zugriff auf die Kommunikation der Nutzer und speichern keine Daten. Das Verschlüsselungsverfahren ist für alle Interessierte frei einsehbar. luc

Mehr Infos zum sicheren Umgang mit sozialen Medien gibt Uli Sailer auf seiner Homepage www.uli-sailer.de.